• Am Donnerstagabend, 18.02.2021, ist der Nasa-Rover „Perseverance“ auf dem Mars gelandet.
  • Der Rover war im Juli 2020 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida gestartet.
  • Nun sollen Perseverance und Ingenuity den Roten Planeten weiter erforschen
  • Das sind die Ziele und Aufgaben der Mars-Mission

Perseverance-Landung auf dem Mars: Eines der spektakulärsten Ereignisse der Raumfahrt

Sputnik, Mondlandung, Raumstation „Mir“, Space-Shuttles, Internationale Raumstation ISS: Die US-Weltraumbehörde Nasa und die beiden anderen großen Raumfahrtagenturen Esa (Europa) und Roskosmos (Russland) blicken auf ruhmreiche Missionen und Projekte zurück.
Doch am Donnerstag stand eines der spektakulärsten Ereignisse der jüngeren Raumfahrtgeschichte an: Die Nasa sendete im Zuge der Mission „Mars 2020“ ihre fünfte Sonde zum Mars. Nach monatelangem Flug kam der Nasa-Rover „Perseverance“ auf dem Roten Planeten an.
Der Name der Sonde ist Programm. Das englische Wort „Perseverance“ heißt auf Deutsch „Ausdauer“ oder auch „Beharrlichkeit“. Das ist nötig angesichts der langen Vorbereitungen und des ungeheuren finanziellen Aufwandes für diese Mission, welche mit der Landung des Rovers auf dem Mars einen ersten Höhepunkt erreichte - weitere Höhepunkte werden mit den Forschungsaufgaben auf dem Mars folgen. Fragen und Antworten rund um die Mission.
Die Landung des Rovers "Perseverance" auf dem Mars ist eines der größten Ereignisse der jüngeren Raumfahrtgeschichte.
Die Landung des Rovers „Perseverance“ auf dem Mars ist eines der größten Ereignisse der jüngeren Raumfahrtgeschichte.
© Foto: DPA

Perseverance auf dem Mars: So lief die Landung

Nach siebenmonatiger Reise durch das All ist der Mars-Rover "Perseverance" problemlos und sanft auf dem Roten Planeten gelandet. "Landung bestätigt", sagte Operationsleiterin Swati Mohan am Donnerstag bei der Live-Übertragung der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Im Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena brach Jubel aus. US-Präsident Joe Biden sprach von einer "historischen" Landung und beglückwünschte die Nasa.
Bereits kurz nach der Landung wurde ein erstes von "Perseverance" aufgenommenes Schwarz-Weiß-Foto von der Mars-Oberfläche veröffentlicht. Der Rover war rund sieben Minuten zuvor in die Atmosphäre des Roten Planeten eingedrungen. Dann öffnete sich ein Landefallschirm, ein Hitzeschild wurde abgestoßen, und Raketentriebwerke bremsten die Geschwindigkeit weiter ab.
In der letzten Phase des Landemanövers wurde der Rover aus einer Höhe von etwa 20 Metern von einer Art Kran mit Kabeln im Krater Jezero abgesetzt. Die Kranstruktur löste sich dann von dem Rover, um ihre eigene Landung auf dem Planeten zu vollführen.

Landung von Perseverance auf dem Mars: „Sieben Minuten des Schreckens“

Wegen des hochkomplizierten Landemanövers hatte die Nasa im Vorfeld von "sieben Minuten des Schreckens" gesprochen. Die Erleichterung und Freude über die geglückte Landung war so groß, dass Nasa-Forschungsdirektor Thomas Zurbuchen laut eigenem Eingeständnis alle Corona-Auflagen ignorierte und seine Kollegen umarmte.
Präsident Joe Biden bezeichnete die gelungene Landung als Beweis für die Kraft der Wissenschaft und der "amerikanischen Genialität". Dank dieser Fähigkeiten liege "nichts jenseits des Bereichs des Möglichen", schrieb der Präsident im Kurzbotschaftendienst Twitter.
"Sieben Minuten des Schreckens": Gebannt verfolgten die Mitarbeiter der Mars-Mission die Landung von Perseverance und Ingenuity auf dem Roten Planeten.
„Sieben Minuten des Schreckens“: Gebannt verfolgten die Mitarbeiter der Mars-Mission die Landung von Perseverance und Ingenuity auf dem Roten Planeten.
© Foto: Bill Ingalls/DPA

