Hochwasser in Europa
: Mindestens 19 Tote wegen Hochwasser in Mittel- und Osteuropa

LiveTschechien setzt ihre Armee in überschwemmten Gebieten ein. In Niederösterreich steigt die Zahl der Opfer an. In Bayern entspannt sich die Lage allmählich.
Von
Michl-Felix Bierl
Berlin
Hochwasser in Österreich: 17.09.2024, Österreich, Kapelln: Im niederösterreichischen Ort Kapelln Straßen und Grundstücke unter Wasser, ein Auto steht vor einem Haus im Hochwasser (Luftbild mit einer Drohne). In Österreich geht das Hochwasser zwar leicht zurück, doch die Lage bleibt angespannt und es drohen weiter Dammbrüche und Erdrutsche. Foto: Christoph Reichwein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Im niederösterreichischen Ort Kapelln Straßen und Grundstücke unter Wasser, ein Auto steht vor einem Haus im Hochwasser.

Christoph Reichwein/dpa

Polen und Tschechien stemmen sich gegen die Folgen eines Jahrhunderthochwassers und auch in Niederösterreich ist die Lage nach starken Regenfällen weiter kritisch. In mehreren EU-Ländern kamen Menschen wegen der Überschwemmungen ums Leben: Mittlerweile starben fünf Menschen in Österreich, vier Menschen in Polen und sieben Menschen kamen in Rumänien um. Auch in Tschechien gibt es mittlerweile drei bestätigte Todesfälle.

  • Hochwasser in Österreich: 16.09.2024, Österreich, Hadersdorf Am Kamp: Sandsäcke blockieren die Straße. Weiterhin starke Niederschläge und Hochwasser in Niederösterreich. Foto: Roland Schlager/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Hochwasser in Österreich: Sandsäcke blockieren die Straße. Weiterhin werden starke Niederschläge und Hochwasser in Niederösterreich erwartet.

    Roland Schlager/APA/dpa
  • Hochwasser in Österreich: 16.09.2024, Österreich, Wien: Wasser rauscht durch den Wienfluss. In Wien hat sich die Hochwassersituation leicht entspannt. Foto: Tobias Steinmaurer/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Wien: Wasser rauscht durch den Wienfluss. In Wien hat sich die Hochwassersituation mittlerweile leicht entspannt.

    Tobias Steinmaurer/APA/dpa
  • Hochwasser in Österreich: 16.09.2024, Österreich, Pottenbunn/St.Pölten: Eine Hütte in Pottenbunn im Gebiet St. Pölten ist von Hochwasser umgeben. Foto: Helmut Fohringer/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Österreich, Pottenbrunn/St.Pölten: Eine Hütte in Pottenbrunn im Gebiet St. Pölten ist von Hochwasser umgeben.

    Helmut Fohringer/APA/dpa
  • Hochwasser in Tschechien

    Tschechien: Ganze Orte im nordöstlichen Gebiet Schlesien, in Tschechien, stehen unter Wasser.

    Sznapka Petr/CTK/dpa
  • Hochwasser in Tschechien: 16.09.2024, Tschechien, Jesenik: Autos und Trümmer im Schlamm nach den Überschwemmungen in der Stadt. Ganze Regionen in Tschechien leiden unter einem Jahrhunderthochwasser. Foto: Petr David Josek/AP +++ dpa-Bildfunk +++

    Tschechien, Jesenik: Autos und Trümmer im Schlamm nach den Überschwemmungen in der Stadt. Ganze Regionen in Tschechien leiden unter einem Jahrhunderthochwasser.

    Petr David Josek/AP/dpa
  • Hochwasser in Polen

    Polen, Ladek-Zdroj (Bad Landeck): Auch im polnischen Grenzgebiet zu Tschechien kam es zu heftigen Überschwemmungen. Die Fluten lassen eine Spur der Verwüstung zurück,

    Maciej Kulczynski/PAP/dpa
  • Hochwasser in Polen

    Polen, Ladek-Zdroj (Bad Landeck): Dort, wo die Pegelstände bereits abnehmen, zeigt sich das Ausmaß der Zerstörung. Die Front eines Wohnhauses wurde von den Fluten mitgerissen.

    Maciej Kulczynski/PAP/dpa
  • Hochwasser in Rumänien: 15.09.2024, Rumänien, Galati: Ein Mann befreit sein Haus im Kreis Galati vom Hochwasser. In Rumänien bleibt die Hochwasserlage weiter angespannt. Bei Starkregen und schweren Überschwemmungen sind im Karpatenland mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Foto: Cristian Cristel/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Rumänien, Galati: Ein Mann befreit sein Haus im Kreis Galati vom Hochwasser. Die Hochwasserlage im Land bleibt weiter angespannt. Bei Starkregen und schweren Überschwemmungen sind im Karpatenland mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen.

