Kreuzfahrtschiff
: Was ist auf der MSC Divina passiert?

Eine ungewöhnliche Durchsage hat Passagiere und Besatzungsmitglieder früh am Morgen aufgeschreckt. Was zunächst wie eine ernste Warnung klang, entwickelte sich zu einem Fall für die Behörden.
Von
Matthias Kemter
Stuttgart
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Auf der MSC Divina sorgten falsche Durchsagen über den Kontrollverlust des Kapitäns für Aufregung. Sechs Männer stehen wegen eines mutmaßlichen IT-Zugriffs und Fehlalarms im Fokus der Ermittlungen.

Auf der MSC Divina sorgten falsche Durchsagen über den Kontrollverlust des Kapitäns für Aufregung. Sechs Männer stehen wegen eines mutmaßlichen IT-Zugriffs und Fehlalarms im Fokus der Ermittlungen.

IMAGO/Rupert Oberhäuser

Eine beunruhigende Durchsage hat Ende Juli auf der MSC Divina Passagiere und Teile der Besatzung in Aufregung versetzt. Über die Bordlautsprecher war unter anderem zu hören: „Der Kapitän hat die Kontrolle über das Schiff verloren.“ Die Ansage stammte jedoch offenbar nicht von der Schiffsführung.

Das Kreuzfahrtschiff befand sich zu diesem Zeitpunkt auf der Fahrt von Marmaris in der Türkei nach Neapel. Am Morgen des 30. Juli, gegen 6.30 Uhr, meldeten Passagiere den Vorfall telefonisch und setzten Notrufe ab. Nach bisherigen Erkenntnissen waren Gemeinschaftsbereiche auf zwei Decks von den manipulierten Durchsagen betroffen.

Sechs Passagiere im Fokus der Ermittlungen

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen nun sechs volljährige Männer aus Neapel. Sie sollen in zwei Kabinen untergebracht gewesen sein und sich unbefugt Zugang zum IT-System der Bordsprechanlage verschafft haben.

Als die MSC Divina später im Hafen von Neapel anlegte, gingen Mitarbeiter der Hafenbehörde und der Grenzpolizei an Bord. Der Einsatz erfolgte auf Anordnung der Einsatzzentrale der italienischen Küstenwache in Rom. Nachdem der Kapitän Anzeige erstattet hatte, identifizierten die Behörden die mutmaßlich beteiligten Passagiere.

Den Männern wird vorgeworfen, unerlaubt auf ein IT-System zugegriffen und einen Fehlalarm ausgelöst zu haben. Der Fall wurde an die Justiz weitergeleitet.

Zugriff auf Kommunikationssystem noch ungeklärt

Wie genau die Männer Zugriff auf die Bordsprechanlage erhielten, ist bislang nicht bekannt. Insbesondere ist offen, wie sie den Sicherheitscode des Kommunikationssystems umgehen konnten.

Die Ermittler versuchen nun, den Ablauf Schritt für Schritt zu rekonstruieren. Dabei soll geklärt werden, welche technischen Schwachstellen ausgenutzt wurden und ob die Verdächtigen weitere Bereiche des Systems erreichen konnten. Nach den bisher vorliegenden Informationen waren die falschen Ansagen auf zwei Decks zu hören.

Da die MSC Divina unter der Flagge Panamas fährt, müssen die Ergebnisse der Untersuchungen auch an die zuständigen Behörden des Landes übermittelt werden.

Keine tatsächliche Gefahr durch den Kapitän

Hinweise darauf, dass der Kapitän tatsächlich die Kontrolle über das Schiff verloren hatte, gibt es nicht. Die alarmierende Aussage war demnach Teil der unbefugten Durchsagen. Dennoch sorgte sie bei Reisenden und Besatzungsmitgliedern für erhebliche Verunsicherung. Einige Passagiere hielten die Warnung offenbar für echt und verständigten deshalb die Behörden.

Das ist die MSC Divina

Die MSC Divina gehört zur Schweizer Reederei MSC und ist weltweit im Einsatz. Das Kreuzfahrtschiff ist 333 Meter lang, 37 Meter breit und 69 Meter hoch. Seine Bruttoraumzahl liegt bei rund 139.000 BRZ (Gesamtvolumen aller Räume).

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 23 Knoten, was etwa 42,5 Kilometern pro Stunde entspricht. In den insgesamt 1.751 Kabinen können bis zu 4.345 Passagiere untergebracht werden. An Bord arbeiten bis zu 1.388 Crewmitglieder.