Nach den Kriegsverbrechen im ukrainischen Vorort Butscha will die EU ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland verhängen. Die Taten in Butscha sollen nicht ohne Konsequenzen bleiben, so die Botschaft der EU. Mit diesen Sanktionen soll zum ersten Mal der Energiesektor angefasst werden. Ein Importstopp für russische Kohle wird vorbereitet.
  • Wie viel Kohle bezieht Deutschland aus Russland?
  • Wofür wird die russische Kohle hier verwendet?
  • Welche Folgen hätte das Embargo?

Kohle aus Russland: Wie viel Deutschland verbraucht

Deutschland nutzt Kohle – Steinkohle und Braunkohle – für die Stromerzeugung. Rund 30 Prozent des Stroms in Deutschland wurde 2021 aus Kohle gewonnen. Davon kommt das meiste – rund 60 Prozent – aus der Braunkohle, die in Deutschland gefördert wird. Der Rest wird also aus Steinkohle gewonnen.
Im Jahr 2021 hat Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 18,3 Millionen Tonnen Steinkohle aus Russland importiert. Das ist etwas weniger als die Hälfte der Steinkohle-Importe insgesamt. Diese betrugen 2021 32,3 Millionen Tonnen.
Deutschland hat aus folgenden Ländern Steinkohle importiert:
  • EU-Länder
  • Russland
  • USA
  • Kolumbien
  • Australien
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums hat Deutschland im Jahr 2018 rund 43 Millionen Tonnen Steinkohle verbraucht.

Kohle in Deutschland: Wofür russische Steinkohle verwendet wird

Kohle wird in Deutschland für die Stromerzeugung verwendet. Im Jahr 2021 wurde nach Angaben der „Tagesschau“ 30 Prozent des deutschen Stroms aus Kohle gewonnen. Das war ein Anstieg im Vergleich im Vorjahr – trotz Ausbau erneuerbarer Energieträger. Die Steinkohle wird hauptsächlich für Kraftwerke und in der Stahlindustrie verwendet.

Folgen des Importstopps: Was passiert wenn keine Kohle mehr aus Russland kommt?

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will Deutschland von russischer Energie unabhängig machen. Nach seinen Angaben könnte das im Fall der Steinkohle schon ab Herbst diesen Jahres möglich werden. Doch erwägt die EU einen Importstopp schon jetzt. Nach Angaben der Wirtschaftszeitschrift Capital könnte ein schnelles Embargo zu Stromproblemen führen. Die Vorräte an Steinkohle reichen demnach nur vier bis sechs Wochen – danach wäre die Industrie blank.
Wahrscheinlich könnte Deutschland aber aus anderen Ländern Steinkohle importieren. Die Versorgung würde also gewährleistet sein. Zu erwarten ist jedoch, dass die Strompreise durch ein Embargo noch einmal in die Höhe getrieben werden.