    Cristian Cristel/XinHua/dpa
  • Hochwasser in Rumänien: 15.09.2024, Rumänien, Galati: Ein Mann geht an Trümmern in einem von den Überschwemmungen betroffenen Hof im Kreis Galati vorbei. In Rumänien bleibt die Hochwasserlage weiter angespannt. Bei Starkregen und schweren Überschwemmungen sind im Karpatenland mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Foto: Cristian Cristel/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Rumänien, Galati: Ein Mann geht an Trümmern in einem von den Überschwemmungen betroffenen Hof im Kreis Galati vorbei.

    Cristian Cristel/XinHua/dpa
  • Hochwasser in Sachsen: 16.09.2024, Sachsen, Rathen: Ein Imbiss spiegelt sich im Hochwasser der Elbe. Die Pegelstände steigen in Sachsen weiter an. In Ostsachsen wird spätestens zur Wochenmitte die höchste Alarmstufe erreicht. Foto: Jan Woitas/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Sachsen, Rathen: Ein Imbiss spiegelt sich im Hochwasser der Elbe. Die Pegelstände steigen in Sachsen weiter an. In Ostsachsen wird spätestens zur Wochenmitte die höchste Alarmstufe erreicht.

    Jan Woitas/dpa
  • Hochwasserlage in Sachsen: 16.09.2024, Polen, Zgorzelec: Blick auf das Neiße-Ufer der polnischen Stadt Zgorzelec von Görlitz aus gesehen. Der Grenzfluss Neiße führt aktuell Hochwasser. Foto: Paul Glaser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Sachsen, Görtlitz: Blick auf das Neiße-Ufer der polnischen Stadt Zgorzelec von Görlitz aus gesehen. Der Grenzfluss Neiße führt aktuell Hochwasser.

    Paul Glaser/dpa
1 / 11

Dresden hatte am Sonntagabend bereits Alarmstufe 2 ausgerufen, in der Nacht stieg der Wasserstand nach Angaben des Landeshochwasserzentrums auf 5,32 Meter (Stand: 1.00 Uhr). Mittlerweile (Stand 11:45 Uhr) meldet das Landeshochwasserzentrum einen Pegelstand von 5,88 Meter in Dresden. Der Normalstand der Elbe beträgt am Dresdner Pegel rund 2 Meter, beim Jahrhunderthochwasser 2002 waren es am Höhepunkt 9,40 Meter.

Zahl der Todesopfer in Niederösterreich steigt auf fünf

Nach einem Bericht von tagesschau.de forderten die Fluten in Niederösterreich ein fünftes Opfer. Es handle sich um eine 81-Jährige aus Würmla im Bezirk Tulln, die in ihrem Wohnhaus verstorben sei. Am Montagabend war ein weiterer Toter entdeckt worden. Er sei beim Strandbad in Klosterneuburg (Niederösterreich) im Wasser treibend gefunden worden. Eine Obduktion solle nun die Todesursache klären. Zuvor hattet das Hochwasser erneut zwei Menschen das Leben gekostet, nachdem bereits ein Feuerwehrmann ums Leben kam. Ein 70-Jähriger in Untergrafendorf im Bezirk St. Pölten-Land und ein 80-Jähriger in Höbersdorf im Bezirk Korneuburg sind laut Berichten der Sender ORF und der Zeitung Standard in ihren Wohnhäusern durch die Wassermassen zu Tode gekommen.

Im österreichischen Bundesland Niederösterreich spülten in der Nacht zu Montag (16.09.) reißende Wasserfluten durch Straßen und Siedlungen. Bei anhaltendem Regen gehen die Einsätze von Tausenden Rettungskräften unermüdlich weiter. Menschen müssen in Sicherheit gebracht und Dämme aus Sandsäcken aufgeschichtet werden, um Wohnhäuser und insebsondere die Keller trocken zu halten. Auch Montagabend habe sich Niederösterreich laut ARD-Berichten noch immer im Katastrophenmodus befunden.

Die österreichische Ministerpräsidentin Johanna Mikl-Leitner sprach am Sonntag von einer „Ausnahmesituation, wie wir es noch nie erlebt haben“. Von Seiten der Einsatzkräfte vor Ort heiße es, dass vor allem die Lage an einigen Staudämmen kritisch sei. Einige der Dämme seien laut ARD-Berichten bereits im Laufe des Montags gebrochen.

