München/Hannover / Steffen Wolff  Uhr
In der Diskussion rund um angeblich zu schwere Aufgaben beim Mathe-Abi 2019 erhalten die Schüler Unterstützung. In Bayern stellt sich der Lehrerverband auf ihre Seite.

Waren die Aufgaben wirklich zu schwer, oder sind die Schüler einfach nicht klug genug? Diese Frage stellt sich aktuell in mehreren Bundesländern. Denn nach dem Mathe-Abitur fühlen sich etliche Prüflinge zu unrecht behandelt.

So haben etwa in Bayern am vergangenen Freitag rund 37.000 Abiturienten ihre Mathe-Abschlussprüfung geschrieben. Und nicht wenig sind danach der Meinung: Die Prüfung war viel zu schwer! Denn mit derart schwierigen Aufgaben hat dort niemand gerechnet. Vor allem Geometrie und Stochastik seien problematisch gewesen, berichtet unter anderem der Münchner Merkur. Interessant dabei: Das sehen offenbar nicht nur viele Schüler, sondern auch Lehrer so.

Das Mathe Abi 2019 sorgt immer noch für Diskussionen. Zwei Schülerinnen erklären, warum sie die Mathematik-Prüfung in Bayern so besonders schwer fanden.

Am Freitag ging das Abi mit der Mathe-Prüfung weiter. Die Neuerungen des schriftlichen Abiturs stellen die Gymnasien vor logistische Herausforderungen.

Abi-Frust auch in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen klagen die Schüler, das Fach Mathematik habe bei der Abi-Prüfung so manchen zur Verzweiflung gebracht. Die Aufgaben seien nicht nur zu schwierig gewesen, auch die Anzahl der Aufgaben habe sich in der vorgegeben Zeit nicht bewerkstelligen lassen. Das traf offensichtlich auch die Pädagogen hart. „Ich bin total frustriert“, zitiert die Hannoversche Allgemeine Zeitung (haz.de) eine Lehrerin. „Bei diesen Aufgaben war es den Schülern kaum möglich zu zeigen, was sie wirklich können.“ Die Aufgabenstellungen aus dem Wahlteil der Klausur seien derart kompliziert formuliert gewesen, sagt die Mathelehrerin, dass sie selbst Mühe hatte, den Sinn zu verstehen. Erst als sie die Musterlösung gesehen habe, habe sie auch verstanden, wie die Aufgaben gemeint gewesen sei.

Es ist die erste große Prüfung - und sie endet für immer mehr junge Leute mit einer handfesten Enttäuschung: In Deutschland rasseln wieder mehr Schüler durchs Abitur.

Online-Petitionen gegen Mathe Abi gestartet

In beiden Bundesländern haben die Schüler jetzt Angst um ihre Abi-Note. Deshalb haben sie eine Online-Petition gestartet. Darin fordern sie eine gerechte Lösung sowie eine Stellungnahme des jeweiligen Kultusministeriums. Bis Sonntagmittag hatten bereits mehr als 8000 Niedersachsen die Petition unterzeichnet - 5000 sind nötig, damit sich der Petitionsausschuss des Landtages mit dem Anliegen beschäftigt.

Bereits mehr als 40.000 Unterzeichner (Stand Sonntagmittag) haben die Schüler in Bayern bereits mit ihrer Petition an das bayerische Kultusministerium gesammelt. Ihre Forderung: Den Notenschlüssel des Mathe-Abis zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen.

Mit der Deutsch-Prüfung hat in Baden-Württemberg und Bayern am Dienstag das schriftliche Abitur begonnen. Die Aufgaben kamen per USB-Stick – und inklusive Fehlern. Ein Besuch am Ulmer Einstein-Gymnasium.

Abi-Prüfung: Bayern-SPD und Lehrerverband solidarisieren sich mit Schülern

Die SPD im Landtag solidarisiert sich mit Schülern in Bayern, die über zu schwere Abiturprüfungen in Mathematik geklagt haben. Die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Simone Strohmayr, appellierte am Sonntag an das Kultusministerium, die Beschwerden der Schülerschaft ernst zu nehmen und die Aufgaben noch einmal gewissenhaft zu prüfen. „Wenn eine entsprechende Petition der Schülerinnen und Schüler innerhalb weniger Stunden tausende Unterschriften sammelt, dann muss der Vorgang sehr ernst genommen werden“, sagte Strohmayr laut Mitteilung.

Falls die Mathematik-Aufgaben tatsächlich deutlich schwerer gewesen seien als in den vergangenen Jahren, müsse das Ministerium die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Der Notenschlüssel müsse dann gesenkt und an den Schwierigkeitsgrad angepasst werden. „Ein entsprechender Fehler sollte auch eingestanden werden und entsprechende Korrekturen nach sich ziehen“, sagte Strohmayr.

Auch der Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) zeigt Verständnis. Nach dessen Ansicht hatten die Schüler zu wenig Zeit bei der Bewältigung der Prüfungen in Mathematik. Verbandspräsidentin Simone Fleischmann sagte der dpa, in einem Teil der Prüfung habe es sehr viel - teils auch unnötigen - Text gegeben. „Eklatant viele“ Schüler seien deswegen nicht rechtzeitig fertig geworden.

Bayrischer Kultusminister Piazolo sagt Überprüfung zu

Einen Teilerfolg haben die Schüler offenbar schon erreicht. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) kündigte eine Überprüfung der Aufgaben an. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir nehmen das natürlich ernst und werden das sorgfältig prüfen.“ Dies werde zeitnah geschehen. Bereits an diesem Montag wolle er sich mit den Experten in seinem Ministerium besprechen. Einbezogen werden sollen auch Lehrkräfte und Fachberater.

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