Ingenuity und Perseverance: Das sind die Aufgaben und Ziele auf dem Mars

Mehr als ein Jahrhundert nach dem ersten motorisierten Flug auf der Erde soll bald ein solches Manöver erstmals auf einem anderen Planeten stattfinden: Im Rahmen der Mission "Mars 2020" hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Donnerstag mit ihrem Mars-Rover "Perseverance" auch den neuen ultraleichten Hubschrauber "Ingenuity" auf den Roten Planeten gebracht.
Dort soll "Ingenuity" durch die Mars-Atmosphäre fliegen. Dies ist eine besondere Herausforderung, weil die Mars-Atmosphäre nur ein Prozent der Dichte der Erdatmosphäre hat.
"Ingenuity" ähnelt eigentlich eher einer Drohne. Die Nasa-Ingenieure mussten den Mini-Helikopter so leicht wie möglich bauen, damit er in der extrem dünnen Mars-Atmosphäre abheben kann. Er wiegt gerade einmal 1,8 Kilo und besteht aus vier Füßen, einem Flugkörper und zwei Propellern. Die Propeller drehen sich 2400 Mal pro Minute und damit etwa fünf Mal schneller als bei einem normalen Hubschrauber.

Ingenuity: Die technische Ausstattung der Drohne

"Ingenuity" ist mit vier Solarpaneelen ausgestattet, um seine Batterien wieder aufladen zu können. Ein großer Teil der Energie wird benötigt, um das Fluggerät nach Nachttemperaturen von minus 90 Grad wieder aufzuwärmen. Während seiner Flüge kann "Ingenuity" Fotos und Videos vom Mars machen. Auf der Reise zum Roten Planeten wurde der Hubschrauber im Bauch des Mars-Rovers "Perseverance" transportiert.
"Ingenuity" soll bis zu fünf Flüge über der Mars-Oberfläche absolvieren. Das Fluggerät kann bis zu fünf Meter aufsteigen und bis zu 300 Meter weit fliegen. Beim ersten Test soll aber eine deutlich kürzere Strecke zurückgelegt werden.
Jeder Flug kann bis zu anderthalb Minuten dauern. Die Nasa betont, dies sei nicht wenig "verglichen mit den zwölf Sekunden", die der erste motorisierte Flug auf der Erde gedauert habe.
Da die Übertragung von Daten vom Mars auf die Erde rund 20 Minuten dauert, wird "Ingenuity" nicht ferngesteuert, sondern fliegt selbstständig. Die Nasa erteilt nur grundsätzliche Befehle, danach orientiert sich "Ingenuity" mit einer Reihe von Sensoren. Die Ergebnisse der Flüge werden erst einige Zeit später vorliegen.

