Julian Assange
: Familie, Auslieferung & Haft – der Wikileaks-Gründer im Porträt

In Großbritannien hat das womöglich entscheidende Gerichtsverfahren über die Auslieferung von Assange begonnen. Doch wer ist der Wikileaks-Gründer eigentlich?
Von
Philipp Staedele
London
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13.01.2020, Großbritannien, London: Wikileaks-Gründer Julian Assange verlässt das Gericht Westminster Magistrates Court nach einer Anhörung zum Auslieferungsgesuch der USA.

Dominic Lipinski/dpa

Bereits seit Jahren dauert das juristische Tauziehen um die von den USA geforderte Auslieferung von Wikileaks-Gründer Julian Assange. In Großbritannien hat nun das womöglich entscheidende Gerichtsverfahren begonnen, bei einer Auslieferung droht Assange der Prozess wegen Spionage und eine lange Haftstrafe. Doch wer ist Assange eigentlich und was er getan?

Julian Assange: Frau, Beruf, Alter - der Steckbrief

  • Name: Julian Paul Assange
  • Geburtstag: 03. Juli 1971
  • Geburtsort: Townsville (Queensland), Austalien
  • Beruf: investigativer Journalist, Politaktivist, ehemaliger Computerhacker, Programmierer, Gründer von Wikileaks
  • Ehefrau: Stella Moris-Smith Robertson (verheiratet seit 2022)

Das Leben und die Familie von Julian Assange

Julian Assange ist der Sohn von Christine Ann Hawkins und John Shipton. Seine Eltern sollen sich 1970 bei einer Anti-Vietnamkriegs-Demonstration kennengelernt haben. Von 2003 bis 2006 studierte er an der University of Melbourne. Erste Programmiererfahrungen sammelte Assange auf einem C64. Sein Hacker-Pseudonym war „Mendax“, dann verwendete er den Namen „Proff“, als Anspielung auf den Science-Fiction-Roman Cryptonomicon. Er und zwei weitere Hacker gründeten die Gruppe „International Subversives“. Die Australian Federal Police führte daraufhin 1991 in seinem Haus in Melbourne eine Razzia durch, 1992 wurde Assange dann in 24 Fällen des illegalen Hackens für schuldig befunden.

Assange führt seit 2015 eine Beziehung mit seiner Anwältin Stella Moris-Smith Robertson.

Vom Hacker zum Gründer von Wikileaks

2006 gründet Julian Assange Wikileaks, eine multinationale Medienorganisation mit angeschlossener Bibliothek.

WikiLeaks hat sich laut Angaben auf der eigenen Webseite auf die Analyse und Veröffentlichung großer Datenmengen zensierter oder anderweitig eingeschränkter offizieller Materialien über Krieg, Spionage und Korruption spezialisiert. Demnach wurden bislang mehr als 10 Millionen Dokumente und zugehörige Analysen veröffentlicht.

Assang in Haft: Was wird Assange vorgeworfen?

Die US-Regierung will dem Australier in den USA wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Assange wird in den USA beschuldigt, ab 2010 rund 700.000 vertrauliche Dokumente über militärische und diplomatische Aktivitäten der USA veröffentlicht zu haben. Die Papiere enthielten brisante Informationen über Kriege vor allem im Irak und in Afghanistan, unter anderem über die Tötung von Zivilisten und die Misshandlung von Gefangenen.

Vor seiner Festnahme im April 2019 hatte sich Assange mehrere Jahre in der ecuadorianischen Botschaft in London dem Zugriff der Strafverfolgungsbehörden entzogen. Diese hatten ihn zunächst wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden ins Visier genommen. Diese Anschuldigungen wurden später jedoch aus Mangel an Beweisen fallen gelassen.

Auslieferung an die USA: Assange hofft auf letzte Chance vor Gericht

Seit Jahren schon dauert das juristische Tauziehen um die von der US-Justiz geforderte Auslieferung des Wikileaks-Gründers aus Großbritannien an. Der 52-Jährige sitzt nun seit fast fünf Jahren im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in London.

Doch jetzt könnte es ganz schnell gehen. Bei einer entscheidenden Anhörung vor Gericht zur Auslieferung von Julian Assange in die USA haben die Anwälte des Wikileaks-Gründers ihre Argumente dargelegt. Assange konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst an der Verhandlung teilnehmen, wie sein Anwalt mitteilte.

Für Assange ist die zweitägige Anhörung am High Court in der britischen Hauptstadt die letzte Hoffnung, seine Auslieferung an die USA vor britischen Gerichten noch zu verhindern. Er hofft auf eine volle Berufungsverhandlung, die ihm bislang verweigert wurde. Sollte er scheitern, wäre der Rechtsweg in Großbritannien ausgeschöpft. Im Falle einer Auslieferung drohen ihm in den USA der Prozess wegen Spionagevorwürfen und bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft.

Stella Assange, Ehefrau von Julian Assange, spricht vor den Royal Courts of Justice.

Kirsty Wigglesworth/dpa

Stella Assange fürchtet um das Leben ihres Mannes

Für Assange bliebe im Fall einer Ablehnung seines Berufungsantrags in London nur noch der Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dort werde sein Team umgehend einen Antrag auf einstweilige Verfügung stellen, um eine sofortige Auslieferung zu verhindern, kündigte Stella Assange an. Es gebe jedoch die Sorge, dass die britische Regierung eine solche Anordnung ignorieren könnte. Sie fürchtet wegen der erwarteten harschen Haftbedingungen in den USA und der labilen Psyche ihres Mannes um sein Leben. Suizid-Gefahr war auch der Grund, warum eine Richterin in erster Instanz die Auslieferung zunächst abgelehnt hatte. Doch die Entscheidung wurde später gekippt.

Appelle zur Freilassung auch aus Deutschland

Für eine Freilassung des 52-Jährigen setzen sich weltweit Menschenrechtsorganisationen und Journalistenverbände ein. Die Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), Tina Groll, forderte kurz vor Beginn der Anhörung in London ein Ende der Strafverfolgung. Die britische Justiz könne mit einer Absage an das Auslieferungsersuchen der USA ein „unmissverständliches Signal für demokratische Grundwerte“ setzen, so Groll.

„Wikileaks hat maßgeblichen Anteil daran, dass die Weltöffentlichkeit die schmutzige Seite der US-Kriegseinsätze erfuhr“, betonte der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Mika Beuster. „Dafür verdient Julian Assange Auszeichnungen und nicht Haft.“

Assange hofft auch auf politische Lösung

Neben einem Erfolg im juristischen Tauziehen erhofft sich Assange eine politische Lösung. Die australische Regierung setzt sich inzwischen für eine Freilassung ihres Staatsbürgers ein. Erst in der vergangenen Woche verabschiedete das australische Parlament einen Beschluss, in dem die USA und Großbritannien aufgerufen wurden, die Strafverfolgung Assanges zu beenden. Regierungschef Anthony Albanese betonte, die Angelegenheit ziehe sich schon zu lange hin. US-Außenminister Antony Blinken hat den Forderungen nach einem Ende der Strafverfolgung bislang jedoch immer wieder Absagen erteilt.

(mit Material von dpa und AFP)