Seit April 2020 gibt es Beunruhigung angesichts verschiedener Krankheitsfälle bei Kindern in Deutschland, England, Frankreich und anderen Ländern, die an das Kawasaki Syndrom erinnern. Jetzt wird ein Zusammenhang zum Coronavirus Covid 19 untersucht. Doch was genau ist das Kawasaki Syndrom, wie gefährlich ist es und wie ist die aktuelle Lage in Deutschland? Das und mehr erklären wir hier:

Was ist das Kawasaki Syndrom bei Kindern?

Das Kawasaki Syndrom ist eine entzündliche Erkrankung der Blutgefäße (Vaskulitis). Sie tritt im Kleinkindalter auf und kann die irreversible Schädigung der Arterien und Venen, die Blut zum und vom Herzmuskel führen (Koronargefäße), verursachen. Das Kawasaki Syndrom beginnt laut aerzteblatt.de mit plötzlich einsetzendem Fieber über mindestens fünf Tage.

Kawasaki Syndrom: Kinder mit Ausschlag - Symptome, Anzeichen und Diagnose

Anhand welcher Symptome erkennt man das Kawasaki Syndrom und wann wird die Diagnose gestellt? Die folgenden Anzeichen und Symptome können beim Kawasaki Syndrom bei Kindern auftreten:
  • Hautausschlag, Hautrötung und Schwellung von Händen und Füßen, welche unter Abschuppung abheilen
  • entzündlicher Hautausschlag in verschiedener Form
  • trockene Bindehautentzün­dung
  • Veränderungen von Lippen und Mundhöhle, etwa Hautausschlag und Risse an Lippen oder Erdbeerzunge
  • Lymphknotenschwellung von etwa 1,5 Zentimetern Durchmesser, meist einseitig
Die Diagnose auf Kawasaki Syndrom wird erst gestellt, wenn neben dem Fieber auch mindestens vier weitere Symptome auftreten.

Kawasaki Syndrom in Deutschland? Mysteriöse Erkrankung gibt Rätsel auf

Was hat es mit der Entzündungserkrankung auf sich? Und hat das etwas mit dem Coronavirus zu tun? Bei Kindern aus mehreren europäischen Ländern wurden ungewöhnlich schwere Erkrankungen festgestellt – auch in Deutschland. In einigen dieser Fälle wurde auch das Coronavirus nachgewiesen. Die Zahlen sind hier allerdings sehr niedrig. Die betroffenen Kinder zeigen Symptome, die denen des Kawasaki Syndroms ähneln.

Anzeichen auf Kawasaki Syndrom - mindestens zwei Fälle in Deutschland

In Deutschland wurden nach Angaben von Reinhard Berner, Klinikdirektor am Uniklinikum Dresden, mindestens zwei Fälle gemeldet. Es sei aber noch unklar, ob es einen Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gibt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Denkbar ist es durchaus“, fügte er hinzu. Die Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen.

Kawasaki Syndrom und Coronavirus: Schweizer vermuten Zusammenhang

Nach Angaben des Schweizer Corona-Beauftragten Daniel Koch handelt es sich wahrscheinlich um eine Immunreaktion auf eine Infektion mit dem Coronavirus.
„Das Virus löst einen Entzündungssturm aus, eine Überreaktion des Immunsystems“, sagte auch der Genfer Kantonsarzt Jacques-André Romand.

WHO befasst sich mit Kawasaki Syndrom und Corona

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich bereits mit dem Thema befasst, wie die Covid-19-Beauftragte Maria van Kerkhove bestätigte. „Wir wissen, dass Kinder in der Regel weniger schwere Krankheitsverläufe haben, aber einige entwickeln schwere Krankheiten und einige sind auch gestorben“, sagte sie. „Wir haben unser globales Ärztenetzwerk aufgerufen, wachsam zu sein.“

Die meisten betroffenen Kinder erholen sich komplett nach milder Infektion

WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan fügte hinzu: „Dies zeigt, dass das Virus nicht nur die Lunge, sondern auch anderes Gewebe angreift.“ Allerdings beruhigte Ryan besorgte Eltern: „Der allergrößte Teil der Kinder, die sich mit dem Virus anstecken, haben eine milde Infektion und erholen sich komplett.“

BVKJ-Präsident warnt vor Panik wegen Kawasaki Syndrom und Corona

Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, warnte ebenfalls vor Panik. „Es gibt keine Hinweise auf einen Zusammenhang von Covid-19 und dem Kawasaki Syndrom“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das Kawasaki Syndrom gebe es schon lange und es sei sehr selten. Ein Anstieg der Erkrankung seit Beginn der Covid-19-Pandemie sei nicht zu erkennen. Was das Kawasaki Syndrom auslöst, wissen Ärzte bis heute nicht. Es betrifft vor allem kleine Kinder.

Kawasaki Syndrom: Corona und Kinder - gibt es einen Zusammenhang?

Noch ist ein möglicher Zusammenhang zwischen der Entzündungserkrankung bei Kindern und Covid 19, der Erkrankung durch eine Infektion mit dem Coronavirus, also nicht erwiesen. Da aber viele der betroffenen Kinder auch positiv auf Corona und Antikörper getestet wurden, wird das aktuell genauer untersucht.

