Handyverbot an Schulen: England, Niederlande & Co – Politiker fordern Verbot auch in Deutschland

Der deutsche Lehrerverband lehnt ein Handyverbot an Schulen, wie es die britische Regierung plant, ab.
Jens Kalaene/dpaEin klingelndes Handy im Unterricht, heimliche Fotos von Mitschülern, Mobbingnachrichten auf dem Pausenhof: Klagen über die Nutzung von Smartphones in Schulen gibt es viele. Zu viele, findet die konservative britische Regierung – und will den Schülerinnen und Schülern die Nutzung von Handys komplett verbieten, auch in den Pausen. Auch in Deutschland fordern erste Politiker ein Verbot.
Verbot soll Ablenkung und Mobbing verhindern
Schülerinnen und Schüler in Großbritannien sollen künftig keine Handys mehr in die Schule bringen dürfen. Die Regierung kündigte am Montag ein flächendeckendes Verbot an, um Ablenkungen, Störungen und Mobbing zu verhindern. „Eines der größten Probleme, mit denen Kinder und Lehrer heute konfrontiert sind, ist die Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Smartphones in unseren Schulen“, sagte Bildungsministerin Gillian Keegan auf dem Jahrestreffen der Konservativen Partei in Manchester.
Keegan verwies auf Warnungen der UN-Bildungsorganisation Unesco, dass mobile Endgeräte zu Ablenkung und Cybermobbing führen könnten sowie die Privatsphäre der Schülerinnen und Schüler bedrohten. 29 Prozent der Oberschüler hätten über den unerlaubten Einsatz von Telefonen im Unterricht berichtet.
Auch andere Länder in Europa planen Verbot
Großbritannien ist nicht das erste Land, in dem die „mobiles“ aus der Schule verbannt werden sollen. Schon im Juli hatten die Niederlande ein Verbot angekündigt, das von kommendem Jahr an greifen soll. Gerade wenn Schüler während des Unterrichts in sozialen Medien unterwegs seien oder andere Apps bedienten, lenke sie dies vom Unterrichtsstoff ab und störe die soziale Interaktion in der Klasse, hieß es zur Begründung. Die britische Regierung nannte zudem Frankreich, Italien und Portugal als Beispiele.
Verbot auch in Deutschland im Gespräch
Auch in Deutschland wird seit längerem über ein Handyverbot an Schulen diskutiert. Einige Politiker und Wissenschaftler sowie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte klagen, Smartphones und Tablets führten dazu, dass Kinder zu wenig draußen seien. Zumindest an Grundschulen sollten Handys komplett verboten werden, forderte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin und CDU-Bundesvize Karin Prien Mitte August.
Lehrerverband stellt sich gegen Verbot
Der deutsche Lehrerverband hingegen lehnt Pläne wie in Großbritannien ab. „Ein absolutes Handyverbot für alle Altersgruppen und den gesamten Schulbereich kann man nicht durchsetzen“, sagte Verbandspräsident Stefan Düll der Deutschen Presse-Agentur. Viele Eltern wollten, dass ihre Kinder sich für kurzfristige Absprachen etwa im Fall von Unterrichtsausfällen melden können.
Auch in England gibt es Widerstand. Das geplante Verbot sei „nicht durchsetzbar“ und wirkungslos, kritisierte der Chef der Lehrergewerkschaft NASUWT, Patrick Roach. Wichtiger wäre Hilfe für Eltern und Lehrer, da die negativen Folgen von Smartphone-Nutzung nicht aufs Klassenzimmer beschränkt seien. Der Chef der Schulleitervereinigung NAHT, Paul Whiteman, wies wie Düll auf Probleme bei der praktischen Umsetzung hin, etwa in Sachen Absprachen der Kinder mit ihren Eltern.
Bis ein Handyverbot gesetzlich verankert ist, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Das hat auch die britische Regierung eingeräumt. Zunächst einmal sollen deshalb neue Leitlinien erlassen werden, um die Schulen zu gleichen Regeln zu ermuntern.
(mit Material von dpa)
