Erneut wurde in Frankreich eine Präsidentschaftswahl zwischen Emmanuel Macron und Le Pen entschieden: Marine Le Pen hatte in den Umfragen kurz vor der Wahl deutlich an Prozentpunkten zugelegt. In der entscheidenden Stichwhl unterlag die rechte Politikerin gegen Amtsinhaber Macron. Marine Le Pen ist die Tochter von Jean-Marie Le Pen und wirbelt die Politik in Paris nach wie vor ganz schön auf. Kurz vor der Wahl kam sie wegen ihrer Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Kritik – ein Fakt, den sie später versuchte, zu verschleiern.
Wer ist also Marine Le Pen? Was ist über sie privat bekannt? Was sind ihre Ziele bei der Wahl 2022? Hier alle Infos.

Partei, Vater, Kinder – Das ist Marine Le Pen

Die wichtigsten Fakten zu Marine Le Pen auf einen Blick:
  • Name: Marion Anne Perrine Le Pen
  • Geburtstag: 05.08.1968
  • Alter: 53
  • Größe: 1,82 cm
  • Geburtsort: Neuilly-Sur-Seine, Frankreich
  • Wohnort: Paris, Frankreich
  • Eltern: Jean-Marie Le Pen und Pierrette Lalanne
  • Geschwister: Zwei Schwestern: Marie-Caroline und Yann
  • Ehen: Franck Chauffroy (geschieden 2000); Eric Lorio (geschieden 2006); Louis Aliot (nicht verheiratet)
  • Kinder: Mathilde (*1999), Louis (*1999) und Jehanne (*1998)
  • Beruf: Anwältin, Politikerin und Vorsitzende der Partei Rassemblement National (ehemals Front National)

Marine Le Pen und Wladimir Putin: Freundschaftliches Verhältnis

Kurz vor der Wahl 2022 ist Russland in die Ukraine einmarschiert. Damit kam Le Pen in Bedrängnis, da ihr eine Nähe zu Putin vorgeworfen wurde. Die rechtspopulistische französische Präsidentschaftskandidatin ließ Wahlbroschüren vernichten, in denen sie an der Seite Putins zu sehen war. Offiziell sei ein Rechtschreibfehler der Grund, berichtete die Zeitung "Libération". Dieser Fehler sei allerdings nicht zu finden gewesen. Wahrscheinlich sei eher das unter den aktuellen Umständen besonders peinliche Foto mit Putin der Auslöser gewesen.
Dieses Foto mit Putin ließ Marine Le Pen vor der Wahl vernichten.
Dieses Foto mit Putin ließ Marine Le Pen vor der Wahl vernichten.
© Foto: dpa
Le Pen war vier Wochen vor der Präsidentschaftswahl 2017 von Putin in Moskau empfangen worden. Putin stehe für "eine neue multipolare Vision der Welt", sagte Le Pen damals. Mit Blick auf die Ukraine teile sie die Ansicht Putins. "Die Krim gehörte niemals zur Ukraine", hatte Le Pen in einem Interview mit einer russischen Zeitung gesagt.
Neben Le Pen sind auch weitere französische Präsidentschaftskandidaten wegen ihrer Nähe zu Putin in Bedrängnis geraten, insbesondere der rechtsextreme Politiker Eric Zemmour und der linkspopulistische Kandidat Jean-Luc Mélenchon.
Die Partei von Le Pen hat, wie viele rechtspopulistische Parteien in Europa, von Russland Spenden bekommen. Diese sind vermutlich von Putin gesteuert und bewilligt.

Marine Le Pen: Vater, Partei, Ziele des Rassemblement National

Marine Le Pen ist die Tochter des Gründers der Partei Front National (FN). Auch deshalb hat sie sich schon früh in der FN engagiert, seit 2003 ist sie die stellvertretende Vorsitzende der Partei. 2011 wurde sie zur Nachfolgerin von ihrem Vater, Jean-Marie Le Pen, an die Spitze der Partei gewählt.
Marine Le Pen versucht seit der Übernahme als Vorsitzende die FN neu auszurichten und sich von den rechtsextremen Elementen der Partei abzugrenzen, um so mehr Zuspruch aus der bürgerlichen Mitte zu gewinnen. So hat sie den Antisemitismus in der Partei bekämpft und die Relativierung des Holocaust durch ihren Vater klar verurteilt. Die FN hat sie in „Rassemblement National“ (RN) umbenannt. Das hat auch dazu geführt, dass ihr Vater aus der Partei ausgeschlossen wurde – und seither öffentlich gegen seine Tochter spricht. Mit ihren Positionen gegen Migration und insbesondere gegen Muslime gilt sie als rechtspopulistisch. Sie ist gegen Sozialhilfe für Ausländer und befürwortet mehr Abschiebungen aus Frankreich.

