Schon vor dem Krieg in der Ukraine hat man viel davon gehört, doch jetzt wird der Begriff allgegenwärtig: Die Inflation. Jeden Monat veröffentlicht das Statistische Bundesamt (Destatis) dazu die aktuellsten Zahlen. Die neusten Zahlen zur Inflationsrate werden diese Woche erwartet.
  • Was bedeutet der Begriff Inflation?
  • Ist eine Inflation schlecht für die Wirtschaft?
  • Was bedeutet Hyperinflation?
  • Wie hoch ist die Inflation aktuell?
Im Währungsraum der EU-Länder sprang die Inflation im März 2022 auf das Rekordniveau von 7,5 Prozent. Auch in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland trieben kräftig steigende Energiepreise die jährliche Teuerungsrate im März über die Sieben-Prozent-Marke: Mit 7,3 Prozent wurde der höchste Stand im wiedervereinigten Deutschland verzeichnet.

Inflation: Bedeutung der Geldentwertung

Die Inflation ist im Grunde keine Sache, die für sich gesehen negativ sein muss. Es kommt ganz auf die Umstände, in der sie existiert.
Vereinfacht gesagt bedeutet Inflation „Preissteigerung“. Das heißt, dass die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein ansteigen – nicht etwa nur einzelne Produkte. Das hat zur Folge, dass man für sein Geld weniger kaufen kann. 1 Euro ist dann weniger wert, weil man für den Euro weniger bekommt. Das heißt, mit einer Inflation zusammen kommt auch eine Geldentwertung. Das Gegenteil von Inflation ist übrigens die Deflation.

Inflation steigt: Ist das schlimm?

Wie eingangs beschrieben kann eine Inflation auch etwas Gewolltes sein. Solange die Inflation nicht zu hoch ist, ist auch alles in Ordnung. Denn dann kann die Zentralbank den Leitzins anpassen. Insgesamt bewirkt das, dass die Preise stabil bleiben. Eine niedrige Inflationsrate wird von den meisten Ökonomen als eher positiv angesehen. Ein langsamer Anstieg der Preise wird als Anzeichen von Wohlstand gesehen – und parallel dazu steigen im Idealfall auch die Löhne der Bevölkerung an. Eine beständig ansteigende Inflationsrate gilt als Zeichen einer gesunden Wirtschaft, in der das Volk immer mehr Wohlstand hat.
Problematisch wird es dann, wenn eine Preissteigerung zu stark wird. Im Euroraum versucht die Zentralbank die Inflationsrate auf etwa 2 Prozent zu halten. Aktuell haben wir aber eine Inflationsrate über 7 Prozent in Europa, in den USA ist sie sogar noch höher. Eine sehr hohe Inflationsrate ist schädlich. Wenn die Preise stark ansteigen, können sich die Löhne der Bevölkerung nicht schnell genug anpassen – das führt dazu, dass die Bevölkerung ärmer wird, weil sie sich weniger leisten kann. Auch verringert sich dann der Wert an Spareinlagen. Die Kaufkraft der Bevölkerung lässt nach, was wiederum Unternehmen benachteiligt und langfristig zu Arbeitslosigkeit und Insolvenzen führen kann. Gerät die Inflation also zu hoch, wird eine Spirale ausgelöst, es kann zu einer Rezession kommen.

Hyperinflation: Was ist das?

Inflationen gehören in der Regel zum normalen wirtschaftlichen Auf und Ab. Es gibt aber ein Gespenst: Die Hyperinflation. Die Hyperinflation wird definiert als eine Inflationsrate von über 50 Prozent. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt die Hyperinflation so:
„Bei Hyperinflation nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu, da jeder sein Geld möglichst sofort für Güter ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.“
Wegen der Sanktionen in Russland befürchten Ökonomen, dass eine Hyperinflation auf Russland zukommt. Im Januar lag die Inflationsrate dort bereits bei 9 Prozent.

Inflation in Deutschland aktuell: So ist die Lage

Die extrem gestiegenen Verbraucherpreise werden für immer mehr Menschen zur Belastung. Etwa jeder siebte Erwachsene in Deutschland (15,2 Prozent) kann nach eigenen Angaben kaum noch seine Lebenshaltungskosten bestreiten, wie eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der zum Deutsche-Bank-Konzern gehörenden Postbank ergab. Bei der Vergleichsumfrage im Januar lag der Anteil derjenigen, die angaben, dass die hohe Inflation ihre Existenz bedrohe, noch bei 11 Prozent.
Von den Befragten aus Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen von unter 2500 Euro gibt inzwischen fast ein Viertel (23,6 Prozent) an, sie seien wegen gestiegener Preise kaum noch in der Lage, die regelmäßigen Ausgaben zu stemmen. Im Januar sagten dies noch 17 Prozent aus dieser Gruppe.
Im März war die jährliche Inflationsrate in Deutschland auf 7,3 Prozent in die Höhe geschossen. Das ist die höchste Teuerungsrate im wiedervereinigten Deutschland. In den alten Bundesländern gab es einen so hohen Wert zuletzt im November 1981. Höhere Inflationsraten schmälern die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger leisten können.
Seit Monaten treiben die Energiepreise die Inflation sowohl in Deutschland als auch im Euroraum nach oben, der Ukraine-Krieg hat den Trend noch verschärft. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweise“) rechnet für das Gesamtjahr 2022 mit 6,1 Prozent Inflation in Deutschland.