Bei Liebherr in Rostock wird in diesen Tagen ein Projekt fertiggestellt, das selbst für den Hersteller von großen Hafen- und Schiffskranen ungewöhnlich ist. Die Montage des HLC 295000 auf dem Schwerlastschiff „Orion“ im Hafen von Rostock ist ein Kraftakt. Schließlich handelt es sich bei dem „Heavy Lift Crane“ um den größten Kran, der jemals bei Liebherr gebaut worden ist. Er überragt mit bis zu 180 Meter Hubhöhe das Ulmer Münster und kann bis zu 5000 Tonnen heben. Das entspricht dem Gewicht von rund 2500 Mercedes S-Klasse-Limousinen.

Team in Quarantäne: Besonderer Einsatz bei Liebherr wegen der Corona-Krise

In den vergangenen Wochen wurde der Gigant in Rostock auf dem Spezialschiff „Orion“ montiert, und ist so gut wie fertig für den ersten Einsatz auf der 216,5 Meter langen „Orion“, die vorwiegend für den Bau und den Rückbau von Windkraftanlagen entworfen wurde.
Damit die Montage und die Installationsarbeiten trotz der weltweiten Corona-Krise fertiggestellt werden können, musste Liebherr in Rostock besondere Maßnahmen ergreifen, wie Pressesprecher Dieter Schmidt in einer Mitteilung berichtet. Soll heißen: Die Arbeiten erfolgten entsprechend der Hygienevorschriften zur Vermeidung einer Ausbreitung des Coronavirus quasi in Quarantäne. Nach einer Abstimmung mit den
  • Gesundheitsbehörden
  • der Betriebsärztin
  • dem Betriebsrat und
  • der Unternehmensleitung
habe man für die Dauer von sechs Wochen eine isolierte Zone am Liegeplatz 15 im Rostocker Überseehafen, der am 1. Mai sein 60-jähriges Bestehen feiert, eingerichtet. Dafür wurde eine vorübergehende Unterkunft mit Duschen, Betten, Aufenthaltsräumen und täglich frischer Verpflegung für das Personal bereitgestellt.

35 Liebherr-Mitarbeiter melden sich freiwillig für Montage in der Isolation

Insgesamt hätten sich 35 Mitarbeiter bei Liebherr freiwillig gemeldet, um in dieser Isolation das Großkranprojekt HLC 295000 abschließen zu können, heißt es in einer Mitteilung des Standorts. Die mittlerweile fast beendete Isolations-Phase war für die Dauer von sechs Wochen angelegt. Die 35 Mitarbeiter konnten den Bereich am Liegeplatz 15 jederzeit auf eigenen Wunsch verlassen oder wurden nach Beendigung ihrer Tätigkeiten sukzessive abgezogen, heißt es in der Mitteilung.
Das Unternehmen betont, dass die Maßnahme keine Selbstverständlichkeit, sondern nur Dank der vielen freiwilligen Mitarbeiter möglich gewesen sei, die sich in diesen außergewöhnlichen Zeiten besonders engagiert hätten.
Liebherr in Rostock hat im Hafen einen isolierten Bereich für die Montage des Schiffskrans HLC29500 eingerichtet.
Liebherr in Rostock hat im Hafen einen isolierten Bereich für die Montage des Schiffskrans HLC29500 eingerichtet.
© Foto: Rostock Port/nordlicht

Geringes Risiko für Ansteckung mit Coronavirus

Leopold Berthold, Geschäftsführer der Liebherr-MCCtec Rostock GmbH, sagt dazu: „Es erfüllt uns mit großem Stolz, dass sich so viele Kollegen für diesen außerordentlichen Einsatz gemeldet haben.“ Durch die Isolation habe das Projekt-Team die Möglichkeit, die Montagearbeiten am HLC295000 ohne ein erhöhtes Ansteckungsrisiko fortzuführen.
Die 35 Mitarbeiter selbst scheinen mit der Arbeit unter den besonderen Isolationsbedingungen gut klar gekommen zu sein. Martin Mathis, Kundendienstleiter für Offshore-Krane, berichtet aus dem isolierten Produktions-Bereich von einem positiven Nebeneffekt: „Der Einsatz in der Isolation hat unser Team noch enger zusammengeschweißt.“

Das ist der Liebherr-Standort Rostock

Die Liebherr-MCCtec Rostock GmbH wurde 2002 gegründet. Das Werk an der Ostsee nahm 2005 den Betrieb auf und entwickelt und fertigt
  • Schiffskrane
  • Hafenmobilkrane
  • Offshorekrane
  • Hafentransportfahrzeuge (Reachstacker)
  • Komponenten für Containerkrane
Das Werk, das Unternehmensangaben zufolge im Bereich der Hafenmobilkrane Weltmarktführer ist, liegt direkt am Hafen und hat auch eine Ausbildungsstätte, die Liebherr-Akademie Rostock. Einige Fakten zum Unternehmen Liebherr MCCtec Rostock GmbH:
  • Gründung: 2002
  • Mitarbeiter: 1640
  • Bebaute Fläche: 136.000 Quadratmeter
  • Gesamtfläche: 451.000 Quadratmeter

Insgesamt beschäftigt der 1949 in Kirchdorf an der Iller gegründete Liebherr-Konzern mit Sitz im schweizerischen Bulle sowie in Biberach weltweit 48.049 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Firmengruppe umfasst über 140 Gesellschaften. Der Umsatz betrug 2019 mehr als 11 Milliarden Euro.