Erdbeben in Island aktuell: Folgt auf die Beben jetzt ein Vulkanausbruch?

Die Badelandschaft „Blaue Lagune“ auf Island, unweit der Hauptstadt Reykjavik, aufgenommen am 25.08.2005. Im Hintergrund ist der Vulkan Porbjörn zu sehen. Droht in der Region bald ein Vulkanausbruch?
Roland Holschneider/dpaSteht Island ein Vulkanausbruch bevor? Diese Vermutung lassen zumindest Tausende kleiner Erdbeben in einer bei Touristen enorm beliebten Region südwestlich von Reykjavik aufkommen. Auch einer der beliebtesten Besucherattraktionen des Landes wurde deshalb jetzt geschlossen.
Droht Island ein Vulkanausbruch?
Die Blaue Lagune, ein Geothermalbad südwestlich von Reykjavik, bleibt zunächst für eine Woche bis zum Donnerstag, 16.11.2023, dicht. Ein Hauptgrund für den Beschluss sei die anhaltende Belastung für die Mitarbeiter, teilten die Betreiber auf der Webseite des populären Freibads mit seinem besonderen weiß-blauen Wasser mit. Man werde die seismische Aktivität in den kommenden Tagen genau beobachten und die Lage entsprechend neu einschätzen.
Die Blaue Lagune liegt auf der Reykjanes–Halbinsel rund 40 Kilometer südwestlich von Reykjavik und nur knapp 20 Autominuten vom internationalen Flughafen Keflavik entfernt. Auf der Halbinsel hatte Ende Oktober eine erneute Erdbebenserie mit Zehntausenden Erschütterungen begonnen — seit 2020 hatten solche Erdbebenschwärme gleich dreimal vulkanische Ausbrüche angekündigt. In der Region unweit der „Blauen Lagune“ befindet sich der Vulkan Porbjörn oder Porbjarnarfell. Er ist 243 Meter hoch und einer der bekanntesten Vulkane in Island. Auch der sehr aktive Vulkan Fagradalsfjall befindet sich in dieser Region. Der Fagradalsfjall war in den vergangenen drei Jahren mehrfach ausgebrochen, zuletzt im Juli 2023.
In der Nacht zum Donnerstag hatte es nach Angaben der isländischen Wetterbehörde Vedurstofa wieder Hunderte Beben in dem Gebiet gegeben, darunter mehrere mit einer Stärke jenseits von 4,0 und einem, das an die Stärke 5,0 heranreichte.
Tausende Beben und Magmasammlung in Island
Die isländische Meteorologiebehörde (IMO) registrierte seit Ende Oktober etwa 23.000 kleine Erdbeben. Es sei „wahrscheinlich, dass die seismischen Aktivitäten anhalten“, hieß es. Außerdem stellte die Behörde in etwa fünf Kilometern Tiefe eine unterirdische Ansammlung von Magma in dem Gebiet fest. Wenn diese anfange, sich an die Oberfläche zu bewegen, könne dies einen Vulkanausbruch bedeuten. Darauf gebe es zwar derzeit „keine klaren Anzeichen“, die Lage könne sich aber „in kurzer Zeit ändern“.
Vulkanausbrüche auf Island
In den Jahren 2020 und 2022 waren vier ähnliche seismische Ereignisse in dem Gebiet registriert worden, ohne dass sie einen Vulkanausbruch auslösten. Seit 2021 gab es insgesamt drei Vulkanausbrüche auf der Reykjanes–Halbinsel: im März 2021, im August 2022 und im Juli 2023. Sie ereigneten sich aber alle weit weg von besiedelten Gebieten und Straßen und Brücken.
Island liegt auf dem sogenannten Mittelatlantischen Rücken und ist deshalb sehr erdbebengefährdet. Dabei handelt es sich um Verwerfungen auf dem Meeresboden, die die Eurasische von der Nordamerikanischen Erdplatte trennen.
Livestream vom Porbjörn
Auf der Seite der staatlichen Rundfunkanstalt Islands RUV gibt es einen Webcam–Livestream direkt vom Berg Porbjörn. Und hier ist der Stream aus dem Netz.
(mit Material von dpa und AFP)