Region um Wien ist Katastrophengebiet

Das Bundesland um Wien ist vom Hochwasser so stark getroffen wie nie zuvor und gänzlich zum Katastrophengebiet erklärt worden. Am Stausee Ottenstein wurde durch die Hochwasserklappen kontrolliert Wasser abgelassen. Das soll plötzliche Flutwellen verhindern, führte aber zu einer Verschärfung der Hochwasserlage flussabwärts am Lauf des bereits angeschwollenen Flusses Kamp.

In der Hauptstadt Wien wuchs der Wienfluss von einem Rinnsal zu einem reißenden Strom heran. Das Hochwasser sei laut Berichten des Standard vor allem in der Nacht zum Montag so hoch gewesen, dass womöglich sogar von einem Jahrtausend-Ereignis gesprochen werden könne. Valide Messdaten stünden noch aus. Mittlerweile nimmt der Pegel aber wieder ab und die Lage beruhigt sich nach und nach.

Hochwasser in Österreich

Statistisch gesehen tritt ein solches Hochwasser in Österreich nur alle 100 Jahre auf.

Heinz-Peter Bader/AP/dpa

Weitere bestätigte Todesfälle in Tschechien

Laut Tagesschau.de bleibt die Lage in den tschechischen Hochwassergebieten weiter angespannt. Vielerorts gelte noch immer die höchste Alarmstufe.

Nachdem Tschechien am Montag einen Todesfall gemeldet hat, stieg die Zahl auf drei bestätigte Tote. Zusätzlich sprachen die Behörden von mindestens sieben Vermissten, die von den Fluten mitgerissen worden seien. Besonders dramatisch ist die Situation in der tschechischen Stadt Krnov, die am Sonntag fast komplett überflutet wurde. Der stellvertretende Bürgermeister Miroslav Binar sagte der Agentur CTK zufolge, die Lage sei schlimmer als bei der Flutkatastrophe von 1997. In der Kleinstadt, die 23.000 Einwohner hat und rund 240 Kilometer östlich von Prag liegt, vereinen sich die Flüsse Opava und Opavice. Hubschrauber waren im Einsatz, um Menschen in Not aus der Luft zu retten. Kritisch war die Lage auch an vielen anderen Orten im Osten des Landes, etwa in den Städten Opava und Ostrava.

Der tschechische Präsident Petr Pavel rief zu Spenden für die Hochwasser-Opfer auf. Er merkte an, dass die am stärksten betroffenen Gebiete – etwa um Jesenik im Altvatergebirge und Frydlant in Nordböhmen – auch einige der ärmsten Regionen des Landes seien. Mittlerweile hat die Regierung Tschechiens den Einsatz der Armee im Hochwassergebiet beschlossen. So sollen bis zu 2000 Soldaten die zivilen Behörden mit entsprechender Technik unterstützen.

Polen ruft Katasrophenzustand aus – Kleinstadt Nysa evakuiert

Nach Polizeiangaben ist die Zahl der Todesopfer in Polen auf vier gestiegen. Genaueres zu den Todesursachen wurde bisher nicht bekannt. Unterdessen wurde die polnische Kleinstadt Nysa evakuiert, nachdem eine Staumauer bei Paczkow gebrochen ist. In der Kleinstadt Nysa drohen nun laut Berichten der Tagesschau die Wassermassen der Glatzer Neiße einen Deich zu durchbrechen, der das Stadtzentrum schützt.

Im Dorf Krosnovice unweit von Klodzko kam nach Polizeiangaben bereits am Sonntag ein Mann ums Leben. Die Einsatzkräfte konnten ihn zunächst nicht bergen, da der Ort überflutet war. Zuvor war im niederschlesischen Stronie Slaskie ein Staudamm gebrochen. Das Wasser floß von dort über den Fluss Biala Ladecka in die Glatzer Neiße.

Die Regierung Polens den Katastrophenzustand für die Hochwassergebiete ausgerufen. Dieser gilt für einen Zeitraum von 30 Tagen für Teile der Woiwodschaften Niederschlesien, Schlesien und Opole. Die Behörden erhalten dadurch mehr Befugnisse, Anordnungen zu erlassen.

