Unglück durch Lawine in Spiss
: Acht Tote durch Lawinen in Österreich

In Tirol sind im Gebiet Spiss am Freitag, 04.02.22, mehrere Menschen durch eine Lawine ums Leben gekommen. Auch an anderen Orten lösten sich Lawinen.
Von
Laura Mensch
Spiss
Jetzt in der App anhören

Am Freitag kam es in Österreich zu zahlreichen Abgängen von Lawinen. Diese forderten mehrere Todesopfer.

Zoom.Tirol/dpa

Die Lawinengefahr in Österreich ist erheblich, Bergretter rufen zu größter Vorsicht auf. Trotzdem sind viele außerhalb der präparierten Pisten unterwegs. Acht Menschen wurde das zum Verhängnis. Am Freitag, 04.02.22, ist es in Tirol zu mehreren Lawinenabgängen in Skigebieten gekommen. Ein Unglück ging tödlich aus. Fünf Menschen sind in Spiss — einem Ort im österreichischen Tirol bei Landeck — durch eine Lawine ums Leben gekommen. Ein Mann ist in Vorarlberg durch eine Lawine gestorben.

Bei hoher Lawinengefahr: acht Tote in Österreich

Am bislang folgenschwersten Lawinentag der Skisaison sind in Österreich acht Menschen verschüttet worden und ums Leben gekommen. Kurz nach Mitternacht barg die Polizei am Samstag in Tirol die Leichen von zwei Menschen, die von einer Skitour nicht zurückgekehrt waren. Angehörige hatten Alarm geschlagen. Die 61–jährige Frau und der 60–Jährige Mann waren in Auffach in der Tiroler Wildschönau von einer Lawine erfasst worden.

Zahl der Todesopfer nach Lawinen–Unglück in Tirol gestiegen

In Österreich war die Zahl der Todesopfer durch Lawinen auf sechs gestiegen. Vier schwedische Tourengänger zwischen 43 und 47 Jahren und ein einheimischer Bergführer kamen am Freitag in Tirol auf dem Gebiet von Spiss an der Grenze zur Schweiz ums Leben.

Am Berg Knödelkopf in Vorarlberg wurde am Freitag auch ein Mann verschüttet, der mit einer Gruppe außerhalb der präparierten Pisten unterwegs war. Auch er konnte nicht mehr gerettet werden. Der 43–Jährige, der im Vorarlberger Skigebiet Albona ums Leben kam, wurde trotz Airbag komplett verschüttet. Er war nach Polizeiangaben in einer Gruppe mit einem staatlich geprüften Snowboard–Führer unterwegs. Obwohl die anderen ihn sofort ausgraben konnten und 20 Minuten nach dem Lawinenabgang Reanimationsmaßnahmen begonnen wurden, verstarb der Mann. Woher er stammte, teilte die Polizei zunächst nicht mit.

Schwedische Wintersportler von Lawine in Österreich verschüttet

Die Schweden waren im Skigebiet Ischgl/Samnaun mit einem einheimischen Bergführer (42) abseits der Pisten unterwegs, als sich über ihnen eine 400 Meter breite Lawine löste. Ein Schwede wurde nur zum Teil verschüttet und konnte per Handy einen Freund in seinem Heimatland verständigen. Der Mann in Schweden informierte einen Freund, der mit der Gruppe unterwegs war, an diesem Tag aber nicht mit auf Tour gegangen war, der schließlich die Polizei verständigte. Der 42–Jährige überlebte.

Sölden: Deutsche Wintersportler geraten in eine Lawine

Auch deutsche Wintersportler gerieten am Freitag in Österreich in eine Lawine. Sie waren in einer siebenköpfigen Gruppe mit Dänen und Schweden zwischen 23 und 33 Jahren im Tiroler Ötztal unterwegs, wie die Polizei berichtete. Ein gewaltiges Schneebrett riss die Menschen mit. Sie hätten zum Teil ihre Lawinen–Airbags ausgelöst und seien schnell geortet, befreit und in ärztliche Behandlung gebracht worden. Einer davon wurde in die Klinik nach Murnau in Bayern transportiert, hieß es. Das Schneebrett verschüttete auf einer Breite von 100 Metern auch eine tieferliegende Skipiste. Der Lawinenkegel sei mehrmals abgesucht worden, aber niemand wurde entdeckt.

Aktuelle Lawinen–Gefahr in Tiroler Skigebieten: Lawinenwarnstufe 3

Die Behörden haben seit Tagen auf die kritische Gefahrenlage aufmerksam gemacht und zu erhöhter Vorsicht aufgerufen. Am Freitag gingen in Tirol bis zum Nachmittag dreizehn Schneebretter ab. Auch am Samstag blieb die Lawinensituation kritisch, in ganz Tirol herrschte mit der Lawinenwarnstufe 3 (von 5) erhebliche Gefahr. Lawinen können schon von einzelnen Wintersportlerinnen und -sportlern ausgelöst werden, sagte Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol. Zwei Drittel aller Lawinenunfälle passierten bei dieser Gefahrenstufe, berichtete der Chef des Tiroler Lawinenwarndienstes, Rudi Mair. „Diese statistische Tatsache zeigt gerade auch die Gefährlichkeit dieser Lawinengefahrenstufe auf.“

Aufgrund des vielen Neuschnees kam es am Donnerstag und Freitag nach Angaben des Lawinenwarndienstes zu fast 60 Lawinen in Österreich. Der Freitag war der bis dahin folgenschwerste Lawinentag in dieser Wintersaison. Mair sagte angesichts der zahlreichen Vorfälle: „Es macht mich traurig, aber ich bin auch erschüttert und wütend, dass alle Warnungen nichts nützen.“ Seit Tagen werde auf die kritischen Verhältnisse hingewiesen. Skitouren und Variantenabfahrten erforderten aktuell besonders viel Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr.