Isar Aerospace Absturz
: Deutsche Rakete stürzt kurz nach Start ins Meer

Die deutsche Start-up-Firma Isar Aerospace hat am Sonntag den ersten Start einer Orbitalrakete aus Kontinentaleuropa absolviert. Warum der Absturz kein kompletter Rückschlag ist.
Von
Christian Wille
Oslo
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Testflug der Spectrum-Rakete

Der Testflug der Spectrum-Rakete lief nur einige Sekunden.

Uncredited/Isar Aerospace/AP/dpa
  • Die deutsche Start-up-Firma Isar Aerospace startete am Sonntag erstmals eine Orbitalrakete aus Europa.
  • Die Spectrum-Rakete stürzte Sekunden nach dem Start ins Meer, kein Personal war gefährdet.
  • Trotz Absturz wurden wertvolle Daten gesammelt, weitere Raketen sind in Bau.
  • Der Testflug wird als Erfolg gewertet, angesichts der geopolitischen Lage wichtig.
  • Europas Raumfahrtsektor strebt nach Unabhängigkeit, fordert hohe Investitionen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wie während einer Live-Übertragung auf der Videoplattform Youtube zu beobachten war, stürzte die 28 Meter lange Spectrum-Rakete einige Sekunden nach ihrem Start vom norwegischen Weltraumbahnhof Andöya ins Meer. Die Betreiberfirma, die Regierungen in Berlin und München und der Bundesverband Luft- und Raumfahrtindustrie werteten den Jungfernflug jedoch als Erfolg.

Wie in der Live-Übertragung zu sehen war, flog die unbeladen gestartete Spectrum-Rakete auf ihrem Jungfernflug zunächst steil nach oben. Nach einigen Sekunden geriet sie in Schieflage, drehte sich um 180 Grad und stürzte ins Meer. „Dank strikter Sicherheitsverfahren“ von Isar Aerospace und dem Weltraumbahnhof auf der norwegischen Arktis-Insel Andöya sei das an dem Raketenstart beteiligte Personal zu keiner Zeit gefährdet gewesen, teilte das Münchner Unternehmen im Onlinedienst Twitter mit.

Keine Verletzten bei Raketenabsturz

Der staatlich betriebene Weltraumbahnhof auf Andöya meldete derweil einen „Vorfall“, weshalb ein „Krisensystem“ aktiviert worden sei. Laut der örtlichen Polizei gab es aber weder Verletzte noch materielle Schäden.

This handout photo received on March 30, 2025 from the Isar Aerospace company shows the start of the "Spectrum" rocket from German space company Isar Aerospace that exploded seconds after launch on March 30, 2025 at Andoya Spaceport in Norway. The first orbital rocket launched from continental Europe crashed seconds after blast-off, dealing a blow to the continent's bid to build a new space economy. The Spectrum rocket, developed by German start-up Isar Aerospace, started smoking from its sides, then crashed back to Earth with a powerful explosion just after launching from Norway's Andoya Spaceport in the Arctic, in live video broadcast on YouTube. (Photo by Simon FISCHER / Isar Aerospace / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE IN CONNECTION WITH REPORTS ON THE ROCKET START - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / NTB / Isar Aerospace / Simon Fischer / Wingmen Media" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS

Hier startete die Rakete des deutschen Start-ups und flog für einige Sekunden, bevor sie schließlich ins Meer stürzte.

SIMON FISCHER/AFP

„Unser erster Testflug hat all unsere Erwartungen erfüllt“, erklärte Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler im Onlinedienst X. Nach einem „sauberen Start“ sei die Rakete etwa 30 Sekunden geflogen. Vorab hatte Metzler gesagt, eine solche Flugdauer im ersten Versuch wäre „ein großer Erfolg“.

Metzlers Unternehmen, eine 2018 erfolgte Ausgründung der Technischen Universität München, führte auf X aus: „Mit diesem Testflug konnten wir erfolgreich wertvolle Daten und Erfahrungen für künftige Missionen sammeln.“ An der zweiten und dritten Spectrum-Rakete wird demnach schon gebaut. Vorab hatte Metzler auf die Bedeutung des Testflugs in der aktuellen geopolitischen Lage hingewiesen.

