Landtagswahl 2026
: Muss man beide Stimmen abgeben?

Am 8. März 2026 wird ein neuer Landtag gewählt. Zum ersten Mal gilt dabei ein Zwei-Stimmen-System. Viele fragen sich deshalb: Sind beide Stimmen Pflicht?
Von
Katrin Jokic
Stuttgart
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Landtagswahl in Baden-Württemberg - Briefwahl: PRODUKTION - 11.02.2026, Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine Wahlhelferin zeigt im Rathaus einer Briefwählerin einen Stimmzettel zur baden-württembergischen Landtagswahl 2026. (zu dpa: «Diese 21 Parteien treten zur Landtagswahl an») Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Eine Wahlhelferin zeigt im Rathaus einer Briefwählerin einen Stimmzettel zur baden-württembergischen Landtagswahl 2026.

Marijan Murat/dpa

Premiere für das Zwei-Stimmen-System

Die Landtagswahl 2026 markiert eine Zäsur im baden-württembergischen Wahlrecht. Erstmals haben Wähler eine Erst- und eine Zweitstimme.

Bislang war das anders: In Baden-Württemberg gab es nur eine Stimme. Mit ihr wurde ein Kandidat im Wahlkreis gewählt; zugleich hatte diese Entscheidung Einfluss auf die Sitzverteilung der Parteien im Landtag.

Mit der Reform wird das System nun stärker an die Bundestagswahl angelehnt. Das sorgt für mehr Differenzierung – und wirft neue Fragen auf.

Ist es Pflicht, beide Stimmen zu nutzen?

Nein. Es besteht keine Verpflichtung, beide Stimmen abzugeben.

Rechtlich geregelt ist das in § 42 des Landtagswahlgesetzes (LWG) Baden-Württemberg. Dort heißt es:

„Enthält der Stimmzettel nur eine Stimmabgabe, so ist die nicht abgegebene Stimme ungültig.“

Konkret bedeutet das: Wird nur eine Stimme angekreuzt, bleibt diese gültig. Die zweite, nicht genutzte Stimme wird als ungültig gewertet. Der gesamte Stimmzettel verliert dadurch jedoch nicht seine Gültigkeit.

Auch mit nur einer abgegebenen Stimme ist die Wahl also wirksam.

Warum entscheiden sich manche nur für eine Stimme?

Es gibt verschiedene denkbare Motive:

  • Unterstützung einer bestimmten Person im Wahlkreis, ohne eine Partei insgesamt stärken zu wollen.
  • Zustimmung zu einer Partei, aber keine Präferenz für den örtlichen Kandidaten.
  • Bewusste „Enthaltung“ bei einer der beiden Entscheidungen.
  • Fehlende Überzeugung durch die zur Auswahl stehenden Optionen bei einer Stimme.

Das Wahlrecht lässt diese Differenzierung ausdrücklich zu.

Welche Funktion haben Erst- und Zweitstimme?

Mit der Reform werden zwei Ebenen der Wahlentscheidung getrennt:

Erststimme: Mit ihr wird ein Kandidat im jeweiligen Wahlkreis direkt gewählt. Sie entscheidet darüber, welche Person den Wahlkreis im Landtag vertritt.

Zweitstimme: Sie ist die Parteistimme. Sie bestimmt maßgeblich, wie viele Sitze eine Partei im Landtag erhält und beeinflusst damit das Kräfteverhältnis im Parlament.

Die Erststimme ist somit stärker personenbezogen, die Zweitstimme parteibezogen.