Einer ist Bestseller auf Amazon: Diese Autokindersitze scheitern im Crashtest

Ein Kindersitz im Crashtest. Zwei Modelle haben so schlecht abgeschnitten, dass der ADAC bereits vor der Veröffentlichung der Testergebnisse warnt.
ADACDas kommt auch nicht alle Tage vor: Der ADAC testet aktuell zusammen mit Stiftung Warentest Autokindersitze. Die Testergebnisse sollen Ende Oktober veröffentlicht werden. Im Moment laufen die Crashtests mit den unterschiedlichen Sitzmodellen. Zwei Hersteller haben dabei dermaßen schlecht abgeschnitten, dass die Verbraucherschützer sich gezwungen sehen, Eltern bereits vor Ende des Tests zu warnen. Um welche Kindersitze es geht und was Betroffene wissen müssen.
Diese Autokindersitze versagen im Frontalcrash
Um Kindersitze auf Herz und Nieren zu prüfen, bewertet der ADAC in seinen regelmäßigen Tests nicht nur die Qualität der Verarbeitung, beispielsweise die Schadstoffbelastung, sondern auch den Schutz bei Unfällen, etwa bei einem Frontalcrash.
Nach Angaben des ADAC haben bei eben jenem Test die Modelle Chipolino Olympus i-Size und Reecle 360 (auch als „ZA10 i-Size“ bzw. "946i i-Size zu finden) total versagt. Beide Kindersitze sind für die gesamte Dauer der Kindersitzpflicht zugelassen, also ab dem Babyalter bis zum 12. Lebensjahr. Die Sitze können in oder entgegengesetzt der Fahrtrichtung genutzt werden. Entgegen der Fahrtrichtung versagten beide Modelle bei den Frontalaufprall-Tests komplett.
Reecle und Chipolino: So verhielten sich die Kindersitze im Test
Der Reecle, der nach Auskunft von Stiftung Warentest vor allem auf Amazon verkauft wird und dort in der Kategorie Autokindersitze unter den „Bestsellern“ geführt wird, löste sich aus der Basisstation und wurde nur vom Zusatzgurt gestoppt.
Der Chipolino Olympus i-Size riss komplett aus der Halterung und schleuderte ungebremst durch den Fahrgastraum. In beiden Fällen drohen Kindern schwere Verletzungen. Der ADAC rät dringend vom Einsatz dieser Sitze ab.
Besonders kritisch: In Fahrtrichtung hielten die Modelle zwar stand, da Kinder bis 15 Monate aber gesetzlich rückwärts transportiert werden müssen, sind beide Sitze ungeeignet. Der ADAC selbst empfiehlt sogar, Kinder bis zum Alter von zwei Jahren entgegen der Fahrtrichtung zu sichern.
Kindersitze versagen: So reagieren die Hersteller
Die Hersteller wurden nach Angaben des ADAC informiert. Chipolino erklärte, der Olympus i-Size sei ausverkauft, Restbestände im Handel seien jedoch möglich. Von Reecle liegt bislang keine Reaktion vor.
Was Eltern jetzt tun sollten
Die betroffenen Sitze sollten, so der ADAC, nicht mehr verwendet werden, vor allem nicht bei Kleinkindern unter zwei Jahren. Eltern sollten den Händler kontaktieren und nach Kulanz fragen. Bei Käufen innerhalb der letzten zwei Jahre könnte ein Anspruch auf Sachmängelhaftung bestehen, dies muss jedoch im Einzelfall geprüft werden. Denn: Beide Sitze erfüllen die gesetzlichen Mindeststandards und dürfen daher in Europa verkauft werden.
Ein genereller Anspruch auf Rückgabe bzw. Umtausch von bereits gekauften Produkten lässt sich daher anhand des schlechten Abschneidens beim Verbraucherschutztest nicht ableiten. Der ADAC weist jedoch darauf hin, dass diese Standards deutlich niedriger sind als die Kriterien im eigenen Kindersitztest, der sich an Euro NCAP-Crashtests orientiert.




