Hurrikan in Deutschland
: Können die Wirbelstürme Europa erreichen?

Aktuell macht sich die Hurrikan-Saison vor allem auf dem amerikanischen Kontinent bemerkbar. Kann es Hurrikane auch in Deutschland geben? Wie beeinflussen sie unser Wetter?
Von
Theresa Thiem
Berlin
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Hurrikan „Helene“

Hurrikan „Helene“. Kann es Hurrikane eigentlich auch in Deutschland geben?

Uncredited/National Oceanic and Atmospheric Administration/AP/dpa

Während Hurrikane auf dem amerikanischen Kontinent für Zerstörungen und Chaos sorgen können, fragt man sich: Kann so etwas auch bei uns in Europa oder gar in Deutschland vorkommen?

Können Hurrikane in Deutschland auftreten?

Tatsächlich ist es nicht möglich, dass ein Hurrikan über den Atlantik nach Europa kommt und dort mit gleicher Kraft auf Land trifft wie in den zuvor betroffenen Gebieten. Was wir in Europa und auch in Deutschland zu spüren bekommen, sind die Auswirkungen eines Hurrikans, der sich an anderer Stelle entladen hat. Erreicht der ehemalige Hurrikan uns in Deutschland, unterscheidet er sich in der Regel kaum noch von den uns bekannten Tiefdruckgebieten. Unter den aktuellen Klimabedingungen erreichen also keine Hurrikane Deutschland in ihrer ursprünglichen Form.

Nicht nur die Entladung eines atlantischen Hurrikans ist in Deutschland höchst unwahrscheinlich. Auch die Entstehung von Hurrikanen ist in unseren Breitengraden nahezu unmöglich. Zu den wesentlichen Voraussetzungen für die Entstehung von Hurrikanen gehört nämlich eine großräumige, mindestens 26 Grad warme Wasseroberfläche - etwas das insbesondere in den Tropen und Subtropen gegeben ist. Für die meisten europäischen Gewässer treffen diese Bedingungen nicht zu. Auch Nord- und Ostsee sind zu kalt und erfüllen deshalb nicht die Bedingungen für eine mögliche Wirbelsturmentstehung. Nur in Teilen des Mittelmeeres können vor allem im Frühherbst solche Wassertemperaturen auftreten.

In welcher Form erreichen Hurrikane Deutschland?

Meistens entstehen die für das europäische Wettergeschehen relevanten Wirbelstürme in der Nähe der Kapverdischen Inseln oder westlich davon auf dem Atlantik. In der Regel ziehen die Wirbelstürme dann am Südrand des Azorenhochs aufgrund von Passatwinden, die nach Westen wehen, in Richtung Karibik. Herrscht die übliche Ausprägung des Azorenhochs vor, so kann es nicht der Fall sein, dass die Wirbelstürme direkt eine nördliche Zugbahn in Richtung Europa einschlagen. Erst wenn das Azorenhoch auf gewisse Weise "umkurvt" wurde, kann der Hurrikan den Weg nach Norden einschlagen.

Allerdings beginnen die Hurrikane, selbst wenn sie in außertropische Bereiche weiter nördlich vordringen, kältere Umgebungsluft anzusaugen. Das führt dazu, dass sie ihre tropischen Eigenschaften verlieren, indem der Sturm eine warme Vorderseite und kalte Rückseite erhält und nicht mehr durchgehend einheitlich temperiert ist. Manchmal absorbieren auch schon bestehende außertropische Kaltfronten den Hurrikan. In beiden Fällen ist die ständige Zufuhr feuchtwarmer Luft, die der Hurrikan benötigt, nicht mehr gegeben und das resultierende Tief durchläuft einen für uns gewöhnlichen Lebenszyklus wie jedes andere Tiefdruckgebiet der mittleren Breiten.

Können Hurrikane in Europa auftreten?

Obwohl das Auftreffen auf europäisches Land so unwahrscheinlich ist, gibt es dennoch Fälle, in denen sich Hurrikane Europa angenähert haben und es sogar erreichten. Ein Beispiel hierfür ist der Hurrikan "Vince", der sich 2005 zwischen den Azoren und den Kanaren, also deutlich weiter nördlich als sonst, bildete. "Vince" entwickelte sogar ein Auge und wurde deshalb offiziell zum Hurrikan hochgestuft. Da das Entstehungsgebiet von "Vince" so weit nördlich lag, konnte das Azorenhoch keine blockierende Rolle spielen. Auf diese Weise konnte der Hurrikan nordöstlich ziehen und direkt auf die Iberische Halbinsel Kurs nehmen. In diesem Rahmen kam es in Südwestspanien zum Landgang des Hurrikans und zu entsprechend starkem Sturm und Regen. Allerdings schwächte "Vince" sich sehr schnell wieder ab. Dennoch stellt dieser Fall eines tropischen Wirbelsturmes in Europa ein außergewöhnliches Wetterphänomen dar.

Vor wirklich starken Hurrikanen ist zumindest Mitteleuropa in nahezu jedem Fall geschützt, da das Azorenhoch und der kalte Atlantik in unseren Breiten zwei entscheidende Barrieren darstellen. Außerdem sorgen die vielen Landmassen beim Landgang eines Wirbelsturmes für zu viel Reibung, woraus eine schnelle Abschwächung resultiert. Hinzu kommt auch noch, dass die Höhenwinde in unseren Regionen oft zu stark für Wirbelstürme sind. Wenn nämlich die Aufwinde eines Hurrikans einen Versatz in der Höhe erhalten, bricht das System zusammen.

Wie beeinflussen Hurrikane das Wetter in Deutschland?

Meistens haben sich Hurrikane bis zu ihrer "Ankunft" in Europa zum Großteil abgebaut. Was uns in Deutschland von den tropischen Wirbelstürmen noch erreicht, sind oft vergleichsweise schwache Regenfronten. So hat nämlich kaum ein Sturm, der durch Mitteleuropa fegt, eine Hurrikan-Vergangenheit.

Haben sich die Hurrikane bereits vollständig entladen, ist das was wir in unseren Breitengraden bemerken eher das Gegenteil eines Sturmes. Wenn sich nämlich ehemalige Hurrikane Europa annähern, so kommt es oftmals vor, dass die Tropenstürme noch Reste der ehemals tropischen Luftmassen mit sich bringen und bei uns deshalb für ungewöhnlich warme Temperaturen sorgen können. Treibt es also einen "Ex-Hurrikan" nach Deutschland, ist häufig der sogenannte "Altweibersommer" oder auch der "Goldene Oktober" nicht weit.

Tornados in Deutschland

Im Gegensatz zu Hurrikanen bilden sich Tornados über dem flachen Land und können auch in Deutschland auftreten. Immer wieder ist das bisher auch schon der Fall gewesen. Die Verwüstungen, die durch Tornados auftreten können, sind auch in Deutschland nicht unerheblich. Doch in vielen Fällen entstehen vergleichsweise eher geringere Schäden.

Quellen: