Jurassica Parka
: Drag-Queen moderiert Polizeigala trotz Verurteilung und laufender Ermittlungen

Jurassica Parka moderierte trotz Verurteilung und laufender Ermittlungen die Berliner Polizeigala „Gemeinsambunt“ – und sorgt damit für Empörung in der Öffentlichkeit.
Von
Judith Müller
Berlin
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Dragqueen Jurassica Parka moderierte am 14. Juli 2025 die Berliner Benefizgala „Gemeinsambunt".

Dragqueen Jurassica Parka moderierte am 14. Juli 2025 die Berliner Benefizgala „Gemeinsambunt".

picture alliance/dpa, Annette Riedl

Am 14. Juli 2025 moderierte Jurassica Parka (bürgerlich Mario O.) die Benefizgala „Gemeinsambunt“ im Berliner Theater des Westens. Veranstalter waren unter anderem die Berliner Polizei, das Polizeipräsidium Brandenburg und das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Gala sollte ein öffentliches Zeichen gegen Hasskriminalität setzen.

Doch die Wahl von Parka als Moderator sorgt für große Kontroversen: Mario O. ist bereits im Oktober 2023 rechtskräftig verurteilt worden wegen Besitzes und Verbreitung kinderpornografischer Inhalte. Die Strafe belief sich auf 160 Tagessätze zu je 70 Euro, insgesamt 11.200 Euro, und wird auch im polizeilichen Führungszeugnis geführt.

Neue Ermittlungen liefen bereits vor der Gala

Noch brisanter: Zum Zeitpunkt der Gala war gegen Parka erneut ein Ermittlungsverfahren wegen derselben Vorwürfe anhängig. Die Berliner Polizei wusste laut B.Z. seit dem 26. März 2025 von neuen Hinweisen, und die Staatsanwaltschaft leitete am 6. Mai 2025 ein Verfahren ein. Erst am 24. Juli, zehn Tage nach der Gala, wurde die Wohnung von Mario O. durchsucht – die Auswertung der Beweismittel läuft noch.

Die Hinweise stammten vom National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) aus den USA, das Plattformen wie Facebook oder Instagram meldet, wenn Inhalte auf Kindesmissbrauch hindeuten, und diese Informationen an deutsche Behörden weiterleitet.

Polizei verteidigt Entscheidung

Lena Kniphals, Leiterin der Stabsabteilung Kommunikation bei der Berliner Polizei, erklärte, dass zum Zeitpunkt der Veranstaltung weder die Behördenleitung noch Partner der Gala Kenntnis von den Vorwürfen hatten.

„Eine standardmäßige Überprüfung von Mitwirkenden einer solchen Veranstaltung ist rechtlich nicht zulässig. Vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen wäre die Beauftragung einer anderen Person zur Moderation allerdings sicherlich wünschenswert gewesen.“

Kniphals betonte außerdem, dass Verhaltensweisen, die den Vorwurf begründen, nicht toleriert werden, und dass die Behördenleitung nicht in die Beauftragung von Künstlern eingebunden sei.

Gala-Fotos sorgen für öffentliche Debatte

Auf X (ehemals Twitter) tauchten Bilder auf, die Jurassica Parka Arm in Arm mit Polizeivizepräsident Marco Langner zeigen. Einige Fotos, die ursprünglich im Intranet der Polizei kursierten, wurden inzwischen wieder entfernt.

Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel war bei der Gala nicht anwesend. Langner und weitere Beamte erschienen offenbar ohne Wissen über die Vorstrafen und laufenden Ermittlungen von Parka.

Kritik aus Gewerkschaft und Sicherheitskreisen

Stefan Weh, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), äußerte gegenüber der B.Z. deutliche Kritik: „Wir sind nicht gerade glücklich über diese gemeinsame Veranstaltung. Niemand steht gern mit einem Straftäter gemeinsam auf der Bühne, auch unser Vizepräsident nicht.“ Gleichzeitig wies Weh auf die Wirkung des Datenschutzes hin: „Der Datenschutz schützt in unserer Stadt ernsthaft – leider schützt er dabei auch Sexualstraftäter und nimmt uns die Möglichkeit, solche Einsätze zu verhindern.“

In Sicherheitskreisen sei es üblich, bei Veranstaltungen Informationen über externe Personen einzuholen, etwa durch freiwillige Abfragen oder Überprüfungen von Auftragnehmern.

Die Ereignisse verdeutlichen, wie kompliziert es ist, Künstlerbeauftragungen rechtlich und moralisch abzusichern, selbst bei Veranstaltungen, die gegen Hass und Diskriminierung ein Zeichen setzen wollen.