Klimawandel in Griechenland: Massensterben im Mittelmeer – Wasser wird zu heiß für Muscheln

Junge Muscheln gehen bei zu warmem Wasser ein.
Axel Heimken/dpa- Griechenland erlebte im Sommer Rekordhitze, die auch das Mittelmeer aufheizte.
- Wassertemperaturen erreichten bis zu 30 Grad, verursacht durch den Klimawandel.
- Hohe Temperaturen führten zu einem massiven Muschelsterben; 90% der diesjährigen Muscheln starben.
- Die Muschelindustrie Griechenlands, drittgrößter Exporteur Europas, steht vor dem Zusammenbruch.
- Auch Fischzuchtbetriebe sind durch steigende Temperaturen gefährdet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Griechen und Griechenlandbesucher erleben in diesem November spätsommerliche Temperaturen von bis zu 24 Grad. Die Strände sind gut besucht. Der Sprung ins Meer erfordert nicht viel Überwindung: Athen meldete am Wochenende Wassertemperaturen von 20 Grad. An den Stränden der Insel Kos wurden 21 Grad gemessen, auf Rhodos sogar 22 Grad. Damit liegen die Wassertemperaturen aktuell rund ein Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Ein Trend, der sich bereits im Sommer abzeichnete. In Teilen des östlichen Mittelmeeres stiegen die Wassertemperaturen im Juli auf 30 Grad. Das waren die höchsten jemals gemessenen Werte seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen vor 40 Jahren. Die Temperaturmessungen beruhen auf Satellitendaten des EU-Erdbeobachtungssystems Copernicus.
Auch das Tiefenwasser ist zu warm
Die Ozeanologen Giannis Androulidakis, Vasilis Kolovogiannis, Christos Makris und Giannis Krestenitis von der Ägäis-Universität führen in einer jetzt veröffentlichten Studie die Rekordtemperaturen auf den Klimawandel zurück. Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler wird die Aufheizung des Meeres in Griechenland dadurch verstärkt, dass auch in größeren Tiefen von 30 bis 40 Metern das Meerwasser immer wärmer wird. Früher gelangte das kältere Tiefenwasser bei Sturm an die Oberfläche. Dieser kühlende Effekt wird jetzt immer mehr abgeschwächt. Das Mittelmeer gilt als Hotspot des Klimawandels. Hier steigen die Temperaturen um 20 Prozent schneller als im globalen Durchschnitt, sagt der griechische Geowissenschaftler Costas Synolakis.
Massive Auswirkungen auf die Meeres-Fauna
Auch wenn viele Touristen die hohen Wassertemperaturen gerade jetzt in der Nachsaison genießen: Sie haben massive negative Auswirkungen auf die Meeresfauna. In Nordgriechenland sind große Teile der Muschelzucht durch gestiegene Meerestemperaturen zerstört worden. Im Juli erlebte die Region mehrere Hitzewellen. In den wichtigsten Muschelzuchtgebieten stiegen die Wassertemperaturen tagelang auf Temperaturen über 30 Grad. Bei diesen Temperaturen können Muscheln nicht überleben. Etwa 90 Prozent der Muscheln der diesjährigen Saison sind abgestorben, berichten Züchter. Die für das kommende Jahr vorgesehenen Bestände seien sogar vollständig zerstört, heißt es. „Wir stehen kurz vor dem Zusammenbruch der Muschelzucht in Griechenland“, sagte der Meeresbiologe Kostas Koukaras.
Das Massensterben der Muscheln ist ein Alarmsignal. Auch viele Fischzuchtbetriebe in Griechenland gehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Nach einer Schätzung des Weltklimarats könnten bis 2060 rund 20 Prozent der für die Fischerei und Fischzucht genutzten Arten im östlichen Mittelmeer aussterben. Zugleich dringen invasive Arten aus wärmeren Gewässern wie dem Roten Meer ins Mittelmeer vor und verdrängen die dort bisher heimischen Meerestiere.
Drittgrößter Muschel-Exporteur Europas
Griechenland gehörte mit einer Jahresproduktion von rund 20 000 Tonnen zu den wichtigsten Muschel-Produzenten in Europa. Nach Frankreich und Spanien war Griechenland in der Vergangenheit der drittgrößte Muschel-Exporteur. Bei den griechischen Muschelfarmen handelt es sich vor allem kleine Familienbetriebe. Rund 100 Familien, die in Nordgriechenland von der Muschelzucht leben, stehen jetzt vor einer existenzbedrohenden Krise.