Hochwasser in Polen: 15.09.2024, Polen, Klodzko (Glatz): Ein mit einer Drohne aufgenommenes Foto zeigt die überflutete niederschlesische Kleinstadt im Südwesten Polens. Nach dem Bruch eines Staudamms im Schneegebirge an Polens Grenze zu Tschechien hat sich die Situation in Klodzko weiter verschärft. Foto: Maciej Kulczynski/PAP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Nach dem Bruch des Staudamms wurde die Kleinstadt Klodzko (Glatz) überflutet.

Maciej Kulczynski/PAP/dpa

Bayern kommt glimpflich davon – Regenfälle haben nachgelassen

In Bayern bleibt die Hochwasserlage zwar angespannt. Doch das Bundesland kann sich nun über das Nachlassen des Dauerregens freuen. Laut dem Hochwassernachrichtendienst Bayern (HND) steigen die Wasserstände in Passau heute zwar noch leicht an, doch bereits in der Nacht auf Mittwoch sollen diese wieder unter die Meldestufe 3 sinken. Aufgrund des überwiegend trockenen Wetters laufen die Wellen in den Flüssen weitestgehend ab. Laut Hochwassernachrichtendienst entspanne sich die Hochwasserlage in den kommenden Tagen.

In Sachsen meldet das Landeshochwasserzentrum An der Schöna/Elbe einen Pegelstand von 6,32 Metern und die Alarmstufe 3. Andernorts herrscht vor allem im Grenzgebiet zu Polen und zu Tschechien teilweise noch Alarmstufe 2.

Hochwasser in Passau

Schlimmer als jetzt wird das Hochwasser in Bayern wohl nicht mehr. Hier ist die Stadt Passau zu sehen.

Armin Weigel/dpa

Die Bundesregierung bietet betroffenen Ländern Unterstützung an

Die Bundesregierung hat laut Meldungen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) den von Hochwasser betroffenen Ländern in der Nachbarschaft Deutschlands technische Unterstützung angeboten. „Unsere Partner in Europa und auch die Menschen bei uns sollen wissen: Wir beobachten die Lage sehr aufmerksam und stehen für Hilfe bereit“, sagte Vizeregierungssprecherin Christiane Hoffmann am Montag in Berlin. Entsprechende Anfragen an Deutschland aus dem Ausland lägen aber noch nicht vor, fügte sie hinzu.

Weiter sagte Hoffmann, dass die Verwüstungen in Österreich, Tschechien, Polen und Rumänien zum Teil verheerend seien. „Im Namen der Bundesregierung übersende ich allen Betroffenen unsere Anteilnahme und unser Beileid“, so die Vizeregierungssprecherin.

Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) in Deutschland stünden „bereit, um sofort zu unterstützen, wenn Hilfe angefordert wird“, erklärte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Das THW beobachte auch die Lage an Elbe und Oder und sei „einsatzbereit, bei Hochwasserlagen in Deutschland zu unterstützen“.

Wegen der Erderwärmung gibt es in vielen Regionen häufiger und öfter extremes Wetter. Zu den Folgen gehören auch Überflutungen.

Welche Länder und Regionen sind am schwersten betroffen?

Die Lage in den Ländern, die vom andauernden Regen und dem Hochwasser betroffen sind, ist noch immer teilweise kritisch. Welche Länder und Regionen besonders stark betroffen sind, sehen Sie hier in der Übersicht:

  • Österreich - Vor allem im östlichen Bundesland Niederösterreich ist die Lage dramatisch. Das Bundesland wurde zum Katastrophengebiet erklärt.
  • Tschechien - In Tschechien gibt es aktuell mehrere Hochwassergebiete. Die Kleinstadt Krnov, die etwa 240 Kilometer östlich von Prag liegt, ist fast komplett überflutet worden. In mehreren Städten im Grenzgebiet zu Polen mussten tausende Menschen evakuiert werden. Aufgrund einer Schlammlawine ist der Gebirgsort Mala Upa von der Außenwelt abgeschnitten. Landesweit haben aktuell mehr als 250.000 Haushalte keinen Strom.
  • Polen - In Polen ist vor allem der Südwesten des Landes von den anhaltenden Regenfällen betroffen. Diese haben an der Grenze zu Tschechien zu Überschwemmungen geführt. So standen unter anderem in der niederschlesischen Kleinstadt Klodzko mehrere Straßenzüge unter Wasser.
  • Rumänien - Auch Rumänien ist von Starkregen und schweren Überschwemmungen betroffen. Das südosteuropäische Land meldete mindestens sieben Todesopfer.
  • Deutschland - In Deutschland sind vor allem die Bundesländer Bayern und Sachsen betroffen.

Artikel wurde mit Material der Deutschen-Presseagentur geschrieben.