Die Hamas: Mitglieder, Gründung, Ziele und Geiseln – Wer ist die Terrorgruppe?

Palästinensische Autonomiegebiete, Gaza: Vermummte Kämpfer der Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas.
picture alliance / Wissam Nassar/dpa | Wissam NassarIm vergangenen Jahr hat die Hamas einen überraschenden Großangriff auf Israel gestartet. Die israelische Armee reagierte in der Folge mit Luftangriffen auf den Gazastreifen und mobilisierte zehntausende Soldaten, um die eingedrungenen Hamas-Kämpfer zurückzuschlagen – seit dem läuft eine Militäraktion im Gazastreifen.
Doch was ist die Hamas eigentlich genau, wie viele Mitglieder hat sie und was hat es mit den Geiseln auf sich?
Was ist die Hamas eigentlich?
Die Hamas ist eine radikalislamische Organisation im Nahen Osten und wird von zahlreichen Staaten als Terrororganisationen eingestuft, so von der EU, den USA und auch arabischen Staaten.
Die Palästinensergruppe wurde nach Beginn der Ersten Intifada (= palästinensischen Aufstände gegen die israelische Besatzung im Westjordanland und Ost-Jerusalem) 1987 gegründet. Der Name steht als Abkürzung für „Harakat al-Muqawama al-Islamiya„ (auf Deutsch ‚Organisation des islamischen Widerstands‘), bedeutet auf Arabisch aber auch „Eifer“ oder „Kampfgeist“. Sie ist aus dem palästinensischen Zweig der fundamentalistischen Muslimbruderschaft hervorgegangen und entstand in Opposition zur kompromissbereiteren Fatah bzw. PLO von Jassir Arafat.
Was sind die Ziele der Hamas?
In ihrer Gründungsurkunde nennt die Hamas die Eroberung Israels und einen islamischen Staat Palästina an dessen Stelle als Endziel. Dazu bedient sie sich antisemitischer Klischees von einer jüdisch-zionistischen Weltverschwörung und verweist auf die – gefälschten – „Protokolle der Weisen von Zion“. Änderungen an der Hamas-Charta aus dem Jahr 2017 wurden vielfach als Mäßigung und eine Akzeptanz einer Zwei-Staaten-Lösung interpretiert.
Terror, Politik & Mitglieder – Die Organisation der Hamas
Seit 1993 verübte die Hamas unter ihrem geistigen Führer Scheich Ahmad Yasin, der später von Israel gezielt getötet wurde, verstärkt Terroranschläge und greift Israel immer wieder mit Raketen aus dem Gazastreifen an. Neben ihrem militärischen Arm, den Kassam-Brigaden, besteht die Hamas aus einem sozialen Hilfswerk und einer politischen Partei. Die Mitgliederzahl wird auf bis zu80.000 geschätzt. Finanzielle Hilfe bekommt sie unter anderem aus dem Iran und Katar. Seit der Vertreibung der Fatah aus dem Gazastreifen 2007 stellt die Hamas dort allein die Regierung.

Kämpfer der Ezz al-Din Al-Qassam-Brigaden, des militärischen Flügels der Hamas, marschieren in Gaza-Stadt.
picture alliance/dpa/SOPA Images via ZUMA Wire | Ahmed ZakotWie stark ist die Hamas?
Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Kriegsbeginn über 3.000 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel gefeuert. Ein Sprecher der Armee erklärte zudem, man gehe davon aus, dass rund 1.000 Terroristen aus dem Gazastreifen nach Israel eingedrungen seien. Da stellt sich die Frage, wie viele Kämpfer und Waffen die Hamas eigentlich hat.
Zu der Anzahl der Kämpfer der Hamas ist wenig bekannt. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland beruft sich auf Schätzungen, die von belaufen sich auf 40.000 bis 50.000 Kämpfern ausgehen.
Auch genaue Zahlen zum Raketenarsenal der Hamas liegen nicht vor. Israels Geheimdienst geht nach Angaben der „Jerusalem Post“ jedoch von 5.000 bis 6.000 Raketen aus.
Staatenbündnis ruft zur Freilassung der verbliebenen Geiseln auf
Ein breites Bündnis von 17 Staaten auf unterschiedlichen Kontinenten hat die radikalislamische Hamas zur Freilassung aller weiter von ihr festgehaltenen Geiseln aufgerufen. „Unter ihnen befinden sich Staatsangehörige unserer eigenen Länder“, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der beteiligten Regierungen. Die Freilassung der Geiseln könne auch den Weg zu einem Waffenstillstand und zu mehr humanitärer Hilfe für die Menschen in Gaza ebnen.
Die von der EU und den USA als Terrororganisation eingestufte Hamas und weitere militante Palästinensergruppen waren am 7. Oktober vergangenen Jahres in israelische Orte eingedrungen und hatten Gräueltaten an Zivilisten verübt. Nach israelischen Angaben töteten die islamistischen Kämpfer damals etwa 1170 Menschen, zudem verschleppten sie rund 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen.
Israel schätzt, dass sich noch 129 dieser Geiseln im Gazastreifen befinden - darunter allerdings 34, die das Militär für tot hält. Israel geht seit dem Überfall massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, bisher mehr als 34.300 Menschen getötet. Die Zivilbevölkerung in dem Gebiet lebt unter katastrophalen humanitären Bedingungen.
(mit Material von dpa, AFP und KNA)