Kawasaki Syndrom - die aktuelle Lage in England

Am 28.04.2020 hatte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock von den oben genannten Symptome bei einigen Kindern in England berichtet. Die Beschwerden würden offenbar durch eine Überreaktion des Immunsystems ausgelöst und könnten in dem neuartigen Coronavirus und Covid-19 ihre Ursache haben, sagte Hancock.
Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden nahmen in den vergangenen Tagen Erkrankungen bei Kindern zu, die an das Kawasaki Syndrom erinnerten. Einige der Kinder in Großbritannien mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Außerdem wurden aus Spanien, Italien und der Schweiz solche Erkrankungen bei Kindern gemeldet.

Kawasaki Syndrom in den USA - so ist die Lage

Seit April hat es vereinzelte Berichte über Kleinkinder gegeben, die nach einer Coronavirus-Infektion am Kawasaki Syndrom erkrankt sind. In den USA stellten Ärzte des Palo Alto Centers in Stanford/Kalifornien einen Fall vor, wie aerzteblatt.de berichtet. Dabei hatte ein sechs Monate altes Mädchens einen viralen Infekt mit hohem Fieber von mehr als 38 Grad Celsius, einer Bindehautentzündung, einer Zungenveränderung, Hautausschlag und Schwellungen an Händen und Füßen - die klassischen Symptome des Kawasaki Syndroms.

New Yorks Bürgermeister besorgt über mysteriöses Entzündungssyndrom bei Kindern

Bill de Blasio, der Bürgermeister von New York City, hat sich besorgt über Dutzende Fälle eines Syndroms bei Kindern geäußert, bei dem verschiedene Körperteile von entzündlichen Prozessen betroffen sind. Es wird mit dem neuartigen Coronavirus in Zusammenhang gebracht und die Anzeichen ähneln denen des Kawasaki Syndroms. De Blasio erklärte am 10. Mai, dass in der Stadt New York bereits 38 Fälle des Syndroms festgestellt worden seien. Zudem gebe es neun Verdachtsfälle. Im gesamten Bundesstaat würden sogar 85 Verdachtsfälle geklärt, erklärte später New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo.

Entzündungssyndrom: Mindestens drei Todesfälle ohne Vorerkrankung im Bundesstaat New York

Zuvor hatte Cuomo mitgeteilt, dass in dem Bundesstaat drei Todesfälle mit diesem Syndrom in Verbindung gebracht würden. Bei den Opfern handelte es sich den Behörden zufolge um einen fünfjährigen Jungen, einen Grundschüler und einen Jugendlichen. Vorerkrankungen seien bei ihnen nicht bekannt gewesen. Zwei weitere verdächtige Todesfälle werden untersucht.

Zusammenhang zwischen Syndrom und Coronavirus: Antikörpertest und Coronatest

Um einen möglichen Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus zu klären, würden nun alle betroffenen Kinder auf den Erreger und Antikörper gegen Sars-CoV-2 getestet. Von den bislang getesteten Kindern seien 47 Prozent mit dem Coronavirus infiziert gewesen, 81 Prozent hätten Antikörper gegen den Erreger im Blut gehabt.
New York City ist die am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Stadt in den USA, die wiederum das am schwersten betroffene Land weltweit sind.

15 Verdachtsfälle auf Kawasaki Syndrom in Frankreich bis Ende April

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran hatte sich bereits am 29.04.2020 beunruhigt über das Auftreten entzündlicher Erkrankungen bei Kindern geäußert, bei denen ein Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus nicht ausgeschlossen wird. Pariser Ärzte hätten ihn alarmiert, weil etwa 15 Kinder aller Altersstufen unter Symptomen wie Fieber, Beschwerden im Verdauungstrakt und Gefäßentzündungen litten, die eine Herzschwäche verursachen könnten, sagte Véran am Mittwoch dem Radiosender Franceinfo. Auch Entzündungen der Herzgefäße träten mitunter auf. Todesfälle seien seines Wissens aber nicht vorgekommen, fügte der Minister hinzu.

Betroffen Kinder Frankreich und Großbritannien auch mit Corona infiziert

Von den nun aus Frankreich und Großbritannien gemeldeten Erkrankungen waren laut Véran auch - aber nicht ausschließlich - Kinder betroffen, die positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurden. Es gebe noch "viele Fragen" und nicht ausreichend Beweise, um einen Zusammenhang zwischen den Entzündungsprozessen und dem Coronavirus herzustellen. In jedem Fall nehme er die Meldungen "sehr ernst", betonte Véran.

Appell aus Frankreich: Achtsamkeit und Informationen zu Kawasaki Syndrom sammeln

Der Minister rief die Ärzte und Wissenschaftler in Frankreich und allen anderen Ländern auf, auf derartige Fälle zu achten und so viele Informationen wie möglich zusammenzutragen. Angesprochen auf das Vorhaben, in Frankreich ab dem 11. Mai die Schulen wieder zu öffnen, hob Véran hervor, dass seit Beginn der Corona-Pandemie nur wenige Kinder an Covid-19 erkrankt seien und bei schweren Fällen Vorerkrankungen bei den Kindern vorgelegen hätten.