Wie viele Covid-19-Patienten befinden sich in Deutschland aktuell auf der Intensivstation? Momentan befinden sich jeden Tag etwa zwischen 4500 und 5000 Menschen wegen einer Corona-Infektion in einem Krankenhaus in intensivmedizinischer Behandlung. Tagesaktuell informiert die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (kurz Divi) über die genauen Zahlen, sowohl für ganz Deutschland als auch für die einzelnen Bundesländer. Trotzdem bleiben Fragen offen:
  • Wie viele Menschen, die wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus kommen, sind geimpft, wie viele ungeimpft?
  • Wie viele Geimpfte haben nach einer Corona-Infektion Symptome?
  • Wie viele Ungeimpfte haben nach einer Ansteckung mit Covid-19 Symptome?
  • Wie hoch ist die aktuelle Impfquote in Deutschland?

Corona in Deutschland: Wie viele Geimpfte und Ungeimpfte liegen auf der Intensivstation

Die letzte Frage ist am leichtesten zu beantworten: Laut des Corona-Impfdashboards sind aktuell 68,8 Prozent der Deutschen vollständig geimpft. Mindestens eine Dosis haben 71,7 Prozent der deutschen Bevölkerung erhalten. Wie steht es um die Antworten auf die weiteren Fragen?
Uwe Janssens, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) sagte nach einem Bericht von Focus Online dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass die Zahl der Patienten mit Impfdurchbrüchen angestiegen sei. Bis zu 44 Prozent der über 60-jährigen Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf der Intensivstation seien geimpft. Das habe deutlich und sprunghaft zugenommen, sagte Janssens.
Allerdings können die absoluten Zahlen zu falschen Schlussfolgerungen führen. Denn es gibt deutlich mehr Geimpfte über 60, als es Ungeimpfte gibt. Die Tagesschau hat dazu ein Erklär-Video veröffentlicht:
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Inzidenz, Hospitalisierung und Corona-Infektionen bei Geimpften und Ungeimpften im Vergleich

Mehrere Bundesländer haben bei der Sieben-Tage-Inzidenz zwischen Ungeimpften und Geimpften unterschieden.
Eines dieser Bundesländer ist Sachsen, jedoch ist dies inzwischen nicht mehr der Fall: „Angesichts der extremen Fallzahlen und daraus folgenden Meldeverzögerungen ist die Aktualität der Datenlage bezüglich des Impfstatus derzeit nicht mehr gegeben. Daher wird vorerst auf eine Veröffentlichung der Entwicklung der 7-Tage-Inzidenz der Geimpften und nicht (vollständig) Geimpften verzichtet (Stand: 20. November 2021)“, heißt es auf der Website coronavirus.sachsen.de.
Auch Baden-Württemberg könne die Inzidenzen nach Impfstatus nicht mehr zuverlässig berichten und verweist auf die Wochenberichte des Robert-Koch-Instituts zu Covid-19. Darin kann für die vergangenen Wochen herausgelesen werden, wie viele Geimpfte und Ungeimpfte symptomatisch an Covid-19 erkrankten, deswegen ins Krankenhaus mussten, intensivmedizinisch betreut wurden oder verstorben sind.

Inzidenzen und Neuinfektionen laut RKI nach Impfstatus

Die Wochenberichte des Robert-Koch-Instituts (RKI) werden stets rückwirkend für ein Wochengeschehen veröffentlicht. Im aktuellen wöchentlichen Covid-19-Lagebericht vom 02.12.2021 zeigen Grafiken die Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenzen und der hospitalisierten Fälle in verschiedenen Altersgruppen. Die Grafiken verdeutlichen: Ungeimpfte haben ein weitaus höheres Risiko, an Corona zu erkranken und deswegen ins Krankenhaus zu kommen.
Symptomatische Fälle in Kalenderwoche 46/47:
  • Altersgruppe 12 bis 17 Jahre: Ungeimpfte haben eine Sieben-Tage-Inzidenz von rund 380, damit sinkt die Inzidenz von ihrem Höchstwert 400 leicht. Geimpfte haben wie bereits in der Vorwoche eine Inzidenz von unter 50.
  • Altersgruppe 18 bis 59 Jahre: Ungeimpfte haben eine Sieben-Tage-Inzidenz von cirica 250, auch hier sinkt die Inzidenz (erreichte bereits 270). Geimpfte haben weiterhin eine Inzidenz von knapp unter 100.
  • Altersgruppe ab 60 Jahre: Ungeimpfte haben eine Sieben-Tage-Inzidenz von knapp rund 135 (Höhepunkt 150), Geimpfte von knapp über 50.
Hospitalisierte Fälle in Kalenderwoche 46/47:
  • Altersgruppe 12 bis 17 Jahre: Ungeimpfte haben eine Hospitalisierungsrate von über 2,5 (stark gestiegen), Geimpfte von knapp 0,5 (leicht gestiegen).
  • Altersgruppe 18 bis 59 Jahre: Ungeimpfte haben eine Hospitalisierungsrate von knapp über 8 (gesunken, lag zuvor bei 10), Geimpfte von über 1,65 (leicht steigend).
  • Altersgruppe ab 60 Jahre: Ungeimpfte haben eine Hospitalisierungsrate von 36,5 (gesunken von 40), Geimpfte von circa 6.
Heißt: In fast allen Untersuchungsbereichen sinken die Inzidenzen - sowohl bei den Geimpften als auch bei den Ungeimpften im Bereich Hospitalisierungen und Symptomatische Fälle. Die Ausnahme: die hospitalisierten Fälle zwischen 12 bis 17 Jahre. In dieser Gruppe steigt die 7-Tage-Inzidenz weiterhin an. Nach wie vor sind die Inzidenzen bei Ungeimpften - sowohl bei den symptomatischen Fällen als auch bei den Hospitalisierungen - um eine Vielzahl höher als jene bei den Geimpften.

