TV Jenny Jürgens: „Ich habe viel Neid erfahren“

„Ich führe sozusagen ein kleines Familienunternehmen“, sagt Jenny Jürgens.
„Ich führe sozusagen ein kleines Familienunternehmen“, sagt Jenny Jürgens. © Foto: Daniela Grunwald
München / Daniela Grunwald 04.09.2018

Sie ist die Tochter von Udo Jürgens und hat es dennoch nicht leicht gehabt, ihre Karriere aufzubauen: Jenny Jürgens, Sängerin und Schauspielerin. Nach drei Jahren Abstinenz vom Bildschirm ist sie von nächster Woche an wieder in der Telenovela „Rote Rosen“ im Ersten zu sehen.

Wie kam es dazu, dass Sie jetzt wieder in Rote Rosen mitspielen?

Jenny Jürgens: Ich bekam eine Anfrage von der Produktion. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, aber hab mich wahnsinnig darüber gefreut und mir war immer klar: Wenn so etwas kommt, sag ich sofort wieder Ja. Es gibt ja auch keinen Grund, es nicht zu machen.

Hat Ihnen das Drehen gefehlt?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe genügend andere Sachen zu tun. Es ist nicht so, dass ich mich nur lebendig fühle, wenn ich drehe. Ich habe sehr viel mit meinem Projekt „Herzwerk, aktiv gegen Armut im Alter“ zu tun, bei dem ich mich um Altersarmut kümmere. Das ist eine richtige Lebensaufgabe geworden. Ich habe ein sehr ausgeprägtes, intensives Privatleben, mit Familie. Ich führe sozusagen ein kleines Familienunternehmen.

Wie sieht das genau aus?

Naja, ich habe ein Haus und einen Mann, der zwei Kinder hat. Ein Kind ist auch viel bei uns. Man hat ja ständig viel zu organisieren. Das hat jede Frau, die Familie hat oder ein Haus führt, mit Garten oder wie auch immer, das ist ordentlich Arbeit. Das ist nicht zu unterschätzen, nimmt viel Zeit in Anspruch. Wenn ich dann drehen kann, freue ich mich natürlich. Das ist eine tolle Abwechslung. Aber es ist nicht mehr so, dass ich ständig immer vor der Kamera stehen muss. Ich bin ja finanziell unabhängig.

Wie kam es zu Ihrem Engagement für „Herzwerk“?

Mir war mit Anfang 40 klar, dass ich meinem Leben gern eine sinnvolle Wende geben möchte und dass die Schauspielerei alleine eben für mich überhaupt nicht erfüllend ist. Es ist eine recht oberflächliche Welt, in der man sich ständig mit sich selbst beschäftigt: Und ich wusste, die einzige Flucht daraus ist, dass man sich auf etwas fokussiert, was außerhalb von einem selbst liegt. Und wo könnte man das besser als wenn man sich karikativ irgendwo einbringt? Und Senioren deshalb, weil sie meines Erachtens in dieser sozialen Kette ganz unten stehen. Zuerst kommen Kinder, Hunde, und irgendwann Senioren. Wenn man in ein Kind investiert, investiert man in ­Zukunft, beim Senior in die Würde.

Was genau machen Sie da?

Man kann als Senior einen Antrag stellen, ob eine Grundsicherung besteht. Dann schütten wir schnell und unbürokratisch Geld aus. Viele haben nicht mal für die einfachsten Dinge genug Geld. Ob eine neue Brille, Friseur oder Waschmittel. Das ist für viele unglaublich viel Geld. Das darf man nicht vergessen. Ich wusste schon immer die Wertigkeit von Geld, da ich ja auch mit 19 angefangen habe, zu arbeiten.

Welche Rolle spielt Geld?

Ja, Geld ist, wenn man in einer wohlhabenden Familie lebt oder in eine hineingeboren ist, wie das bei mir der Fall ist, immer ein Thema. Es wird darüber gesprochen, nachgedacht. Man erfährt Reaktionen von Menschen, die durch Geld zustande kommen: Neid oder Kommentare wie „Was will denn die? Die musste sich doch nie wirklich anstrengen, hat doch von ihrem Vater immer alles bekommen.“ Das tut unglaublich weh und entspricht nicht der Wahrheit. Natürlich führe ich ein privilegiertes Leben, aber ich bin mir dessen eben total bewusst und bedanke mich innerlich jeden Tag dafür, dass es so ist. Aber rechtfertigen muss ich mich dafür nicht.