Das sind die Ziele der Mars-Mission von Perseverance und Ingenuity

Die Nasa spricht bei "Ingenuity" von einer Demonstrationsmission. Sie hat kein wissenschaftliches Ziel außer zu zeigen, dass Fliegen auf dem Mars möglich ist. Außerdem will die Nasa mit dem Projekt Daten eines Fluggeräts auf einem anderen Planeten sammeln.
In der Zukunft könnten solche Fluggeräte "eine ganz neue Ära der Mars-Erforschung eröffnen", meint der Chef-Ingenieur des Projekts, Bob Balaram. Sie könnten etwa Gebiete erreichen, in die Rover nicht gelangen können.
Vorstellbar ist auch, dass solche Mini-Helikopter künftig an eine Station auf dem Mars "Bericht erstatten", also ihre Messdaten, Bilder und Gesteinsproben dort abliefern könnten.
Der Jubel im Nasa-Kontrollzentrum war nach der erfolgreichen Landung von Ingenuity und Perseverance auf dem Mars riesig.
Der Jubel im Nasa-Kontrollzentrum war nach der erfolgreichen Landung von Ingenuity und Perseverance auf dem Mars riesig.
© Foto: Bill Ingalls/DPA
In einem Krater auf dem Mars hatte es nach Einschätzung von Wissenschaftlern vor rund 3,5 Milliarden Jahren einen Fluss gegeben, der in einen See mündete. „Perseverance“ soll dort mehrere Jahre lang nach Spuren von früherem mikrobiellen Leben auf dem Mars suchen sowie das Klima und die Geologie des Planeten erforschen. An der Auswertung der Daten und Bilder ist auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt.
Diese Grafik zeigt, wie der Rover "Perseverance" auf dem Mars landen soll.
Diese Grafik zeigt, wie der Rover „Perseverance“ auf dem Mars landen soll.
© Foto: dpa-infografik GmbH

Was ist neu am Mars-Rover und der Mission der Nasa?

  • Erstmals sollen in einer gemeinsam mit der europäischen Raumfahrtagentur Esa entwickelten Mission Proben vom Mars eingesammelt und zurück zur Erde gebracht werden. Das lässt ganz neue Untersuchungen über mikrobielles Leben auf dem Mars zu.
  • Erstmals soll mit dem oben beschriebenen „Ingenuity“ ein kleiner Hubschrauber auf dem Mars fliegen - eine besondere Herausforderung in dieser Atmosphäre. Das Fluggerät kann bis zu fünf Meter aufsteigen und bis zu 300 Meter weit fliegen. Beim ersten Test soll aber eine deutlich kürzere Strecke zurückgelegt werden.
  • Erstmals werden mit „Perseverance“ zudem Mikrofone auf den Mars geschickt. Damit kann quasi „live“ gehört werden, welche Geräusche es dort gibt.
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Was macht den neuen Mars-Rover der Nasa besonders?

Der rund 2,5 Milliarden Dollar (etwa 2,2 Milliarden Euro) teure Rover ist mit Hightech vollgestopft. Das Gefährt ist etwa so groß wie ein Kleinwagen und war rund acht Jahre lang entworfen und gebaut worden. An Bord hat der rund 1000 Kilo schwere und drei Meter lange Rover
  • einen zwei Meter langen Roboterarm
  • unter anderem 7 wissenschaftliche Instrumente,
  • 23 Kameras und
  • einen Laser, um Felsen für ‚Proben zu beschießen.
„Perseverance“ sei der „größte, schwerste, sauberste und technisch ausgefeilteste sechsrädrige „Geologe“, der je in den Weltraum befördert wurde“, heißt es bei der Nasa stolz.

Ziel Roter Planet: Welche weiteren Mars-Missionen gibt es?

Gelingt „Perseverance“ die Landung, dann wäre es bereits der fünfte Rover, den die Nasa zum Mars bringt - zuletzt 2012 „Curiosity“. Insgesamt waren bislang weniger als die Hälfte aller weltweit gestarteten Mars-Missionen erfolgreich. In der vergangenen Woche waren kurz hintereinander Raumsonden erst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und dann aus China erfolgreich in die Umlaufbahn des Planeten eingeschwenkt. „Al-Amal“, die Sonde der Vereinigten Arabischen Emirate, soll nicht landen, das Aufsetzen des chinesischen Raumschiffs „Tianwen 1“ ist in zwei bis drei Monaten geplant.
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Erste Marslandungen von Viking 1 und 2

Die erste Marslandung gab es übrigens 1976: Als erste Nation schickten die USA Raumschiffe zum Mars, die auf dem Planeten funktionierten - im Juli 1976 Viking 1 und zwei Monate später Viking 2. Zusammen schickten diese mehr als 50.000 Fotos; sie zeigten, dass es auf dem Mars keine Anzeichen von Leben gibt. Das sieht man heute anders.