Nur rund zehn Tage nach Richard Branson ist nun auch Amazon-Gründer Jeff Bezos zu einem Kurztrip in seinem eigenen Raumschiff an den Rand des Weltraums aufgebrochen. Bei dem medienwirksamen Kräftemessen geht es um viel Geld – und mehr.

Amazon-Gründer Bezos nach All-Ausflug wieder auf der Erde gelandet

Amazon-Gründer Jeff Bezos ist nach einem Kurz-Ausflug ins Weltall wieder sicher auf der Erde gelandet. Der 57-Jährige hatte am Dienstag an Bord des Raumschiffes „New Shepard“ seiner Firma Blue Origin vom US-Bundesstaat Texas aus abgehoben, wie auf einer Live-Übertragung des Unternehmens zu sehen war. An Bord des ersten bemannten Raumfluges der „New Shepard“ waren neben Bezos auch sein Bruder Mark sowie eine 82 Jahre alte frühere US-Pilotin und ein 18-Jähriger aus den Niederlanden, dessen Vater ihm den Flug geschenkt hat. Insgesamt dauerte der vollautomatisch ablaufende Flug rund zehn Minuten. Nach dem Start beschleunigte das Raumschiff innerhalb von zwei Minuten auf mehr als 3700 Kilometer pro Stunde. Kurz danach trennte sich die Kapsel von der wiederverwendbaren Rakete. Die Schwerelosigkeit setzte ein, die vier Passagiere durften kurzzeitig ihre Sitze verlassen und Lachen und Jubel war zu hören. An ihrem höchsten Punkt erreichte die Kapsel mehr als 100 Kilometer über der Erde, bevor sie abgebremst von großen Fallschirmen in der westtexanischen Wüste landete.

Bezos bestreitet Milliardärs-Wettstreit um Weltraumpremiere

Unmittelbar vor seinem ersten Weltraumflug hat Amazon-Gründer Jeff Bezos einen Wettstreit der Superreichen um die Premiere im All bestritten. Es gebe bereits einen ersten Menschen im All, sagte der 57-jährige Multimilliardär am Montag dem US-Sender NBC. Dies sei "Juri Gagarin - und das ist schon lange her". Er bezog sich dabei auf den historischen Flug des sowjetischen Kosmonauten im April 1961. Bezos fügt hinzu, sein Flug sei "kein Wettbewerb": Vielmehr gehe es darum, "einen Weg ins All zu errichten, damit zukünftige Generationen unglaubliche Dinge im Weltraum tun können".

Niederländischer Investment-Banker schenkt Sohn Flug ins All

Die 82-jährige frühere US-Pilotin Wally Funk wäre der älteste Mensch, der je ins All geflogen ist - der 18-jährige Oliver Daemen der jüngste. Daemens Vater, der niederländische Investment-Banker Joes Daemen, hatte bei der Auktion für den vierten Platz an Bord der „New Shepard“ im Juni mitgemacht, war aber überboten worden. Der Sieger der Auktion, der 28 Millionen Dollar geboten hatte und zunächst weiter anonym bleiben wollte, könne wegen eines „Terminkonflikts“ diesmal nicht dabei sein und werde zu einem späteren Zeitpunkt starten, hieß es von Blue Origin. Wieviel Geld Daemen nun für den Flug gezahlt hat, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Richard Branson flog mit „VSS Unity“ seiner Firma Virgin Galactic 86 Kilometer hoch

Bereits vor rund zehn Tagen hatte mit Richard Branson bereits ein anderer Milliardär mit seinem eigenen Raumschiff einen Kurzausflug ins All unternommen. Die „VSS Unity“ seiner Firma Virgin Galactic stieg am 11. Juli im US-Bundesstaat New Mexico auf eine Höhe von etwa 86 Kilometern auf. Unter Experten ist es damit strittig, ob Branson tatsächlich im Weltraum war: Der Internationale Luftfahrtverband (FAI) und viele andere Experten sehen zwar 100 Kilometer über der Erde als Grenze zum Weltraum an, es gibt jedoch keine verbindliche internationale Regelung.
Richard Branson flog mit der "VSS Unity" seiner Firma Virgin Galactic am 11. Juli im US-Bundesstaat New Mexico auf eine Höhe von etwa 86 Kilometern.
Richard Branson flog mit der „VSS Unity“ seiner Firma Virgin Galactic am 11. Juli im US-Bundesstaat New Mexico auf eine Höhe von etwa 86 Kilometern.
© Foto: Susan Montoya Bryan/dpa

Milliardäre erhoffen sich Einstieg in den Weltraumtourismus

Die Milliardäre erhoffen sich neben der Erfüllung eigener Träume auch einen Einstieg in das Geschäft mit dem Weltraumtourismus. Kritiker werfen ihnen vor, ohne Rücksicht auf das Klima und weitgehend ohne wissenschaftliche Forschungsinteressen sehr viel Geld zu verschwenden.

Klima, Forschung, Geld - Viel Kritk für die Allausflüge der Milliardäre

Während Jeff Bezos - mit einem Vermögen von rund 205 Milliarden Dollar die klare Nummer eins auf der "Forbes"-Milliardärs-Liste - von vielen als Visionär gefeiert und für seinen Erfolg bewundert wird, gibt es auch Kritik. US-Linken-Ikone Bernie Sanders zürnte kürzlich auf Twitter, "hier auf der Erde, im reichsten Land der Welt", hätten viele Menschen kaum genug Geld zum Essen. "Aber hey, die reichsten Menschen der Welt reisen ins Weltall!"
Es sei an der Zeit, Milliardäre ordentlich zu besteuern, mahnte der Senator und frühere Präsidentschaftsbewerber - ein Verweis darauf, dass Superreiche wie Bezos in den USA gemessen an ihrem Vermögen kaum Einkommensteuer zahlen.

Bezos, Branson, Musk: Weltraumflüge benötigen viel Treibstoff

Fragen werden auch laut zu den Auswirkungen der Weltraumflüge auf die Umwelt. Dass große Mengen Treibstoff verbrannt werden, um Vermögenden ein außergewöhnliches Erlebnis im All zu bescheren, erscheint inmitten der Debatte um den Kampf gegen Erderwärmung nicht wenigen absurd.
Nach Berechnungen des französischen Astrophysikers Roland Lehoucq und seiner Kollegen betragen beispielsweise die Emissionen bei einem Flug mit dem Raumflieger von Bransons Unternehmen Virgin Galactic pro Passagier 4,5 Tonnen. Das ist ungefähr so viel, wie bei einer Autofahrt rund um die Welt. Und Virgin Galactic schweben hunderte Flüge im Jahr vor - mit durchschnittlich sechs Passagieren an Bord.

Elon Musk will mit SpaceX weiter ins All als Branson und Bezos

Und neben Branson und Bezos spielt mit Tesla-Gründer Elon Musk noch ein weiterer Milliardär mit in der Branche. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX absolviert schon Flüge für die Nasa und will künftig Weltraumtouristen viel weiter ins All bringen als Virgin Galactic und Blue Origin. Im September soll eine Falcon-9-Rakete von SpaceX den US-Milliardär Jared Isaacman und drei weitere Passagiere für mehrere Tage auf eine Erdumlaufbahn bringen.
Dass der Markt großes Potenzial hat, daran gibt es keine Zweifel. Virgin Galactic hat schon 600 Tickets für künftige Flüge verkauft, Stückpreis: zwischen 200.000 und 250.000 Dollar.