Wie viel Ähnlichkeit haben Sie mit der Jana in Rote Rosen?

Sie ist sehr neugierig, fragt gern weiter nach bei anderen, das ist etwas, was ich nicht mache. Und sie konnte sich nicht gut entscheiden. Aber das ist Telenovela. Da entscheiden sich alle nicht so leicht, sonst wäre die Serie ja schnell vorbei. Ich bin dagegen jemand, der sich schnell gut entscheiden kann. Ich habe keine Angst davor, Entscheidungen zu treffen. Und ich habe ja auch schon sehr radikale Entscheidungen getroffen und neu angefangen in meinem Leben und das war immer gut.

Sie tragen Ihre Haare jetzt auch kürzer, wie kam es dazu?

Wahrscheinlich wie das bei vielen Frauen der Fall ist, wenn man neu durchstarten will. Außerdem habe ich mir immer schon, bestimmt seit 20 Jahren schon, eine Kurzhaarfrisur gewünscht, aber mich nie getraut. Ich hatte Angst, dass ich ein riesiges, breites Gesicht bekomme. Aber mein Mann hat gesagt, es wird genau das Gegenteil der Fall sein: ‚Du hast hohe Wangenknochen, ein so schönes ausgeprägtes Gesicht.’ Und dann bin ich los zum Friseur in Spanien. Es war so toll als ich wieder raus bin. Nie wieder lange Haare!

Sie waren gerade bei den Dreharbeiten für Rote Rosen, als Ihr Vater starb . . .

Nicht direkt, ich hatte gerade frei und bin am 19. Dezember abends nach Hause, nach Mallorca geflogen. Am 21. haben mein Mann und ich uns mit vielen Freunden getroffen, saßen am Hafen mit Fisch und Bier, die Sonne schien, es war ein super Tag. Und auf einmal kommt halb drei nachts die SMS von meinem Bruder „Bitte ruf mich sofort an!“. Und dann begann eine neue Zeitrechnung in meinem Leben.

Wie haben Sie auf den Tod des Vaters reagiert?

Ich hab komischerweise gar nicht geweint. Ich war nur noch im Schockzustand. Mein Mann hat für mich gepackt und ich bin sofort nach Zürich geflogen, um mich von meinem Vater zu verabschieden, der aber schon tot war. Das war natürlich brutal. Ihr habt es ja nicht kommen sehen. Nein, wir haben zwar gesehen, dass er älter wird, der Gang hat sich ein bisschen verändert, die Augenfarbe auch. Aber für einen 80-Jährigen war er ja der Wahnsinn. Ich war auch noch in drei seiner Konzerte. Ich habe mir schon gedacht: ‚Na, ob der Papa noch mal Tournee geht.’ Ich hatte im Gefühl, dass er diese Form von Tourneen nicht mehr machen würde, weil es ihm zu viel war. Und dann ist er mitten in seiner Tourpause gestorben.

Wie ist der Kontakt zu Ihren Geschwistern?

Zu meinem Bruder habe ich einen sehr engen Kontakt und zu meiner Halbschwester Sonja habe ich auch einen guten Kontakt. Der Tod unseres Vaters hat uns noch mal mehr zusammengeschweißt. Wir stehen seitdem immer noch täglich in Kontakt.

Info Jenny Jürgens ist von 5. September an wieder in der ARD-Serie „Rote Rosen“ zu sehen.

Karriere als Sängerin und Schauspielerin

Bereits im Alter von 15 Jahren spielte Jenny Jürgens neben Tommi Ohrner und Jim Mitchum (dem Sohn von Robert Mitchum) in der deutschen Komödie „Im Dschungel ist der Teufel los“. Als Sängerin trat die heute 51-Jährige 1984 im Duett mit ihrem Vater mit dem Lied „Liebe ohne Leiden“ auf. 1988 moderierte die gebürtige Münchnerin den deutschen Vorentscheid des Eurovision Song Contest.

Außer im Theater war Jürgens bereits in zahlreichen Fernsehrollen zu sehen („Ein Schloss am Wörthersee“, „Schlosshotel Orth“ oder „Hallo Robbie!“ sowie Rosamunde-Pilcher-Filme). Für 15 Folgen kehrt sie nun wieder zur ARD-Telenovela „Rote Rosen“ zurück. swp

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