Michaeli (29.9.): So wichtig war dieses Fest einmal

Ein Michaelfeuer ist Teil vom Michaelifest.
IMAGO/imagebrokerDie dunkle Jahreszeit bricht an, die Bauern und Landwirte fahren die Ernte ein. Zwischen den Erntefesten liegt im Spätsommer oder Frühherbst ein lang vergessenes Fest, was früher einmal so eine große Bedeutung hatte, dass wir heute noch unbewusst Traditionen dieses Festes aufrechterhalten. Was ist Michaeli, wann wird es gefeiert und warum?
So wurde Michaeli früher gefeiert
Als Michaeli wird das Fest des Erzengels Michael bezeichnet. Das Michaels-Fest findet jedes Jahr am 29. September statt und läutet die vierwöchige Michaeli-Zeit ein. In der Zeit nehmen die Menschen Abschied vom Sonnenlicht und der Fülle des Sommers. Sie stellen sich auf die Zeit des künstlichen Lichts ein und freuen sich über die Geschenke, die die Natur zurücklässt, wenn sie sich zurückzieht.
Früher wurde an dem Tag nicht gearbeitet. Bauern luden Mägde, Knechte, Arbeite, Gehilfen zum Festessen mit Michelgans ein. Gegen die bösen Geister in der dunklen Jahreszeit wurden Michelfeuer gezündet und es gab Märkte und andere Feste im ganzen Land. Der Dürkheimer Michaelimarkt, auch als Dürkheimer Wurstfest bekannt und angeblich das größte Weinfest der Welt, geht auf den Michaelistag zurück. Der Michaeltag wurde früher auch administrativ genutzt. Steuerabgaben waren an Michaeli fällig, Arbeiterinnen und Arbeiter wurden entlohnt, gewechselt oder entlassen.
Heute ist der Festtag weitgehend in Vergessenheit geraten. Doch gewisse Traditionen wie die Michaelimärkte, Michaelsfeuer und Michaelbrote leben weiter. In der Anthroposophie ist Michaeli immer noch ein wichtiges Fest. Dort wird Michaeli, zusammen mit dem Martinstag und Nikolaustag, als erstes Fest einer Dreiheit, die auf Weihnachten hinführt, gefeiert. Der Heilige Michael steht dabei für Mut. Michaeli ist daher in den Waldorfeinrichtungen ein wichtiger Tag.
Wer ist der Engel Michael?
In der Bibel heißt es, dass der Erzengel Michael den Drachen im Himmel besiegte und ihn auf die Erde stürzte. Er gilt als Bezwinger des Teufels und Anführer der Heerscharen. Am Tag des Jüngsten Gerichts entscheidet der Erzengel Michael, wer in den Himmel oder in die Hölle kommt.
Im Militär gilt Michael als Schutzpatron, besonders für die Fallschirmjäger. Otto der Große glaubte, sein Sieg über die Ungarn im Jahr 955 war nur mit der Hilfe des Engels Michael möglich. Zum Dank ernannte er den Erzengel Michael zum Patron des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.
Warum wird Michaeli am 29. September gefeiert?
Ludwig der Fromme beschloss im Jahr 813 auf der Mainzer Synode, dass der 29. September ein fester Feiertag werden sollte. Für die Germanen war der 29. September der Tag des Herbstbeginns und wurde mit Opfergaben für den Gott Wotan rauschen gefeiert. Ludwig der Fromme wollte dem heidnischen Treiben ein Ende bereiten und widmete den Tag dem christlichen Erzengel Michael.
Bereits im Jahr 493 hatte Papst Gelasius I. den 29. September zum Festtag für den heiligen Michael und alle Engel erklärt. Auch heute wird der Tag von den römisch-katholischen, anglikanischen und protestantischen Kirchen gefeiert. In der protestantischen Kirche feiern die Christen an dem Sonntag nach Michaeli das Erntedankfest.
Sprichwörter, die auf Michaeli zurückgehen
Da Michaeli mal ein wichtiges Fest war, findet man auch heute noch einige Sprichwörter oder Bauernregeln, die auf diesen Tag zurückgehen.
- „Der Michel zündt's Licht an“
- „Ein Baum gepflanzt St. Michael, der wächst von Stund an auf Befehl. Ein Baum gepflanzt an Lichtmess erst (2. Februar), sieh zu, wie du den wachsen lehrst.“
- „Regnet´s sanft am Micheltag, folgt ein milder Winter nach.“
- „Kommt Michel heiter und schön, wird's noch 4 Wochen so weiter gehen.“
- „Gibt’s Michaeli Sonnenschein, wird in 2 Wochen Winter sein.“
- „Bringt St. Michael Regen, kannst du gleich den Pelz anlegen.“