Marine Le Pen: Positionen zur EU, zur NATO und zu Russland

Marine Le Pen gilt als EU-Skeptikerin, hatte 2017 sogar versprochen, ein Referendum zum EU-Austritt Frankreichs abhalten zu wollen. 2012 hatte sie einen Austritt Frankreichs aus der NATO befürwortet und eine engere Bindung zu Russland gefordert.
Würde Le Pen in der Wahl 2022 gewinnen und im Mai in den Élysée einziehen, dann würde das Putin in die Karten spielen. Mit Le Pen hätte er dann eine Sympathisatin im Herzen der EU. Le Pen und Putin haben ähnliche Weltansichten, sie würde die EU und die Nato wieder zerreißen. Kurz vor der Wahl hatte sie bekräftigt, dass sie Putin trotz des Krieges weiter als Partner ansieht. Der Nato wirft sie vor, mit der Erweiterung nach Osten Russland unter Druck gesetzt zu haben – was russische Propaganda ist. Le Pen unterstützt zudem die Sanktionen gegen Russland nicht.

Wahl 2022: Nichte von Marine Le Pen tritt gegen sie an

Im Anlauf zur Präsidentschaftswahl in Frankreich hat die rechte Kandidatin Marine Le Pen im Wettstreit mit dem extrem rechten Mitbewerber Éric Zemmour einen Tiefschlag einstecken müssen. Ihre Nichte und frühere Mitstreiterin Marion Maréchal erklärte ihre Unterstützung für Zemmour, ein Schritt der bereits erwartet worden war. „Ja, ich habe entschieden, Éric Zemmour bei der Präsidentschaftswahl zu unterstützen“, sagte Marion Maréchal der Zeitschrift „Valeurs Actuelles“. „Ich schließe mich dem Kandidaten an, den ich heute am besten positioniert sehe, die Ideen, die ich immer verteidigt habe, zum Erfolg zu führen.“
Die Nichte von Marine Le Pen, Marion Maréchal, unterstützt Éric Zemmour 2022.
Die Nichte von Marine Le Pen, Marion Maréchal, unterstützt Éric Zemmour 2022.
© Foto: dpa
Zwar hatte Maréchal (32) sich vor fünf Jahren aus der Politik und der inzwischen in Rassemblement National (RN) umgetauften rechten Partei von Le Pen zurückgezogen. Dennoch wird ihr Wechsel ins Lager von Zemmour als Schwächung von Le Pen gesehen, die in den Umfragen vor der Wahl im April zeitweise von dem noch weiter rechts stehenden Publizisten Zemmour eingeholt wurde.
Le Pen erhält nicht das erste Mal familiären Gegenwind bei ihrer Parteiarbeit. Mit ihrem Vater und Parteigründer Jean-Marie Le Pen lieferte sie sich eine politische Dauer-Fehde über den richtigen Kurs, bis dieser schließlich aus der Partei ausgeschlossen wurde.
Lange Zeit war Marine Le Pen (53) das bekannte Gesicht des rechten Lagers gewesen und galt als dessen einzige ernstzunehmende Anwärterin auf das höchste Staatsamt. Doch seit Verkündung seiner Kandidatur im November bringt der mehrfach wegen rassistischer Äußerungen verurteilte Publizist Zemmour (63), der bislang nicht parteipolitisch aktiv war, Le Pen in Bedrängnis. Mit Maréchal hofft er nun, seiner frisch geschaffenen Bewegung Reconquête (deutsch: Wiedereroberung) ein junges, weibliches Gesicht und frischen Schub zu geben.