Lebensmittel und Hygiene: Kalt, süß und gesundheitlich unbedenklich – Was in der Eisdiele zu beachten ist

Sommer, Sonne und ein herrlich kaltes Eis: Staatliche Institute wachen über die Hygiene und Kennzeichnung.
Nancy Heusel/epdTropfen für Tropfen fügt Birte Moorth einer Probe in einem Reagenzglas Aceton hinzu. Langsam hellt sich die trübe Flüssigkeit auf, bis sie völlig klar wird. Nun kann die chemisch-technische Assistentin den Zuckergehalt der Probe bestimmen. Sie untersucht Speiseeis im Labor. Alles im Dienste von großen und kleinen Leckermäulern.
Durian-Frucht riecht nach faulen Zwiebeln
Ob Erdbeere, Vanille, Schokolade oder Gurke-Tonic bis Lakritze-Himbeere: Früher oder später landet jede Eissorte als Probe auf dem Labortisch von Svetlana Hermann. Sie ist Lebensmittelchemikerin im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg. Aus Interesse probiert sie auch ungewöhnliche Sorten. „Einmal habe ich ein Weißbier-Eis probiert. Das wäre besser im Glas geblieben“, sagt sie und lacht. Besonders exotisch sei ein Eis aus der Durian-Frucht gewesen. „Die Frucht macht ihrem deutschen Namen alle Ehre: Stinkefrucht. Sie riecht nach faulen Zwiebeln.“
Milcheis ohne Milchfett geht nicht
Obwohl die Frucht im asiatischen Raum beliebt sei, hätten die Behörden dort vielerorts den Verzehr in Bussen und Bahnen verboten. Hermann prüft die Proben auf korrekte Kennzeichnung sowie verwendete Zuckerarten und Zusatzstoffe. „Entscheidend für die Bezeichnung ist der Milchfettgehalt“, erläutert sie. Milcheis, Sahneeis, Eiscreme oder Fruchteiscreme dürfen nur der Milch entstammendes Fett oder Eiweiß enthalten. Pflanzliche Fette sind nicht zulässig.
Milcheis muss mindestens 70 Prozent Milch enthalten, Sahneeis mindestens 18 Prozent Milchfett, Eiscreme mindestens zehn Prozent Milchfett. Die Bezeichnungen Sorbet, Fruchteis oder Wassereis sind nur für Eissorten ohne zugesetztes Fett erlaubt. Während ein Fruchtsorbet zu mindestens einem Viertel aus Früchten bestehen muss, genügt beim Wassereis die Kennzeichnung von Wasser, Zucker sowie die Geschmack gebenden und färbenden Zutaten.
Auf der Suche nach echter Vanille
Beanstanden muss Hermann am häufigsten ausgerechnet die Lieblingssorte der Deutschen: das Vanilleeis. „Ob echte Vanille, natürliches Aroma, Extrakt oder ausgekochte Schote verwendet wurde, können wir in hohem Maße prüfen.“ Echte Vanille wird aus den fermentierten Kapseln einer Orchideenart gewonnen und ist eines der teuersten Gewürze überhaupt. „Ein Kilogramm könne 600 Euro und mehr kosten. Da ist der sparsame Gebrauch schon verständlich“, sagt Hermann. Insbesondere unter den industriellen Eiszubereitungen aus der Tiefkühltruhe sei zwar wenig, aber meist korrekt gekennzeichnetes echtes Vanilleeis zu finden.
Eisdielen müssen Sorten richtig kennzeichnen
Mängel bei der Kennzeichnung gibt es eher bei den losen Proben aus den Eisdielen, führt Hermann aus. „Oft liegt es schlicht an der Unkenntnis in den Eiscafés.“ Laut Gesetz muss bei Speiseeis aus der Eisdiele keine Bezeichnung angegeben werden. In der Praxis stehen oft lediglich die Sorten auf den Schildern in den Auslagen. Aber auch diese Angaben müssen richtig sein und dürfen den Verbraucher nicht in die Irre führen. Hermanns Tipp an die Verbraucher: „Machen Sie sich keine zu großen Gedanken. Genießen Sie das Eis. Lebensmittel in Deutschland sind sicher.“
Am Schwammtuch und Wasserbehälter ist Hygiene erkennbar
Ans Herz zu legen sei aber der kritische Blick über den Eistresen, ergänzt die Sprecherin des Laves, Silke Klotzhuber: „Sieht es dort eher rumpelig aus? Wirkt das Wasser mit dem Eisportionierer so, als stehe es schon den ganzen Tag dort? Ist das Schwammtuch auf dem Tresen sauber?“ Denn nicht nur das Lebensmittel Speiseeis, sondern auch die dazugehörigen Werkzeuge seien anfällig für Keimbildung. Wenn alles sauber sei, „dann steht dem Genuss ohne Reue nichts im Wege“.
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Konsum: 2018 war ein Spitzenjahr.
Laut den Statistikern konsumierte jeder Mensch in Deutschland 2022 durchschnittlich 8,1 Liter Speiseeis. Ein Spitzenjahr mit 8,7 Litern pro Kopf war 2018. Die Statistik reicht zehn Jahre zurück.
