Hyperschallrakete Kinschal
: Geschwindigkeit, Abwehr, Antrieb – Alles zur russischen Hyperschallwaffe

Seit einigen Tagen wird im Krieg in der Ukraine von der russischen Armee ein neuartiges Waffensystem eingesetzt. Es trägt den Namen „Kinschal“ und ist eine Hyperschallrakete. Hier gibt es alle Infos zu Geschwindigkeit, Bewaffnung und Funktion.
Von
Daniel Steiger mit Agenturen
Kiew
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Die Hyperschallrakete „Kinschal“ hängt an einem MiG-31-Abfangjäger der russischen Luftwaffe bei der Militärparade zum Tag des Sieges.

Pavel Golovkin/dpa

Seit einigen Tagen sorgt eine bislang in der Öffentlichkeit recht unbekannte Waffe im Krieg zwischen Russland und der Ukraine für Schlagzeilen. Es ist die Hyperschallrakete mit der Bezeichnung „Kinschal„.

  • Wie schnell ist so eine Hyperschallrakete?
  • Kann eine Hyperschallwaffe abgewehrt werden?
  • Mit welchem Antrieb fliegt so eine Hyperschallrakete?

Hier gibt es alle Infos im Überblick:

„Kinschal“: Wie schnell ist so eine Hyperschallrakete?

Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben Moskaus erneut Hyperschallraketen in der Ukraine eingesetzt. Mit Raketen des Typs „Kinschal“ sei ein Lager für Treib- und Schmierstoffe der ukrainischen Streitkräfte in der Region Mykolajiw zerstört worden, erklärte das russische Verteidigungsministerium am Sonntag. Das neuartige Hyperschall-Waffensystem war laut Moskau am Freitag erstmals zum Einsatz gekommen.

Viel ist über die Technik der „Kinschal“ nicht bekannt. Laut russischen Angaben wird die Rakete vom Flugzeug abgeworfen. Sie kann eine Flugbahn in einer Höhe von 18 bis 20 Kilometern und eine Geschwindigkeit von rund Mach 10 erreichen. Mit Mach wird das Verhältnis der Geschwindigkeit eines Körpers zur Schallgeschwindigkeit angegeben. Je nach Lufttemperatur und Luftdruck ist die Schallgeschwindigkeit unterschiedlich. In 10.000 Metern Höhe beträgt die Schallgeschwindigkeit beispielsweise bei minus 50 Grad und einem Luftdruck von 26 kPa rund 1080 km/h. Die Hyperschallrakete würde bei diesen Bedingungen also über 10.000 Kilometer pro Stunde schnell fliegen können.

Kann eine Hyperschallwaffe abgewehrt werden?

Die etwa acht Meter langen Raketen fliegen also extrem schnell und extrem hoch, bleiben dabei nach russischen Angaben aber manövrierfähig. Sie sind nach Einschätzung der Nato mit herkömmlicher Flug- oder Raketenabwehr kaum abzufangen. AS-24 Killjoy („Spielverderber“) hat das westliche Bündnis die neue russische Waffe getauft. Die „Kinschal“ kann bis zu 480 Kilogramm Sprengstoff oder einen nuklearen Sprengkopf tragen. Damit könne die Rakete wichtige Infrastruktur in Europa angreifen, zum Beispiel Flugplätze, schrieb die US-Denkfabrik Center für Strategic and International Studies (CSIS). Auch große Nato-Schiffe auf dem Atlantik könnten zum Ziel werden.

An der Entwicklung von Hyperschallraketen arbeiten auch die USA und China. Die Nato listet in einem Papier von 2020 auch Forschungen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Australien und Indien auf. Teils geht es dabei um die Abwehr solcher Raketen.

Mit welchem Antrieb fliegt eine Hyperschallrakete?

Die „Kinschal“ wird von einem Feststoffraketentriebwerk angetrieben und beispielsweise von Abfangjägern des Typs MiG-31 in großer Höhe abgefeuert. Erst in sicherer Entfernung vom Flugzeug zündet das eigene Raketentriebwerk. Beim Start von einer MiG-31 hat das Waffensystem nach russischen Angaben eine Reichweite von bis zu 2000 Kilometern.

Was für Ziele soll die Waffe zerstören?

Nach Einschätzung westlicher Geheimdienste wurde die „Kinschal“ vor allem für Angriffe gegen kritische Militärinfrastruktur in Europa entwickelt. Sie könnte demnach etwa gegen Flugplätze oder Stellungen der US-Raketenabwehr eingesetzt werden. Auch Flugzeugträger kommen als Ziel in Frage.

Wie lange gibt es die „Kinschal“ schon?

Präsident Wladimir Putin stellte die Raketen im März 2018 als eine von mehreren neuen Superwaffen öffentlich vor. Kurz darauf wurde von erfolgreichen Tests berichtet. Laut Putin sollen die Raketen „unverwundbar“ durch westliche Abwehrsysteme sein.

Arbeiten andere Länder auch an Hyperschallraketen?

Ja, vor allem die USA und China. Die Nato listet in einem Papier von 2020 auch Forschungen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Australien und Indien auf. Teils geht es dabei um die Abwehr solcher Raketen.