Die Corona-Fallzahlen steigen nicht nur in Deutschland rasant. Auch im Nachbarstaat Niederlande verzeichnen die dortigen Gesundheitsämter immer weiter steigende Infektions- und Patientenzahlen. Am Samstag, 13.11.21 wurden 16.241 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt über 500, medizinisches Personal warnt vor einem Notstand in den Krankenhäusern. Die Inzidenz war am Sonntag bei 545.
Die niederländische Regierung zieht jetzt die Konsequenz aus dieser Entwicklung und steuert das Land auf einen neuen Teil-Lockdown zu, wie niederländische Medien heute berichten. Dabei berufen sie sich auf Aussagen aus Regierungskreisen. Seit Samstag, 13.11.21 gilt ein eingeschränkter Shutdown von drei Wochen. Dann müssten Gaststätten und viele Geschäfte um 19 Uhr schließen.

Lockdown in Holland: Das gilt im Kampf gegen das Coronavirus

Seit Samstag, 13.11., müssen Gaststätten und Supermärkte um 20 Uhr schließen, andere Geschäfte bereits um 18 Uhr. Die 1,5 Meter-Abstandsregel wird wieder eingeführt, Bürger sollen wieder zu Hause arbeiten. Es werden auch Kontaktbeschränkungen eingeführt: Bürger sollen vier Besucher zu Hause empfangen. Sportwettkämpfe müssen ohne Publikum stattfinden, das gilt auch für Fußballspiele.
Von dem Shutdown ausgenommen sind Kinos und Theater. Besucher müssen nur eines der 3G nachweisen: Und zwar, dass sie geimpft, getestet oder genesen sind. Erst Ende September hatte das Land die meisten Regeln stark gelockert. Die neuen Regeln hat Hollands Ministerpräsident Mark Rutte am Freitagabend verkündet.
Die Schulen sollen jedoch geöffnet bleiben, auch soll es keine Ausgangsbeschränkungen geben. Die Maßnahmen sind zunächst auf drei Wochen beschränkt.
Die Niederlande sind das erste westeuropäische Land, das nach dem Sommer wieder zu einem Corona-Lockdown zurückkehrt.

Lockdown in Holland: Auswirkungen auf den Sport

Die Niederlande haben am Freitag wegen der stark steigenden Coronazahlen einen Teil-Lockdown verhängt, der auch massive Auswirkungen auf den Sport hat. So muss unter anderem das für Dienstag (20.45 Uhr/DAZN) in Rotterdam angesetzte WM-Qualifikationsspiel zwischen der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft und Norwegen ohne Zuschauer stattfinden.
Regierungschef Mark Rutte sprach von einem "harten Schlag für einige Wochen". Zur Begründung führte er an: "Das Virus ist überall, im ganzen Land, in allen Branchen und allen Altersgruppen." Die Einschränkungen sollen am Samstagabend in Kraft treten und für drei Wochen gelten.
Begleitet wurden Ruttes Ankündigungen von teils gewaltsamen Protesten von rund 200 Menschen in Den Haag. Sie wurden von der Polizei mit Wasserwerfern aufgelöst. Mindestens fünf Menschen wurden von der Polizei festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, bei einer Kundgebung in Den Haag Einsatzkräfte mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen sowie sich Anweisungen der Polizei widersetzt zu haben.
Menschen protestieren am Hauptbahnhof nach einer Pressekonferenz, bei der der niederländische Ministerpräsident Rutte einen Teil-Lockdown für drei Wochen angekündigt hat. Angesichts schnell steigender Infektions- und Patientenzahlen ziehen die Niederlande die Notbremse.
Menschen protestieren am Hauptbahnhof nach einer Pressekonferenz, bei der der niederländische Ministerpräsident Rutte einen Teil-Lockdown für drei Wochen angekündigt hat. Angesichts schnell steigender Infektions- und Patientenzahlen ziehen die Niederlande die Notbremse.
© Foto: Jeroen Jumelet/dpa
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) stufte am Freitag die Corona-Lage in zehn Ländern der Europäischen Union als "sehr besorgniserregend" ein. Zu ihnen zählten unter anderem Polen, Belgien, die Niederlande und Tschechien. In 13 weiteren Ländern, darunter Deutschland und Österreich, ist die Lage laut ECDC "besorgniserregend". Die Länder mit geringerer Impfrate sind demnach am stärksten betroffen.

Corona: Ist ein Lockdown in Deutschland auch möglich?

Das Robert Koch-Institut (RKI) rät aufgrund der steigenden Coronafallzahlen dringend dazu, größere Veranstaltungen abzusagen sowie alle nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren.
In der gestrigen ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ schloss Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) einen neuerlichen Lockdown nicht mehr aus. Sein Bundesland habe bundesweit die höchsten Zahlen. Die 2G-Regel werde im Kampf gegen die aktuelle Corona-Welle nicht reichen, so Kretschmer. „Wir müssen weitere Instrumente dazusetzen.“ Sonst könne die jetzige Situation in einer „humanitären Katastrophe“ enden.
Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Rainer Haseloff, möchte sich nicht festlegen, ob es im Winter zum Lockdown kommen könnte, folglich Gaststätten oder Läden geschlossen werden könnten. „Unser Ziel ist es, diese Schließungen unbedingt zu verhindern. Allerdings kann derzeit keiner eine sichere Prognose abgeben“, sagte er.
In einem Appell an die deutsche Politik macht der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband klar, dass die Branche ein erneuten Lockdown „mental und emotional nicht überleben“ würde. „Es muss sichergestellt sein, dass unsere Betriebe jetzt dauerhaft geöffnet bleiben“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbands, Ingrid Hartges, am Freitag, 12.12.21 bei RTL/ntv. Ein neuer Lockdown müsse seitens der Politik ausgeschlossen werden. Das haben die Ampel-Parteien vor Tagen bereits getan - in den von ihnen geplanten Corona-Maßnahmen sei kein neuer Lockdown vorgesehen.

Lockdown in Deutschland: Ampel-Parteien strikt dagegen

Lockdown-Maßnahmen, wie sie derzeit im Nachbarland Niederlande diskutiert werden, sind nach Angaben der Ampel-Parteien in Deutschland momentan kein Thema. „Der Lockdown steht nicht zur Debatte in den Diskussionen“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar, am Freitag in Berlin. Dies wäre angesichts der Impfquote auch „schwerlich durchsetzbar“, fügte sie hinzu.
Dittmar verwies darauf, dass Länder und Kommunen je nach Infektionslage bereits die Möglichkeit hätten, etwa Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte nicht zu genehmigen. Die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus sagte, man müsse immer ganz konkret am Infektionsgeschehen mit seinen Maßnahmen sein, Diskussionen über „eine Maßnahme für alle“ seien nicht richtig und nicht umsetzbar.
Koalitionsverhandlungen Die fünf Hürden der Ampel

Berlin

Die voraussichtlichen künftigen Regierungspartner SPD, FDP und Grüne beraten an diesem Freitag vor dem Hintergrund stark gestiegener Corona-Zahlen mit Experten über Maßnahmen zur Beschleunigung der Impfungen und sogenannten Booster-Impfungen in Deutschland.