Kuschellimit an Flughäfen
: Neuseeländischer Airport geht viral – auch Stuttgart setzt Schmusegrenzen

Der Flughafen in Dunedin begrenzt die Zeit für Umarmungen zum Abschied, was im Netz Wellen schlägt. Aber auch in Stuttgart könnte ein langer Kuss teuer werden.
Von
Isabelle Jahn,
dpa
Dunedin
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Das Schild am Dunedin Airport in Neuseeland hat weltweit Schlagzeilen gemacht - sehr zur Freude der Macher.

Sarah Soper/Dunedin Airport/AP/dpa
  • Dunedin Airport in Neuseeland begrenzt Umarmungen auf 3 Minuten, was online für Aufruhr sorgt.
  • Schilder fordern Passagiere zu "kurzen, intensiven Abschieden" auf.
  • Stuttgart bietet 8 Minuten kostenlose Parkzeit für Abschiede, danach wird es teuer.
  • Lange Umarmungen lösen das "Liebeshormon" Oxytocin aus, sagen Studien.
  • Dunedin hofft auf touristisches Interesse durch die ungewöhnlichen Schilder.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wer dem Schwaben überdurchschnittlichen Geiz nachsagt, kann sich – zumindest was den Sinn für Romantik angeht – eines Besseren belehren lassen: Für ein inniges Abschieds- oder Empfangsszenario räumen die Stuttgarter Flughafenbetreiber Reisenden und ihren persönlichen Chauffeuren auf den Kurzzeitparkplätzen nahe der Terminals immerhin acht Minuten kostenlose Parkzeit ein. „Kiss & Fly“ nennt sich die Parkzone – auf der selbstverständlich auch Umarmungen, Händeschütteln oder auch kontaktlose Verabschiedungen erlaubt sind.

Die schwäbische Großzügigkeit kommt dann so richtig zur Geltung, wenn man im Vergleich von der Regelung am neuseeländischen Flughafen in Dunedin erfährt: Seit kurzem dürfen sich Reisende in der Drop-off-Zone beim Goodbye nämlich maximal drei Minuten umarmen - „für innigere Abschiede nutzen Sie bitte den Parkplatz“, werden Passagiere und ihre Begleiter auf Schildern aufgefordert. Dieser bietet dann immerhin 15 Minuten kostenlose Kuschelzeit – danach kostet's.

Limit für Umarmung am Flughafen macht weltweit Schlagzeilen

Zwar sind die Haltezeiten auf den meisten Flughäfen der Welt auf kurze Zeit begrenzt, jedoch wird die erlaubte Zeitspanne nur selten so kurios übermittelt – weshalb sich die Reaktionen im sozialen Netzwerken überschlagen. Ein User regte sich gar auf, es sei „unmenschlich“, die Zeit für Umarmungen zu regulieren. Ein anderer forderte „#Unbegrenztes Kuscheln für alle!“, ein weiterer meinte mit zwinkerndem Auge: „Kommt schon, mindestens vier Minuten!“ Andere wunderten sich, dass es an dem Airport überhaupt noch kostenfreie Haltemöglichkeiten gibt. Das Schild hat weltweit Schlagzeilen gemacht, sehr zur Freude der Macher, wie sie jetzt selbst in Social Media zugaben.

„Die Beschilderung entspricht unserem Branding, das darin besteht, eine Botschaft auf eine etwas eigenwillige und witzige Art und Weise zu vermitteln“, zitierten neuseeländische Medien eine Sprecherin des Flughafens.

Im September hatten die Betreiber den Drop-Off-Bereich an eine andere Stelle verlegt, um nach Angaben von Geschäftsführer Daniel De Bono den Verkehrsfluss und die Sicherheit rund um den Terminal zu verbessern. Damit möglichst viele Menschen die Möglichkeit bekämen, sich noch einmal um den Hals zu fallen, seien die kontroversen Schilder aufgestellt worden. Auf einem anderen ist etwa zu lesen: „Abschied ist schwer, also beeilen Sie sich. Maximal drei Minuten.“

„Liebeshormon“ Oxytocin wohl nach 20 Sekunden ausgeschüttet

De Bono betonte, Flughäfen seien seit jeher „Brutstätten der Emotionen“ und zitierte im Gespräch mit dem Sender Radio New Zealand aus einer Studie, wonach eine 20-sekündige Umarmung ausreiche, um das „Liebeshormon“ Oxytocin freizusetzen. Mit anderen Worten: Es ist für alle am besten, sich kurz und intensiv in den Armen zu liegen. Eigentlich hätten die Schilder nur für etwas Spaß sorgen sollen, stattdessen hätten sie für viel Aufsehen und reichlich Gesprächsstoff gesorgt, freute sich De Bono.

Für Dunedin könnten die Schilder eine Goldgrube sein. Denn normalerweise steht die zweitgrößte Stadt auf der Südinsel mit etwa 135.000 Einwohnern nicht auf der Liste der neuseeländischen Top-Destinationen. Dabei gibt es einiges zu sehen: Die Stadt bietet viele schöne historische Gebäude und einen malerischen Hafen, zudem ist die Region der Otago-Halbinsel für atemberaubende Landschaften und Albatros-Kolonien, Bergpapageien und seltene Gelbaugenpinguine bekannt.

Dunedin ist für seine herrlichen Landschaften und seine Artenvielfalt bekannt. (Archivbild)

Guo Lei/XinHua/dpa

„Kiss & Fly“ in Stuttgart kann teuer werden

Dass auch der schwäbische Sinn für Romantik seine Grenzen hat, zeigt sich an den Kosten, die bei längerer Verweildauer auf dem Stuttgarter „Kiss & Fly“-Parkplatz fällig werden: Schmust man zwei Minuten zu lang, werden schon 5 Euro kassiert; 30 Minuten Parkzeit kosten 40 Euro. Und ab dann wird's nicht bloß richtig teuer, sondern auch arg unromantisch: Wer in dem mit Schranken eingegrenzten Bereich länger als 30 Minuten steht, wird – nicht im schlüpfrigen Sinne – abgeschleppt und darf 240 Euro berappen, plus der anfallenden Parkgebühren.