Ifo-Studie zu US-Zöllen: Diese Regionen zahlen den höchsten Preis

Die Zölle von US-Präsident Donald Trump wirken sich in deutschen Regionen unterschiedlich stark aus. Welche Städte es laut Ifo-Studie am schwersten haben.
Hendrik Schmidt/dpaDie 15-Prozent-Zölle auf EU-Waren ziehen eine Schneise durch die deutsche Wirtschaft. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des ifo Instituts. Die Verluste sind massiv und verteilen sich höchst ungleich über das Land. Während der Nordosten glimpflich davonkommt oder sogar profitiert, steht der industriestarke Süden vor erheblichen Wertschöpfungsverlusten.
Salzgitter verliert am meisten
Die Stadt Salzgitter trifft es am härtesten: Die Bruttowertschöpfung schrumpft um 1,16 Prozent. Der Grund liegt auf der Hand: Die hohe Spezialisierung auf Metallerzeugung macht die Region extrem anfällig für die US-Handelspolitik.
Autostädte im Krisenmodus
Direkt dahinter folgen drei Automobilhochburgen, die von ihrer einseitigen Wirtschaftsstruktur nun brutal eingeholt werden: Dingolfing-Landau büßt 1,08 Prozent ein, Wolfsburg 1,06 Prozent und Ingolstadt 0,98 Prozent. Die VW-Stadt, BMW-Hochburg und Audi-Zentrale zahlen den Preis für ihre starke Abhängigkeit vom US-Markt. Der Kreis Böblingen, ebenfalls von der Automobilindustrie geprägt, verzeichnet einen Rückgang von 1,05 Prozent.
Auch Baden-Württemberg, Bayern und das Saarland gehören zu den Verlierern der Zollpolitik. Die Regionen verbindet ein hoher Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Gesamtwirtschaft.
Nord-Süd-Gefälle wird sichtbar
Potsdam verzeichnet dagegen einen leichten Zugewinn, ebenso wie der Main-Taunus-Kreis und Cottbus. Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bleiben nahezu verschont. Die Spannweite zwischen Gewinnern und Verlierern beträgt 1,4 Prozentpunkte. Die regionalen Unterschiede sind vor allem auf die Wirtschaftsstruktur vor Ort zurückzuführen, so ifo-Forscher Robert Lehmann. Regionen mit starkem Dienstleistungssektor können sogar Marktanteile gewinnen, während industrielastige Kreise massive Einbußen verkraften müssen.
Ifo-Wirtschaftsprognose warnt vor „Erosion des Standortes“
Zwar haben die EU und Trump im Sommer ein Handelsabkommen erzielt und so eine Eskalation im Zollstreit abgewendet. Doch die Einigung sieht deutlich erhöhte US-Zölle vor, etwa für die kriselnde Autoindustrie. Zudem gelten weiter hohe Zölle auf Stahl und Aluminium, die etwa den Maschinenbau belasten. „Die Unsicherheit durch die Zölle bleibt hoch, auch wenn die akuten Konflikte zwischen den USA und der EU entschärft wurden“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
Deutlich wird das auch in der aktuellen Ifo-Wirtschaftsprognose. Das Wachstum werde durch die Zölle gedämpft, heißt es da. Im Jahr 2025 um 0,3 und im Jahr 2026 schon um 0,6 Prozentpunkte. Besorgniserregend aus Sicht des Ifo: Die Weltwirtschaft wachse 2025 bis 2027 um durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr, doch die deutsche Industrie profitiere davon nicht und verliere weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Zwar will die Bundesregierung Milliarden für Verteidigung und Infrastruktur ausgeben. Die geplanten staatlichen Investitionen sowie weitere Entlastungen wirkten aber nur verzögert.
Die Zölle könnten mittelfristig laut der Studie sogar zu einer Verschiebung der Wirtschaftsaktivität führen. Während US-amerikanische Dienstleister durch verteuerte Vorprodukte an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, könnten deutsche Dienstleister profitieren und Marktanteile gewinnen. Die Produktion und der Export von Waren könnten sich zugunsten von Dienstleistungen verschieben.