Noch keine Rakete beim ersten Flug erfolgreich

Wegen ungünstiger Wetterbedingungen war der Testflug mehrfach verschoben worden. Metzler hatte im Vorfeld versucht, die Erwartungen zu dämpfen. Dass die Rakete den Orbit erreicht, sei nicht zu erwarten. Schließlich habe noch kein Unternehmen eine Rakete gleich bei ihrem ersten Orbitalflug in eine Erdumlaufbahn gebracht.

Orbitalraketen sind dazu gedacht, Ladungen wie Satelliten in die Erdumlaufbahn oder noch weiter ins All zu transportieren. Die Spectrum-Rakete kann nach Herstellerangaben mit bis zu einer Tonne beladen werden.

Der Start der Spectrum-Rakete war der erste einer Orbitalrakete in Kontinentaleuropa außerhalb Russlands. Zugleich war es der erste Raketenstart in Europa, der fast ausschließlich aus privaten Mitteln finanziert wurde.

Meilenstein für Deutschlands Weg ins All

Weitere Unternehmen wie die deutschen Firmen Rocket Factory Augsburg und HyImpulse, die französischen Firmen Latitude und MaiaSpace oder das spanische Unternehmen PLD Space arbeiten nach Angaben der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA ebenfalls daran, sich im Markt für Mikro- oder Mini-Trägerraketen zu etablieren und Europa einen „unabhängigen und souveränen Zugang zum Weltraum zu sichern“.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einem „Meilenstein für unsere Wettbewerbsfähigkeit in der Raumfahrt“. Isar Aerospace werde „einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, Europas unabhängigen Zugang zum Weltraum zu sichern“.

Der Bundesverband Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) erklärte in Berlin, der Spectrum-Testflug sei „ein wegweisender Schritt für die deutsche Raumfahrt und ein starker Beweis unserer Innovationskraft“. BDLI-Hauptgeschäftsführerin Marie-Christine von Hahn mahnte, um nicht „politisch erpressbar“ zu sein, müsse Europa „dringend seine Souveränität im All sicherstellen“.

This handout photo received on March 30, 2025 from the Isar Aerospace company shows the start of the "Spectrum" rocket from German space company Isar Aerospace that exploded seconds after launch on March 30, 2025 at Andoya Spaceport in Norway. The first orbital rocket launched from continental Europe crashed seconds after blast-off, dealing a blow to the continent's bid to build a new space economy. The Spectrum rocket, developed by German start-up Isar Aerospace, started smoking from its sides, then crashed back to Earth with a powerful explosion just after launching from Norway's Andoya Spaceport in the Arctic, in live video broadcast on YouTube. (Photo by D Wise / Isar Aerospace / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE IN CONNECTION WITH REPORTS ON THE ROCKET START - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / NTB / Isar Aerospace / D Wise / NASA Spaceflight com" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS

Die Rakete deutsche "Spectrum" beim Start vom norwegischen Weltraumbahnhof Andöya.

D WISE/AFP

Alternative für Elon Musks Starlink nötig

Das Satellitennetzwerk Starlink des US-Unternehmers Elon Musk sei „nicht alternativlos - und darf es auch nicht sein“, mahnte die Verbandschefin. Für eine unabhängige Raumfahrt in Deutschland und Europa forderte sie „500 Millionen Euro für das nationale Raumfahrtprogramm und sechs Milliarden für die Europäische Weltraumorganisation (ESA)“.

Der bayerische Staatsminister für Digitales, Fabian Mehring (Freie Wähler), erklärte in München, mit „dem ersten privaten Weltraumflug eines bayerischen Unternehmens“ habe Isar Aerospace „ein neues Zeitalter europäischer Raumfahrtgeschichte“ eingeleitet. Er gratulierte Isar Aerospace zu einem Stück „bayerischer Innovationsgeschichte“.

„Europas Zugang zum All ist für uns kein wildes Zukunftsszenario, sondern verheißungsvolle Realität“, fügte Mehring hinzu. Er sprach von Bayerns Entwicklung als einem „Silicon Valley Europas“. „Eingeklemmt zwischen Trump und Putin“ müssten Deutschland und Europa jetzt lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, wenn sie „unsere westlichen Werte bewahren und unsere Art in Freiheit, Wohlstand und Frieden zu leben erhalten“ wollten.

Mit Material von AFP.