In Kassel findet alle fünf Jahre eine der wichtigsten und größten Kunst-Veranstaltungen in Europa statt: Die documenta. In diesem Jahr, 2022, ist es wieder mal soweit. Die documenta eröffnete am 18. Juni ihre Tore für das Publikum – und ist bereits innerhalb weniger Stunden wegen eines antisemitischen Banners in der Kritik geraten. Für die Veranstalter eine Katastrophe.
Dennoch wird die documenta noch bis September ihre Tore geöffnet haben. Wer über den Sommer zu dem Event, das wie ein 100-tägiges-Museum ist, gehen möchte, bekommt hier alle Infos:
  • Programm: Veranstaltungen und Ausstellungsorte im Überblick
  • Öffnungszeiten: Wann, wo und wie
  • Tickets: Was kostet eine Karte für die documenta?
  • News: Antisemitismus bei der documenta?

Documenta 2022: Tickets und Öffnungszeiten

Die documenta findet vom 18. Juni bis zum 25. September 2022 statt. Die Kunst-Schau geht immer genau 100 Tage und wird alle fünf Jahre auf die Beine gestellt. Die nächste documenta wird also 2027 stattfinden. Die Öffnungszeiten sind regulär täglich von 10 bis 20 Uhr. Allerdings gibt es auch Veranstaltungen, bei denen die Öffnungszeiten abweichen können.
Für den Besuch muss man ein Ticket kaufen. Folgende Optionen gibt es:
  • Tagesticket: 27 Euro / ermäßigt 19 Euro
  • 2 Tagesticket für zwei aufeinander folgende Tage: 45 Euro / ermäßigt 32 Euro
  • Dauerticket für den gesamten Zeitraum: 125 Euro (selber drucken) / ermäßigt 100 Euro / 129 Euro (postalisch zugesendet) / ermäßigt 104 Euro
  • Abendticket von 17 bis 20 Uhr: 12 Euro / ermäßigt 8 Euro
  • Soli-Ticket für eine andere Person: 27 Euro
Kinder bis zwölf Jahre können kostenlos zur documenta. Es gibt zudem noch Familien- und Schülertickets. Ermäßigten Eintritt bekommen Studierende, Schüler, Azubis, Empfänger von Sozialleistungen, FSJler und Geflüchtete. Gekaufte Tickets gelten auch für den ÖPNV im Raum Kassel. Zu kaufen sind die Tickets hier.

Documenta Fifteen: Programm, Veranstaltungen, Corona

Bei der documenta sind insgesamt rund 1.500 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt mit ihren Werken an der Ausstellung beteiligt. Die „documenta fifteen“ ist vom 18. Juni bis 25. September an 32 Standorten in Kassel zu erleben. Die gesamte Liste aller Ausstellungsorte ist hier einzusehen.
Das Programm für die documenta ist vielfältig, es gibt Kino-Vorstellungen, Live-Musik, Unterhaltungsrunden, Führungen und vieles mehr. Viele Programmpunkte sind explizit für Kinder, sodass für alle Altersgruppen was dabei ist. Viele Angebote sind nicht auf Deutsch, es gibt Events auf Englisch, Französisch, Spanisch, Arabisch und mehr. Das komplette Programm kann hier angeschaut werden.
Achtung: Die documenta hat wegen der Corona-Lage vorsorglich alle Veranstaltungen bis zum 24. Juni 2022 abgesagt.

Documenta und Antisemitismus: Banner „People‘s Justice“ wird abgehängt

Das Werk ist nicht mehr zu sehen, die Debatte ist deshalb aber nicht beendet: Eine heftig kritisierte Installation auf der documenta fifteen in Kassel wurde erst verhüllt und dann wenige Tage nach der Eröffnung abgebaut. Nun werden die Rufe nach einer Aufarbeitung des Eklats immer lauter.
Die großflächige Banner-Installation „People's Justice“ des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi zeigt unter anderem einen Soldaten mit Schweinsgesicht. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift „Mossad“ - die Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Nach heftiger öffentlicher Kritik wurde es zunächst mit einem schwarzen Tuch verhängt. Danach verkündete Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), dass das Banner entfernt wird.
„Ich bin wütend, ich bin enttäuscht. Denn die Stadt Kassel und ich als Oberbürgermeister, wir fühlen uns beschämt“, sagte Geselle. „Es ist etwas passiert, was nicht hätte passieren dürfen.“ Die Installation weise einen eindeutigen antisemitischen Zusammenhang auf. Dem kuratierenden Kollektiv Ruangrupa war schon seit Monaten Antisemitismus vorgeworfen worden. Die Gruppe habe seit Beginn der Debatte aber immer versichert, dass Antisemitismus, Rassismus oder Gewalt keinen Platz auf der documenta haben würden, betonte Geselle. „In diesem einen Fall sind sie ihrer Verantwortung ganz offensichtlich nicht gerecht geworden.“
Der Ausschnitt des umstrittenen Großgemäldes des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi auf dem Friedrichsplatz zeigt einen Soldaten mit Schweinsgesicht. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift «Mossad», der Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Auf dem Banner sind mehrere antisemitische Motive zu sehen. Dem indonesischen Kuratorenkollektiv Ruangrupa war zum Jahresbeginn von einem Kasseler Bündnis vorgeworfen worden, auch Organisationen einzubinden, die den kulturellen Boykott Israels unterstützten oder antisemitisch seien.
Der Ausschnitt des umstrittenen Großgemäldes des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi auf dem Friedrichsplatz zeigt einen Soldaten mit Schweinsgesicht. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift «Mossad», der Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Auf dem Banner sind mehrere antisemitische Motive zu sehen. Dem indonesischen Kuratorenkollektiv Ruangrupa war zum Jahresbeginn von einem Kasseler Bündnis vorgeworfen worden, auch Organisationen einzubinden, die den kulturellen Boykott Israels unterstützten oder antisemitisch seien.
© Foto: Uwe Zucchi
Der jüdische Verbandsvorsitzende Michael Fürst hält es nicht für ausreichend, dass das Gemälde abgehängt wurde. Die Generaldirektorin der Kasseler Kunstschau, Sabine Schormann, müsse sich fragen lassen, ob sie an richtiger Stelle sei und womöglich auch über einen Rücktritt nachdenken, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Hannover.

People‘s Justice: Warum das Werk antisemitisch ist

Das Werk von Taring Padi beinhaltet ganz eindeutig antisemitische Stereotypen, die sehr alt sind und vor allem in der Nazi-Zeit benutzt wurden, um den Judenhass anzufeuern. In dem documenta-Bild werden zum Beispiel jüdische Soldaten als Schweine dargestellt – ein antisemitisches Bild aus dem Mittelalter, das Juden ausgrenzen sollte. Es ist verbunden damit, dass Juden kein Schweinefleisch essen, da Schweine im Judentum als unrein gelten. Somit wird das Schwein im antisemitischen Kontext verwendet, um Juden abzuwerten. Daher kommt auch das Schimpfwort „Judensau“. Mehr Informationen über Antisemitismus und deren Bekämpfung gibt es hier.
Mit Material von dpa und epd.