Kultur Lecker, lecker: Das Museum für ekliges Essen

Malmö / André Anwar 10.10.2018
Im schwedischen Malmö gibt es bald 80 Köstlichkeiten aus aller Welt zu bestaunen. Es darf auch probiert werden.

Augen auf und durch. Im südschwedischen Malmö öffnen sich am 31. Oktober die Pforten des „Museums für ekliges Essen“ (Disgusting Food Museum) in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Schlachthauses. 80 besonders gewöhnungsbedürftige Gerichte aus aller Welt werden da, teils täglich frisch zubereitet, vorgestellt. Auch probieren dürfen mutige Besucher einige davon.

Kross gebratenes Meerschweinchen und vergammelter Fisch

 Aus Grönland wird mit dem Kiviak ein verblüffend einfaches Gericht vorgestellt: Man fange und schlachte eine Robbe und 500 Alkenvögel, nehme erstere aus und fülle sie mit den 500, Pinguinen ähnelnden Vögeln. Wichtig: Die Füllung besteht aus ganzen Vögeln, samt Schnäbeln, Füßen und Federn. Die Robbenhaut wird zugenäht und mit Fett abgedichtet, um Fliegen keinen Einschlumpf zu gewähren. Das Ganze wird unter einen Steinhaufen gelegt, um Luft fernzuhalten. Drei bis sechs Monate lässt man das Arrangement vergammeln, und fertig ist die Delikatesse.

 Ähnlich wie Hühner werden in Peru ganze Meerschweinchen nach der Entfernung des Fells in eine Pfeffergewürzmischung eingelegt und in der Pfanne gebraten sowie durch einen flachen Stein plattgedrückt. Das Cuy wird mit Kartoffeln und einer wohlschmeckenden Salsa dargereicht. Aus der Mongolei kommt der Schafsaugensaft: Tomatensaft nehmen und je Glas ein Schafsauge reinlegen – soll Wunder wirken bei Kater.

 Aus Island kommt Hákarl. Das Fleisch eines Grönlandhaifischs wird ausgenommen, entgrätet und gewaschen. Dann wird es in einer Kiesgrube vergraben und mit einem Felsenstück ausgepresst. Im Winter wird es zwei bis drei Monate eingegraben, im Sommer reichen sechs bis sieben Wochen. Dann wird das Fleisch zwei bis vier Monate in eine Trockenhütte gehängt, damit das Ammoniak entweichen kann. Die Kruste wird entfernt und das weiße, extrem übelriechende Fleisch serviert. Auch roher Bullenpenis und Mäusewein aus China werden den Museumsgästen dargereicht. Und aus der Republik Palau im Pazifik kommt die Suppe mit ganzer Fledermaus, samt Krallen und Fell.

Neue Perspektiven auf Essen und Konsumverhalten

 Insgesamt sind die Gerichte in dem von der Stadt Malmö unterstützten Ekelmuseum nach Kontinenten geordnet. Die Idee kommt vom Psychologen und Kurator Samuel West. Der hat bereits mit einem Museum für gescheiterte Produktideen für Furore gesorgt. Dabei wollte West für mehr Mut zum Scheitern sorgen. „Schließlich hört man immer nur von ganz erfolgreichen Geschäftsideen wie dem Iphone, die anderen verschwinden im Nichts, machen aber einen viel größeren Teil aller mutig ausprobierten Ideen aus“, sagt er. Auch beim Museum des ekligen Essens geht es West um eine neue Perspektive. „Wir sollten infrage stellen, ob die Art, wie und was wir essen, und was wir als eklig betrachten, hinterfragen. Inzwischen ist ja bekannt, dass wir Menschen viele Versorgungs- und Umweltprobleme, gerade auch was Fleisch angeht, lösen könnten, wenn wir bereit dazu wären, Insekten zu essen. Die sehen, genauso wie viele der im Museum ausgestellten Gerichte eklig aus, aber schmecken viel besser.“

 Ob er selbst seine Museumsstücke probiert hat? „Ja, natürlich. Man ist es ja gewöhnt, Ente zu essen oder Eier. Aber aus den Philippinen kommt Balut. Das sind Eier, in denen schon fast fertigentwickelte Babyenten mit Schnabel und Federn, sind. Die werden einfach gekocht und dann isst man das Entchen aus der Schale raus. Ich habe nur ein Halbes aufgegessen. Dann musste ich mich übergeben.“

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