Mädchen aus Freiburg Marias Begleiter Bernhard Haase in Italien in Haft

Maria H. aus Freiburg erklärte in einer privaten Gruppe auf Facebook, warum es einfacher war so lange von zu Hause weg zu bleiben.
Maria H. aus Freiburg erklärte in einer privaten Gruppe auf Facebook, warum es einfacher war so lange von zu Hause weg zu bleiben. © Foto: Patrick Seeger (dpa)
Freiburg / Petra Walheim 08.09.2018
Neue Wendung im Fall Maria H.: Ihr Begleiter wurde festgenommen – ausgerechnet in Italien. Nun sind viele Fragen offen.

Bernhard Haase, mit dem Maria H. aus Freiburg vor fünf Jahren verschwunden ist, ist am Freitag in Italien von der Polizei festgenommen worden. Der 40 Jahre ältere Mann, den die damals 13-jährige Maria im Internet kennengelernt hatte, wurde wegen Kindesentziehung mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Es besteht zudem der Verdacht des Kindesmissbrauchs. Die heute 18-jährige Maria ist seit gut einer Woche wieder in Freiburg; Freunde der Familie hatten sie in Mailand abgeholt und nach Hause gebracht. Der Polizei sagte sie, sie habe sich schon bald in Polen von Haase getrennt, sei allein mit Fahrrad und Zelt durch Osteuropa und Italien gereist und die vergangenen Jahre in Italien geblieben.

Dass gestern Haase nun ausgerechnet in Italien festgenommen wurde, lässt aufhorchen. Warum er sich ebenfalls in dem Land aufgehalten hat und ob er zuletzt doch noch mit Maria Kontakt hatte, darauf  hat die Polizei in Freiburg bisher keine Antwort. „Wir stellen uns diese Fragen auch“, sagte gestern Polizeisprecherin Laura Riske. Bernhard H. stammt aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen.

Konkrete Umstände nicht bekannt

Die Polizei hat am Freitag mit einer dürren Meldung verkündet, die italienischen Behörden hätten mitgeteilt, „dass der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Bernhard Haase in Italien festgenommen wurde“. Die konkreten Umstände seien bislang nicht bekannt. Es ist davon auszugehen, dass die Staatsanwaltschaft Freiburg an Italien einen Auslieferungsantrag stellt. Eine Bestätigung dafür war am Freitag nicht mehr zu bekommen.

Offene Fragen gibt es auch nach der Befragung von Maria. Die Polizei hatte die junge Frau am Mittwoch über mehrere Stunden vernommen. Sie gab an,  im Mai 2013 mit Haase Freiburg verlassen zu haben. Danach hätten sie „einige Zeit“ in Gorlice in Polen verbracht, wo sie in seinem Auto geschlafen hätten.

Danach sei sie aber bald alleine weitergezogen und wisse seitdem nicht, wo sich Bernhard Haase aufhält. Mit einem Fahrrad und Zelt sei sie durch mehrere osteuropäische Länder gezogen und nach drei Monaten in Italien angekommen, wo sie bis jetzt gelebt habe. Finanziell habe sie sich mit Gelegenheits-Jobs wie Fenster putzen oder Hilfe im Haushalt über Wasser gehalten. Vor etwa zwei Jahren habe sie eine Wohnung gemietet und ihren Lebensunterhalt weiter mit Jobben finanziert. Wie sie das als Minderjährige in einem fremden Land bewerkstelligte, ist eine weitere offene Frage.

Maria äußerte sich auf Facebook

Auf einer Facebook-Seite, die der Suche nach ihr gewidmet war, machte sie weitere Angaben. Bernhard Haases Verhalten ihr gegenüber habe sich „nach unserer Flucht“ täglich verschlechtert. Ihr sei es gelungen, „in Polen von ihm wegzulaufen“. Sie hätten mitbekommen, dass die Polizei nach ihnen suchte, „darum bin ich erstmal weiter geflüchtet“.

Später habe sie daran gedacht, zurückzukommen, wenn „Gras über die Sache gewachsen ist“, schreibt sie weiter. „Ich wusste nicht, wie ich es anstellen sollte, und ich hatte schreckliche Angst“, schreibt sie.  Sie habe befürchtet, in ein Kinderheim gesteckt zu werden oder „stundenlange Verhöre“ aushalten zu müssen.

Erst als sie volljährig gewesen sei, habe sie den Mut gefunden, zurück zu ihrer Familie zu gehen. Vorher sei sie auch nicht ins Internet gegangen, „aus Angst, die Polizei findet mich“. Erst nach ihrem 18. Geburtstag, „als ich mich in Sicherheit wusste“, habe sie sich über die Ermittlungen informiert. Erst da sei ihr bewusst geworden, wie sehr ihre Familie nach ihr suche, „und ich konnte es vor schlechtem Gewissen nicht mehr aushalten“.

Polizeimeldung

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