Heritage Live: Festival-Aus trotz Superstar-Aufgebot

Er hätte auch auf den Festivals in Großbritannien auftreten sollen: Lionel Richie.
Valentin Flauraud/KEYSTONE/dpaSchwerer Rückschlag für britische Musikfans: Der Veranstalter Heritage Live hat sämtliche für diesen Sommer geplanten Festivals auf dem Englefield Estate, dem Audley End Estate und dem königlichen Sandringham Estate abgesagt. Zu den angekündigten Künstlern gehörten unter anderem Janet Jackson, Christina Aguilera, Lionel Richie, Ricky Martin und Eric Clapton.
Allein in Sandringham sollte vom 19. bis 23. August ein fünftägiges Festival stattfinden. Neben den Headlinern waren dort auch Wyclef Jean, Soul II Soul, Joss Stone, Sugababes, Craig David, die Ronnie Wood Band und zahlreiche Comedians angekündigt.
Nach Darstellung des Veranstalters war bis zuletzt an einem Investitions- und Beteiligungspaket gearbeitet worden. Diese Finanzierung sei jedoch „in letzter Minute“ gescheitert. Ohne die Sicherheit, Künstler, Lieferanten und Beschäftigte vollständig bezahlen zu können, sei eine Durchführung nicht mehr verantwortbar gewesen. Heritage Live verweist außerdem auf deutlich unterdurchschnittliche Ticketverkäufe, die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit und stark gestiegene Produktions- und Personalkosten.
Der Veranstalter sieht insbesondere unabhängige Konzertanbieter gegenüber international tätigen Großkonzernen im Nachteil. Die zunehmende Zahl von Veranstaltungen treibe demnach unter anderem Künstlergagen, Personal- und Infrastrukturkosten nach oben. Heritage Live hatte seit rund zehn Jahren Konzerte vor historischen Herrenhäusern und Landsitzen organisiert.
Die Absage steht nicht allein. Auch in Deutschland ist die Lage zunehmend angespannt: Vor allem kleinere und mittelgroße Veranstalter kämpfen mit hohen Produktionskosten, steigenden Künstlergagen und zurückhaltenden Vorverkäufen. Während große Stadionkonzerte oft weiterhin gut laufen, geraten Clubs, Festivals und regionale Open-Air-Reihen immer stärker unter wirtschaftlichen Druck. Zuletzt wurden unter anderem Konzerte von Wincent Weiss, Max Giesinger oder Gabriel Kelly abgesagt, weil zu wenige Tickets verkauft wurden. Auch Festivals wie das „Rocco del Schlacko“ müssen die Segel streichen.
Auch das Verhalten der Konzert- und Festivalbesucher hat sich verändert. Weil Tickets, Anreise, Verpflegung und Übernachtungen deutlich teurer geworden sind, wählen viele genauer aus, für welche Veranstaltungen sie Geld ausgeben. Statt mehrere kleinere Konzerte zu besuchen, investieren manche lieber einmal in einen großen Top-Act. Gleichzeitig werden Kaufentscheidungen immer häufiger bis kurz vor dem Termin aufgeschoben – etwa aus Sorge vor schlechtem Wetter, wegen anderer Freizeitangebote oder weil das verfügbare Budget unsicher ist. Für Veranstalter bedeutet diese spontane Nachfrage jedoch ein großes Risiko, da sie Bühnen, Personal, Technik und Sicherheit lange im Voraus bezahlen und planen müssen, ohne zu wissen, ob am Ende genügend Tickets verkauft werden.
