Warnstufe vier, das bedeutet: große Lawinengefahr. Ausgerufen wurde diese Warnung von der Lawinenwarnzentrale Bayern, die im Bayerischen Landesamt für Umwelt angesiedelt ist. Täglich werden dort Lageberichte zur aktuellen Situation veröffentlicht. Ihr Leiter Hans Konetschny im Interview.

Herr Konetschny, wie entsteht eigentlich eine Lawine?

Hans Konetschny: Das ist ein relativ komplexer Prozess. Verantwortlich für einen Lawinenabgang sind hauptsächlich verschiedene meteorologische Faktoren, so zum Beispiel die Menge an Neuschnee oder die Stärke und Richtung des Windes. Natürlich spielt auch die Beschaffenheit und Neigung des Geländes eine Rolle: Lagert sich Schnee auf steilen Hängen an, kommt es automatisch zu einer Zugrichtung hang­abwärts. Die Schneekristalle in der Schneedecke ermöglichen im Normalfall, dass diese im Gleichgewicht bleibt. Das gilt jedoch nur so lange, bis es zu externen Einflüssen kommt.

Also auch durch Wintersportler?

Durchaus. Ob durch Neuschnee, Triebschnee oder eben wegen des einzelnen Skifahrers, der unterwegs ist: Wirken Kräfte auf die Schneedecke und ist in ebendieser Schneedecke eine Schwachschicht vorhanden, kann es zu einer Lawinenauslösung kommen.

Die Lawinenwarnzentrale Bayern veröffentlicht täglich einen Warnlagebericht. Wie kommen Sie zu Ihren Ergebnissen?

Für die sechs Regionen im bayerischen Alpenraum wollen wir eine jeweilige regionale Gefahrenstufe ausweisen und einen Überblick geben. Viele Informationen erhalten wir durch unser automatisches Messnetz. Überall in unserem Zuständigkeitsgebiet stehen unsere Messstationen, die automatisch meteorologische Parameter melden. Außerdem ganz wichtig: Die Unterstützung durch unsere vielen ehrenamtlichen Helfer. Diese berichten uns von ihren Skitouren im bayerischen Alpenraum und untersuchen oft auch direkt die Schneedecke auf eventuell schwache Schichten.

Mal angenommen, ich habe meinen Skiausflug in die Alpen bereits geplant. Was raten Sie mir?

Genaue Prognosen für die nächste Zeit zu treffen, ist schwierig. Allerdings: Der neue Schnee und der aufkommende Wind verschärfen die Lawinengefahr auf jeden Fall. Grundsätzlich kann man jedoch sagen: Skifahrer, die auf den ausgewiesenen Pisten und Abfahrtsmöglichkeiten bleiben, befinden sich im sicheren Bereich. Dem sogenannten Verkehrssicherungspflichtigen – das ist in diesem Fall die Bergbahn – ist es wichtig, dass die Wintersportler gesund und wohlbehalten unten im Tal ankommen. Lawinenkommissionen überwachen in ihren Zuständigkeiten die Situation und empfehlen den Landratsämtern und Gemeinden Maßnahmen zum Schutz von Einheimischen und Touristen.

Und außerhalb der Pisten?

Jemand, der ins freie Skigelände auf Tour geht, ist natürlich alleinverantwortlich unterwegs.

Gehen wir vom Ernstfall aus: Wie bin ich denn auf einen möglichen Lawinenabgang am besten vorbereitet?

Skitourengeher außerhalb der Skipisten müssen sich bewusst sein, dass sie immer ein Risiko eingehen. Eine gute Sicherheitsausrüstung ist daher entscheidend. Die Grundaccessoires hierbei sind: das eingeschaltete Verschütteten-Suchgerät am Körper sowie eine Schneesonde und eine Schneeschaufel im Rucksack. Außerdem ist es wichtig, über die Abläufe in der Schneedecke Bescheid zu wissen und auch die Methoden zu kennen, um möglicherweise eine Einzelhangbeurteilung durchzuführen.

Und was tun, wenn meine Begleitung von einer Lawine erfasst wird?

Zuerst unbedingt die organisierte Rettung informieren! Oft weiß man ja selber überhaupt nicht, wie man mit der Situation zurechtkommt. Ist das getan, sollte man als Begleiter so schnell wie möglich mit der Suche beginnen. Dabei hilft das Verschüt­teten-Suchgerät. Normalerweise bleibt nur etwa eine Viertelstunde, bevor die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Verschütteten dramatisch zurückgeht. Deswegen sind zwei Punkte bei der Bergung besonders entscheidend: Schnelligkeit und Konzentration.

Den Lawinenwarndienst Bayern gibt es seit über 50 Jahren. Sind die Menschen besser informiert als früher?

Es ist schwierig, da von einem Trend zu sprechen. Fakt ist allerdings: Immer mehr Menschen nutzen das alpine Gelände zur Freizeitgestaltung. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der tödlichen Lawinenunfälle im bayerischen Alpenraum nicht verändert, sondern bleibt konstant bei zwei bis drei Unglücksfällen pro Jahr – eigentlich also ein gutes Zeichen. Ob das nun daran liegt, dass sich die Menschen besser informieren und angepasster verhalten, oder ob die Warnungen besser geworden sind – das bleibt Spekulation.

Was wollen Sie Wintersportlern in den Alpen mit auf den Weg geben?

Die tolle Natur verlangt uns vor allem eins ab, und das ist Respekt. Wenn wir das beachten und uns entsprechend informieren, dann sind meiner Meinung nach Freude und Erholung bei Skitouren im alpinen Gelände garantiert.

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