Der Umgang der westlichen Welt, insbesondere der USA, Großbritannien und Schweden, mit dem Wikileaks-Gründer Julian Assange wird schon lange intensiv diskutiert. Nochmal richtig Fahrt aufgenommen hat die Diskussion durch das Interview mit dem Uno-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer, der schwere Vorwürfe gegen die schwedische Justiz erhoben hat. Die Situation von Julian Assange hat viele Menschen bewegt – weltweit und auch in der Region. Am 3. Juli feiert der Australier seinen 49. Geburtstag. Anlass für Ulmer Aktivisten, an diesem Tag um 17 Uhr eine Kundgebung auf dem Münsterplatz zu organisieren.
Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf Julian Assange? Ein Überblick über die wichtigsten Fragen über den Prozess gegen ihn und seinen Gesundheitszustand.

Vorgeschichte: Wie kam es zum Prozess gegen Julian Assange?

Der Prozess gegen Julian Assange startete Ende Februar 2020. Assange hatte Wikileaks 2006 gegründet. Durch die Veröffentlichung von geheimen US-Dokumenten, die unter anderem Kriegsverbrechen dokumentieren, wurde er berühmt.
Bereits seit April 2019 sitzt Assange in London in Haft. Zuvor lebte er rund sieben Jahre lang als politischer Flüchtling in der Botschaft von Ecuador in London. Als ihm der neue Präsident Lenín Moreno das politische Asyl entzog, wurde er in Großbritannien zu 50 Wochen Gefängnis verurteilt, weil er sich der Justiz entzogen habe.
Die USA haben einen Auslieferungsantrag gestellt, ihm drohen 175 Jahre Haft. Deswegen muss Assange im Gefängnis bleiben, obwohl er seine Strafe nach britischem Recht abgesessen hat.

Julian Assange sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis in London

Assange sitzt derzeit im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh im Londoner Südosten. Um ihn herum: Radikale Islamisten oder auch gewaltbereite Neonazis wie der als Londoner Nagelbomber bekannt gewordene David Copeland, der drei Menschen tötete, über hundert verletzte und einen Rassenkrieg starten wollte.
Assanges Lebensgefährtin Stella Morris, früher seine Anwältin, bangt um sein Leben. Morris, die auch Mutter zweier kleiner Kinder von ihm ist, sagte, dass Assange schon zuvor schon gesundheitlich stark angeschlagen gewesen sei und eine Ansteckung mit Covid-19 verheerend sein könnte. Ein Häftling in Belmarsh sei bereits an der Lungenkrankheit gestorben. Assange befinde sich 23 Stunden am Tag in Isolation und erhalte keinen Besuch mehr, sagte Morris weiter. Ein britisches Gericht hatte Ende März eine Freilassung auf Kaution abgelehnt, weil Fluchtgefahr bestehe.

Wie geht es im Prozess gegen Julian Assange weiter?

Eigentlich sollte die erste inhaltliche Anhörung im Prozess am 18. Mai stattfinden. Diese wurde allerdings wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Sie soll nun im September stattfinden. Ein genaueres Datum ist noch nicht bekannt.

„Free Julian Assange“: Wer engagiert sich für die Freilassung des Wikileaks-Gründers?

Eine breite, ganz unterschiedliche Allianz. International zum Beispiel eine Gruppe von 216 Ärzten, die sich „Ärzte für Assange“ nennen und vor wenigen Tagen im medinzinischen Fachmagazin „The Lancet“ seine sofortige Freilassung forderten und von Folter sprachen. Auf bundespolitischer Ebene eine Gruppe um Günter Walraff. Und regional viele verschiedene Gruppen, wie oben erwähnt auch in Ehingen und Ulm.