Kirchenaustritte nach Missbrauchsskandal
: Folgen, Formulare, Kirchensteuer – alle Infos zur aktuellen Lage

Nach dem Missbrauchsskandal in Bayern denken viele an einen Kirchenaustritt. Gründe, Folgen und Antworten: Wie tritt man überhaupt aus der (katholischen) Kirche aus?
Von
Laura Liboschik mit Agenturen
Ulm
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Das Gutachten über Missbrauchsfälle, das vom Bistum München beauftragt wurde, führt zu zahlreichen Kirchenaustritten. Was sind die Folgen eines Austritts?

Peter Kneffel/dpa

 Aktuell erschüttert das Missbrauchsgutachten für die Erzdiözese München und Freising die katholische Kirche. Die Konsequenz: Viele Gläubige wollen aus der Kirche austreten. Das wird inzwischen zu einer Herausforderung für die bayerischen Kommunen. Die aktuelle Lage:

  • Worum geht es beim Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche?
  • Wie tritt man eigentlich aus der Kirche aus und welche Folgen hat das?
  • Kirchensteuer berechnen: So geht’s.
  • Alle Infos rund um die Flut an Kirchenaustritten in Deutschland.

Kirchenaustritte 2022: Darum geht es beim Missbrauchsskandal der katholischen Kirche

Nach der Vorstellung eines Gutachtens zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Erzbistum München und Freising müssen Standesämter in Bayern sich für eine Flut von Kirchenaustritten rüsten. Allein in München wurden nach Angaben des Kreisverwaltungsreferates (KVR) seit Veröffentlichung des Gutachtens am vergangenen Donnerstag rund 650 Termine für Kirchenaustritte gebucht. Das sind deutlich mehr als doppelt so viele wie üblicherweise zu erwarten gewesen wäre, wie ein KVR-Sprecher der Deutschen Presseagentur sagte.

Das vom Erzbistum München und Freising selbst in Auftrag gegebene Gutachten der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) kommt zu dem Ergebnis, dass Fälle von sexuellem Missbrauch in der Diözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt wurden; es wirft den Kardinälen und ehemaligen Erzbischöfen Friedrich Wetter und Joseph Ratzinger sowie dem aktuellen, Reinhard Marx, Fehlverhalten vor. Von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern sprechen die Gutachter, gehen aber von einem deutlich größeren Dunkelfeld aus. Das ist der Grund, weshalb viele Menschen austreten möchten. Aber wie geht das überhaupt?

Wie tritt man aus der Kirche aus? – Online-Formular, Kosten,

Aus der Kirche austreten kann man in Deutschland nur durch persönliches Erscheinen oder durch ein notariell beglaubigtes Dokument. Man sollte einen gültigen Personalausweis oder Reisepass mitzunehmen. Es gibt keine Möglichkeit, einfach ein Online-Formular auszufüllen. Im Internet sind allerdings Muster-Formulare zu finden. Man sollte sich zunächst bei einem Notar oder beim Standesamt des eigenen Wohnortes mit dem Anliegen melden. Der Kirchenaustritt kann bereits ab dem 14. Lebensjahr selbstständig erklärt werden. Bei jüngeren Kirchenangehörigen müssen die Erziehungsberechtigten anwesend sein. Die Kosten für einen Kirchenaustritt liegen je nach Bundesland zwischen 10 und 60 Euro. Im Schnitt sind es 25 bis 30 Euro, in manchen Bundesländern ist der Austritt sogar kostenlos.

Die Folgen des Kirchenaustritts in der katholischen Kirche im Überblick

Für Katholiken hat der Austritt aus der Kirche einige gravierende Folgen. Diese sind hier aufgelistet:

  • Nach einem Kirchenaustritt dürfen Sakramente, wie zum Beispiel die Firmung, nicht mehr empfangen werden.
  • Schulpflichtige Kinder ohne Religionszugehörigkeit können vom Religionsunterricht in der Schule befreit werden.
  • Es gibt erhebliche Schwierigkeiten bei der Zulassung zum Patenamt.
  • Arbeitgeber sind häufig an die Kirche gebunden und verlangen die Mitgliedschaft (besonders bei Berufen im Gesundheitswesen)
  • Die Eheschließung in der Kirche ist zudem nur mit Erlaubnis des Ordinariats zugelassen.
  • Eine kirchliche Beerdigung ist unter Umständen nur dann möglich, wenn der Verstorbene zuvor ein Zeichen der Reue signalisiert.

Die genauen Folgen des Kirchenaustritts werden den Betroffenen auch per Brief mitgeteilt.

Kirchensteuer berechnen: Wie viel Kirchensteuer zahlt man katholisch und evangelisch?

Durchschnittlich verlassen laut Handelsblatt jährlich etwa 300.000 Menschen die Kirche und sparen sich damit die Kirchensteuer. Das zeige eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Mitglieder der katholischen Kirche kämen im Schnitt auf 291 Euro Steuer im Jahr, Protestanten auf 278 Euro. In der eigenen Gehaltsabrechnung oder mit einem Brutto-Netto-Rechner (hier der Rechner vom Handelsblatt) können Interessierte herausfinden, wie viel Kirchensteuer sie zahlen.