Eine Herde abgemagerter Kühe, düstere Musik, dazu eine verrauchte Frauenstimme: „Jedes Leben ist wertvoll. Und Kühe sind keine Milchmaschinen.“. Süßigkeiten-Hersteller Katjes provoziert mit seinem neuen Werbespot - vor allem deutsche Landwirte sind sauer.

Nach Angaben des Magazins „Agrar heute“ zeigte sich der Bayerische Bauernverband (BBV) geschockt und hat eine Beschwerde beim Deutschen Werberat eingereicht. Darin schreibe der BBV: „In dem Fernsehspot wird Tierhaltern die Ausbeutung ihrer Kühe unterstellt. Das ist diskriminierend und ungerechtfertigt."

Auf Nachfrage bestätigte Markus Drexler, Kommunikationsleiter beim BBV, dass eine Beschwerde beim Deutschen Werberat eingereicht worden sei. Damit hätte der Verband auf die Empörung zahlreicher Mitglieder, Tierhalter und Landwirte reagiert.

„Völlig verzerrtes Bild von der deutschen Landwirtschaft“

„Seit Anfang der Woche zeichnet der Spot ein völlig verzerrtes Bild von der deutschen Landwirtschaft. Tierhaltern wird unterstellt, Tiere als „Milchmaschinen“ auszunutzen“, so Drexler weiter. Dieses Bild von industrieller Tierhaltung und Ausbeutung passe nicht mit der Realität zusammen.

Es werde jedoch in solchen Fällen mit „ungleichen Waffen“ gekämpft: Im Vergleich zu finanzstarken Großkonzernen sei die Finanzlage der landwirtschaftlichen Betriebe stark eingeschränkt.

Youtube

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Das größte Problem in dieser Sache sieht Drexler im Umgang miteinander. „Wer sich ohne tierische Produkte ernähren möchte, dem steht es natürlich frei, das zu tun“, betont er. „Es ist nur wichtig, auf Augenhöhe zu diskutieren. Extrempositionen sind an dieser Stelle fehl am Platz - das Leben findet meistens in Grautönen statt, nicht in Schwarz-Weiß.“

Wer sich genauer über die Milchkuhhaltung informieren will, könne dies jedes Jahr am „Tag des offenen Hofes“ tun.

Reaktionen im Netz auf den Katjes-Spot

„Cool ohne Kuh“ lautet der Slogan für die vegane Schokolade „Chocjes“, der passende Hashtag dazu #achtemaldrauf. Nach Herstellerangaben ist es die „erste deutsche Schokolade mit Haferdrink“.

Nicht nur bei den Landwirten macht sich Katjes mit dem Werbespot unbeliebt. Manche User werfen dem Unternehmen Heuchelei vor: „Bravo! Jetzt mal noch den Yoghurt aus den Gums und das Bienenwachs ersetzen und schon wird das Greenwashing glaubhaft“, schreibt eine Userin auf Youtube. Ein anderer Nutzer kritisiert die Darstellung: „Wie kann man die Milchkuhhaltung nur so unrealistisch darstellen!“

Auch viel Lob für den neuen Clip von Katjes

Auf Facebook hat das Video für viel Aufsehen gesorgt. Viele User zeigen Unverständnis über negative Kommentare, die jedoch am Donnerstagmorgen kaum zu finden waren. Momentan steht unter dem entsprechenden Facebook-Post hauptsächlich Zuspruch: „Lasst euch bloß nicht unterkriegen, das ist der richtige Weg“, „Absolut genialer Spot“ oder „Ich bin mehr als nur beeindruckt“ ist dort zu lesen.

Gloria Thyssen, Pressesprecherin bei Katjes, teilte auf Anfrage mit, dass das Unternehmen keine Kommentare lösche. Negatives Feedback werde „gelesen und sehr ernst genommen.“ Nur Statements, die „unter die Gürtellinie“, zielen, würden verborgen. Tatsächlich seien drei Viertel der Kommentare durchweg positiv, so Thyssen.

Zum Thema Missstände in der Landwirtschaft wollte sie keine Aussage machen. Sie betont jedoch, dass der Clip zwar überspitzt sei, sich aber ausdrücklich nicht gegen die Landwirtschaft im Allgemeinen richte. Vielmehr solle er eine Alternative für vegan lebende Menschen aufzeigen.

Von der Beschwerde des BBV habe das Unternehmen nur über die sozialen Netzwerke erfahren, so Thyssen weiter. Bislang habe weder der BBV noch der Deutsche Werberat Kontakt mit Katjes aufgenommen.

Der 20-sekündige Werbeclip ist ab sofort auch im TV zu sehen. Entworfen und gezeichnet wurde das Video vom britischen Illustrator Gerald Scarfe, der besonders für sein Design des Pink-Floyd-Albumcovers „The Wall“ bekannt ist.

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Kilnamanagh