Nach Familienkrise
: Darum bleibt Ingrid Alexandra jetzt in Norwegen

Für Ingrid Alexandra beginnt ein ungewöhnliches Semester: Statt Tausende Kilometer entfernt in Sydney sitzt die künftige Königin nun in Oslo im Hörsaal
Von
Katrin Jokic
Berlin/ Oslo
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Kronprinz Haakon (l-r), Kronprinzessin Mette-Marit und Prinzessin Ingrid Alexandra nehmen an der Verleihung des Friedensnobelpreises im Osloer Rathaus teil.

Kronprinz Haakon (l-r), Kronprinzessin Mette-Marit und Prinzessin Ingrid Alexandra nehmen an der Verleihung des Friedensnobelpreises im Osloer Rathaus teil.

picture alliance/dpa/NTB

Prinzessin Ingrid Alexandra setzt ihr Studium vorerst in Oslo fort. Offiziell handelt es sich um einen Austausch innerhalb ihres Bachelorstudiums. Doch der Zeitpunkt fällt auf: Erst vor wenigen Monaten war die 22-Jährige wegen des dramatisch verschlechterten Gesundheitszustands ihrer Mutter Mette-Marit aus Australien nach Hause gekommen. Und auch sonst erlebt das norwegische Königshaus eine außergewöhnlich schwierige Zeit.

Eigentlich hatte Prinzessin Ingrid Alexandra ihr Leben zuletzt Tausende Kilometer von ihrer Familie entfernt aufgebaut. Seit Herbst 2025 studiert die Tochter von Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit in Australien. Nun ist die 22-Jährige zurück in Norwegen – und wird dort vorerst auch ihr Studium fortsetzen.

Die Universität Oslo hieß die Prinzessin jetzt offiziell willkommen. Ingrid Alexandra wird als Austauschstudentin an der sozialwissenschaftlichen Fakultät studieren und sich dort unter anderem mit vergleichender Politik und Konfliktlösung beschäftigen.

Ein Abbruch ihres Studiums in Australien ist das allerdings nicht. Der Aufenthalt in Oslo ist Teil ihres Bachelorstudiums, das sie 2025 an der Universität Sydney begonnen hatte.

Dass Ingrid Alexandra gerade jetzt in ihre Heimat zurückkehrt, hat jedoch noch eine zweite Ebene. Hinter der Königsfamilie liegen turbulente und belastende Monate.

Ingrid Alexandra kam wegen Mette-Marit nach Hause

Schon Anfang Juni war bekannt geworden, dass die Prinzessin vorübergehend aus Sydney nach Norwegen zurückkehren würde. Damals ging es allerdings zunächst nicht um ihre Universität.

Der Gesundheitszustand ihrer Mutter hatte sich stark verschlechtert.

Kronprinzessin Mette-Marit leidet seit Jahren an Lungenfibrose. Die Erkrankung war zuletzt so weit fortgeschritten, dass eine Lungentransplantation notwendig wurde.

Kronprinz Haakon machte damals deutlich, warum seine Tochter nach Hause wollte. Ingrid Alexandra wolle bei ihrer Mutter sein. Gleichzeitig betonte er, dass sie ihren dreijährigen Bachelorabschluss weiterhin machen wolle.

Wie lange die Prinzessin in Norwegen bleiben würde, ließ Haakon zunächst offen.

Nun steht fest: Zumindest einen Teil ihres Studiums kann Ingrid Alexandra von Oslo aus absolvieren. Damit muss sie sich vorerst nicht zwischen ihrer Ausbildung in Australien und der Nähe zu ihrer Familie entscheiden.

Für die Königsfamilie folgte im Juni eine entscheidende Nachricht: Mette-Marit erhielt eine Spenderlunge. Wie schnell die Kronprinzessin wieder zu einem normalen Alltag und zu offiziellen Verpflichtungen zurückkehren kann, hängt von ihrer weiteren Genesung ab. Für Ingrid Alexandra dürfte es deshalb umso wichtiger sein, derzeit nicht auf der anderen Seite der Welt zu leben.

Gleichzeitig belastet der Fall Marius Borg Høiby die Familie

Doch Mette-Marits Erkrankung ist nicht die einzige schwere Belastung für das norwegische Königshaus. Auch der Fall ihres ältesten Sohnes Marius Borg Høiby beschäftigt die Familie weiterhin.

Der 29-Jährige wurde in erster Instanz zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen, Gewalt in einer Beziehung und weiterer Straftaten. Gegen Teile des Urteils hat er Berufung eingelegt. Rechtskräftig ist die Entscheidung deshalb noch nicht.

Zuletzt durfte Høiby das Hochsicherheitsgefängnis Ila verlassen und nach Skaugum zurückkehren, wo auch das Kronprinzenpaar lebt. Frei ist er damit allerdings nicht.

Seine Untersuchungshaft wird derzeit elektronisch überwacht. Høiby trägt eine Fußfessel, darf den festgelegten Bereich grundsätzlich nicht ohne Genehmigung verlassen und muss weitere Auflagen einhalten.

Ingrid Alexandra bleibt ihrer Familie nun näher

Vor diesem Hintergrund bekommt das Austauschstudium der Prinzessin eine zusätzliche Bedeutung.

Formal handelt es sich zunächst um eine ganz normale akademische Station innerhalb ihres Bachelorstudiums. Ingrid Alexandra gibt ihre Ausbildung in Sydney nicht auf, sondern verlagert einen Teil davon nach Oslo.

Gleichzeitig ermöglicht ihr diese Entscheidung, in einer schwierigen Phase in unmittelbarer Nähe ihrer Familie zu bleiben.

Wann und ob sie wieder nach Australien zurückkehren wird, ist bislang offen.