Impfdurchbrüche bei Geimpften: Aktuelle Zahlen des RKI

Der aktuellste Stand ist jener vom 30.11.2021, der sich auf Impfdurchbrüche während der Kalenderwoche 44 bis 47 (aktuell KW 49) bezieht. Das RKI unterscheidet bei der Angabe in verschiedene Altersgruppen:

Altersgruppe 12 bis 17 Jahre: Impfdurchbrüche, Hospitalisierung, Intensivstation, Symptome

In dieser Altersgruppe gab es in dem genannten Zeitraum insgesamt 34.293 symptomatische Covid-19-Fälle, davon waren 2.593 Kinder und Jugendliche vollständig geimpft. Das heißt, der Anteil an Impfdurchbrüchen in dieser Altersgruppe liegt bei 7,6 Prozent. Darüber hinaus gab es 169 Fälle in dieser Altersgruppe, die wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus mussten, davon waren 18 vollständig geimpft (Anteil Impfdurchbrüche 10,7 Prozent). Vier dieser Fälle musste intensivmedizinisch behandelt werden, alle vier Fälle waren ungeimpft.
Zuletzt ist eine Person in dieser Altersgruppe an einer symptomatischen Corona-Infektion gestorben. Sie war ungeimpft.

Altersgruppe 18 bis 59 Jahre: Impfdurchbrüche, Hospitalisierung, Symptome, Intensivstation

In dieser gab es in dem genannten Zeitraum insgesamt 229.768 symptomatische Covid-19-Fälle, davon waren 114.849 Menschen vollständig geimpft. Das heißt, der Anteil an Impfdurchbrüchen in dieser Altersgruppe liegt bei 50,0 Prozent.
Darüber hinaus gab es 4.255 Fälle in dieser Altersgruppe, die wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus mussten, davon waren 1.235 vollständig geimpft (Anteil Impfdurchbrüche 29 Prozent) Auf einer Intensivstation mussten in dieser Altersgruppe 598 Menschen behandelt werden, davon waren 94 vollständig geimpft. Das heißt, es gibt hier einen Anteil an Impfdurchbrüchen von 15,7 Prozent.
Zuletzt sind 88 Erkrankte in dieser Altersgruppe an einer symptomatischen Corona-Infektion gestorben. Davon waren 16 geimpft, das macht einen Anteil der Impfdurchbrüche von 18,2 Prozent.

Altersgruppe 60 Jahre und älter: Symptome, Impfdurchbrüche, Hospitalisierung, Intensivstation

In dieser gab es in dem genannten Zeitraum insgesamt 57.233 symptomatische Covid-19-Fälle, davon waren 40.788 Menschen vollständig geimpft. Das heißt, der Anteil an Impfdurchbrüchen in dieser Altersgruppe liegt bei 71,3 Prozent.
Darüber hinaus gab es 6.638 Fälle in dieser Altersgruppe, die wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus mussten, davon waren 3.617 vollständig geimpft (Anteil Impfdurchbrüche 54,5 Prozent) Auf einer Intensivstation mussten in dieser Altersgruppe 1.119 Menschen behandelt werden, davon waren 498 vollständig geimpft. Das heißt, es gibt hier einen Anteil an Impfdurchbrüchen von 44,5Prozent.
Zuletzt sind 1.352 Erkrankte in dieser Altersgruppe an einer symptomatischen Corona-Infektion gestorben. Davon waren 649 vollständig geimpft, das macht einen Anteil der Impfdurchbrüche von 48,0 Prozent.

Trotz Impfdurchbrüchen: Eine Corona-Impfung ist trotzdem sinnvoll

Warum schmälern die Meldungen über Impfdurchbrüche dennoch nicht den Wert der Impfung? Das hat mehrere Gründe:
  • Da immer mehr Menschen geimpft sind, sich das Coronavirus aber ausbreitet, können sich auch Geimpfte vermehrt infizieren.
  • Sind Geimpfte infiziert, haben sie aber ein deutlich geringeres Risiko, an Covid-19 zu erkranken und sind gut vor einem schweren Verlauf der Krankheit geschützt.
  • Den Impfstoffen wurde seitens der Hersteller kein 100-prozentiger Impfschutz zugesprochen. Impfdurchbrüche waren zu erwarten.
  • Neue Coronavirus-Varianten wie Delta oder aktuell Omikron können die Wirkung der Impfung verringern.
  • Kommt es zu einem Impfdurchbruch, betrifft das aktuell hauptsächlich bestimmte Gruppen: Ältere Patienten und Patientinnen, deren Immunantwort nach der zweiten Dosis nachlässt oder generell eine geschwächte Immunabwehr aufgrund ihres Status als Risikogruppe haben.

Stiko-Chef Mertens: Persönliche Aussage zur Kinderimpfung war ein Fehler

Thomas Mertens, Vorsitzender der Stiko, hat eingeräumt, mit seiner persönlichen Aussage zur Ablehnung einer Kinderimpfung gegen Corona einen Fehler gemacht zu haben. Mertens hatte in einem Podcast der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Anfang Dezember erklärt, wenn er ein sieben- oder achtjähriges Kind hätte, würde er es „wahrscheinlich jetzt nicht impfen lassen“. Die Stiko hatte eine Impfung von Kindern von fünf bis elf Jahren empfohlen, die Risikofaktoren für einen schweren Covid-19 Verlauf oder Angehörige mit hohem Risiko haben. Außerdem können Eltern nach einer Aufklärung auch ihre gesunden Kinder impfen lassen.