Der erste Anleger für Flüssigerdgas (LNG) in Deutschland ist Mitte November fertiggestellt und am Dienstag, 15.11.2022, in Wilhelmshaven eröffnet worden. In rund einem Monat soll ein beladenes Spezialschiff, eine sogenannte schwimmende Speicher- und Regasifizierungsanlage (FSRU), an dem Landungsplatz anlegen. Von Mitte Januar an sollen dann Tanker mit LNG in Wilhelmshaven eintreffen.

Was ist LNG genau und welche Vorteile hat es?

Die Abkürzung LNG steht für die englische Bezeichnung „liquefied natural gas“ und bedeutet Flüssigerdgas. Als LNG wird Erdgas bezeichnet, das auf minus 161 bis minus 164 Grad Celsius abgekühlt wird. Die Vorteile des Flüssigerdgases liegen vor allem im Transport und der Lagerung. LNG weist nämlich nur etwa ein Sechshundertstel des Volumens von gasförmigem Erdgas auf. Während gasförmiges Erdgas wirtschaftlich sinnvoll nur in Rohrleitungen transportiert werden kann, lässt sich LNG in Spezialbehältern auch auf der Schiene, der Straße und dem Wasser transportieren.

Aus welchen Ländern kommt LNG nach Deutschland?

Bisher erhalten Deutschland und andere europäische Länder das über die Niederlande, Belgien oder Frankreich aufgenommene LNG vor allem aus den USA. Zu den größten Exporteuren zählt auch Katar, Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bemühte sich auf einer Reise im Frühjahr um Lieferbeziehungen. Katar will dem Vernehmen nach Langfristverträge und verkauft bereits viel Gas nach Asien. Weitere wichtige LNG-Ausfuhrländer sind Australien, Malaysia oder Nigeria.

Wie sieht die Infrastruktur für LNG in Deutschland aus?

Der jetzt fertiggestellte Flüssiggas-Anleger Wilhelmshaven I wird über eine 26-Kilometer-Pipeline an das überregionale Gasnetz angebunden. Sie führt bis zum Anschlusspunkt Etzel und ist laut Wirtschaftsministerium fast fertig. Die Leitung soll anfangs 10 Milliarden, später bis zu 28 Milliarden Kubikmeter pro Jahr transportieren und für Wasserstoff genutzt werden können. In Wilhelmshaven soll noch ein zweites Terminal gebaut werden: Wilhelmshaven II soll Ende 2023 starten, vorerst ebenfalls als Schwimmterminal. Eine vollständig an Land installierte Anlage soll später folgen.
In Stade hatte ein privates Konsortium bereits vor dem Krieg Russlands gegen die Ukraine angefangen, eine Anlage in der Nähe des Chemieparks mit dem US-Konzern Dow vorzubereiten. Ende 2023 soll dort eine schwimmende Plattform starten, Bauschritte wie Deichüberfahrten sind genehmigt. Ein fester Umschlagplatz soll bis 2026 fertig sein.
Ebenso noch in diesem Jahr soll in Brunsbüttel ein Schwimmterminal seine Arbeit aufnehmen. Der erste LNG-Tanker soll Ende Dezember festmachen. Parallel plant dort die German LNG Terminal GmbH eine feste Anlage, die voraussichtlich 2026 in Betrieb gehen könnte.
Im vorpommerschen Lubmin, wo auch die deutsch-russischen Gasleitungen Nord Stream 1 und 2 ankommen, will das Unternehmen Deutsche Regas mit einem schwimmenden Terminal LNG importieren. Zunächst war von einem möglichen Betriebsbeginn zum 1. Dezember zu hören - ob dies klappt, war zuletzt aber nicht klar. Die Arbeiten liegen laut Deutscher Regas im Zeitplan, es stehen jedoch noch Genehmigungen aus. Ein zweites Terminal soll in der zweiten Jahreshälfte 2023 an den Start gehen.

Was kostet LNG im Vergleich zu herkömmlichen Erdgas?

Zu welchen Konditionen das LNG auf den Energiemarkt kommt, ist noch relativ unsicher. Die Weltmarktpreise schwanken, und die in laufenden Verträgen noch gebundenen Mengen können das Angebot knapp halten. Weil das LNG erst verflüssigt und dann via Schiff transportiert werden muss, ist es in der Regel teurer als Erdgas, das über Pipelines importiert wird.

Was bedeutet das LNG für das Klima?

Generell wird beim Verbrennen von Erdgas viel CO2 freigesetzt, so natürlich auch bei LNG. Hinzukommt hier noch der Energieaufwand für die Abkühlung und den Transport. Klimaschützer gehen mit dem Ausbau der LNG-Kapazitäten deshalb hart ins Gericht. Die hauptsächlich aus Methan bestehenden Gemische werden für den Transport lediglich zusammengepresst und ultratiefgekühlt. Hinzu kommt, dass vor allem die USA mit dem umstrittenen Fracking-Verfahren fördern: Das Gas wird unter Hochdruck aus Gesteinsporen gepresst, im Fall älterer Technik kommt ein Chemikalien-Cocktail zum Einsatz.
(mit Material von dpa und AFP)