Traumfänger, Blumenkränze, eine Australien-Karte und ein kleiner Spielzeug-Bus: So zogen Ramona Mayr (29) und Julia Schindelmann (30) vor drei Jahren in die dm-Zentrale in Karlsruhe ein, um das Unternehmen von ihrer Vision der Langhaarmädchen zu überzeugen. Heute haben die Freundinnen 25 verschiedene Haarpflegeprodukte in 3.500 Filialen in 13 Ländern. Es ist eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art. Wie aus einer Weltreise eine Reise zu sich selbst wurde – und zum Leben des eigenen Traums führte.

Langhaarmädchen: Alles begann mit einer Kündigung

Die außergewöhnliche Reise beginnt, als Mona, wie sie von allen genannt wird, 2015 ihren Job als Friseurmeisterin in einem Münchner Salon kündigt: „Ich hatte das Gefühl, dass noch irgendetwas auf mich wartet“, begründet die Straßerin diesen großen Schritt. Zumal sie schon immer in der High Fashion arbeiten wollte, „einmal als Hair- and Make-up-Artistin in Kapstadt die großen Shootings mitmachen“. Gesagt, getan. Doch Mona muss feststellen, dass es sie nicht glücklich macht. Heimfliegen ist keine Option, es geht weiter nach Sydney. Aber auch hier bleibt die erhoffte Wunscherfüllung aus.

Mona kauft sich vom letzten Geld einen Bus, mit dem sie herumreist. Sie ist oft allein, denkt viel über sich und ihr Leben nach. Über die Selbstzweifel, die sie schon lange mit sich herumträgt. Immer wieder liest sie die Sprüche an der Decke ihres treuen Gefährts: „Das Beste kommt noch“ oder „Mache was du liebst“. Auf einmal stellt sie sich Fragen. „Was wäre, wenn ich wirklich das tue, was ich liebe? Wenn ich mal groß träume?“ Der Start ihrer Reise zu sich selbst. Der Start von Langhaarmädchen.

Eine Person, die während ihrer Weltreise immer im Herzen und viel per Skype dabei ist, ist ihre Freundin Julia aus Eibelstadt. Die beiden Friseurmeisterinnen haben sich bei der Arbeit in München kennengelernt. „Sie hat mich bei meinen Ideen immer bestärkt“, erinnert sich Mona. Ihre Träumereien werden schließlich konkreter. Sie fängt an, sich ernsthaft mit Unternehmertum zu beschäftigen, liest erstmals freiwillig Bücher.

Roadtrip durch Australien und eine Erkenntnis

In der Zwischenzeit kündigt Julia ihren Job, fliegt nach Australien. Während ihres gemeinsamen Roadtrips wird die Vision der beiden immer klarer. Das Buch „Die Gesetze der Gewinner“ von Bodo Schäfer beschäftigt Mona dabei nachhaltig: „Der Satz ‚Dein Unternehmen ist 80 Prozent deiner Persönlichkeit‘ war für mich der Satz überhaupt. Da ich früher immer Probleme mit mir selber hatte, war mir klar: Ich muss hart an mir arbeiten.“ Doch ihr persönlicher Kampf sei letztendlich eine enorme Hilfe gewesen, resümiert die heute 29-Jährige, denn: „dein größtes Problem ist dein größtes Wachstumspotenzial, wenn du es angehst“.

Styling-Partys in Monas Bus, Spitzen schneiden für den guten Zweck und der Kontakt zu den Langhaarmädchen – so nennen sie ihre Kundinnen – fördern schließlich den Wunsch nach eigenen Haarprodukten: „Was gibt es Tolleres für einen Handwerker, als eigene Produkte zu entwickeln und mit ihnen zu arbeiten?“ Mona stößt bei ihrer Recherche auf dm, ist begeistert von den Werten des Unternehmens und „dann habe ich mir vorgestellt, wie unsere Produkte in den Läden stehen“.

ProSieben dreht auf dem Oktoberfest mit den Langhaarmädchen

Ein Jahr später stehen die beiden mit einem geliehenen Bus auf dem Oktoberfest, ProSieben dreht einen Beitrag. Das ist aber nicht einfach so gekommen, betont Mona: „Erfolg hat drei Buchstaben: t-u-n. Wir haben Türen eingetreten. Daran glauben und vertrauen ist wichtig, aber die anderen 50 Prozent musst du dir auf gut Deutsch den Arsch aufreißen.“ Sie haben Erfolg. Die mediale Aufmerksamkeit führt schließlich dazu, dass dm sie als Stylisten auf einer Beauty-Messe anfragt. Die Freundinnen erkennen ihre große Chance – und nutzen sie.

dm und Langhaarmädchen: Mona und Julia ergreifen ihre Chance

Zwei Wochen später dürften sie ihre Idee tatsächlich vorstellen. Der Bus spielt dabei eine große Rolle: „Er sollte kein typisches Marketing-Objekt sein, sondern unsere Wohlfühl-Oase werden, in der die Langhaarmädchen ihre eigenen Bus-Momente erleben“, erklärt Mona. „Er verkörpert für uns Mobilität und Freiheit.“ Ohne perfektes Konzept, dafür mit Werten, Begeisterung und Authentizität überzeugen sie die Drogeriekette. Dann kommt eins zum anderen und sie bekommen nicht nur einen eigenen, elf Meter langen Stylingbus namens BOP, den sie selbst umbauen: Am 10. März 2018 stehen schließlich die ersten Langhaarmädchen-Produkte in den Filialen.

Mittlerweile haben Mona und Julia ein Team aus sieben Leuten, darunter Friseurmeisterinnen, Projekt- und Onlinemarketing-Manager. Ihre Familien, die sie nach Kräften unterstützen, noch nicht mit einberechnet. Mit einer eigenen Stylisten-Agentur wollen sie parallel auch diesen Bereich ihrer Branche revolutionieren: „Keine Konkurrenz, mehr mit- und füreinander“, das ist Mona wichtig. Ebenso wichtig ist ihr, die „Mädels da draußen“ mit ihrer Geschichte zu inspirieren. Ihnen den Glauben an sich selbst zu schenken und zu zeigen, dass alles möglich ist.

Podcast: Von Beauty zu Persönlichkeitsentwicklung

Neben Instagram und Facebook haben die Langhaarmädchen neuerdings auch einen Podcast, mit dem sie versuchen, genau das zu erreichen. Ein Herzensprojekt, wie Mona erklärt. Die Idee habe sie bereits in Australien gehabt. Doch wie verknüpft man die Themen Beauty und Persönlichkeitsentwicklung überhaupt miteinander? Einmal mehr findet sie in Julia Unterstützung, sie veröffentlichen ihre ersten Folgen. Die Themen: Selbstliebe, Dankbarkeit, Achtsamkeit. Und noch viel mehr, die Vision geht weiter: „Mein Traum wäre, Langhaarmädchen-Veranstaltungen zu machen, zu denen ich die besten Persönlichkeits-Coaches einlade, die Workshops machen. Viele Mädels brauchen nur etwas Input, eine Inspiration – und wenn das Langhaarmädchen sein darf, wäre ich wahnsinnig dankbar dafür.“

Die Langhaarmädchen haben also noch einiges vor. Mit ihrer bestehenden Community und diversen Projekten in der Pipeline sind sie allem Anschein nach auf dem besten Weg, ihre Ziele zu erreichen. Mona und Julia, zwei Freundinnen, die aus einer Vision Realität gemacht haben. Und aus sich selbst zwei Unternehmerinnen mit Persönlichkeit und Herz.

Dieser Artikel ist in Kooperation mit cityStories Ulm entstanden.

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