Grippevirus H3N2: Wirkt die Impfung gegen die Mutation?

Die Grippesaison 2025 startet früh und heftig, Grund ist der mutierte Virusstamm H3N2. Ob die Impfung wirkt und welche Personengruppen besonders betroffen sind.
Sebastian Kahnert/dpaDie Grippesaison beginnt in diesem Jahr ungewöhnlich früh, Schuld ist ein stark mutiertes Grippevirus. Wirkt die Grippeimpfung trotzdem gegen die Influenza-Mutation?
Neue Grippevariante A(H3N2)
Aus einer Risikobewertung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC geht hervor, dass für die starke Ausbreitung eine neu aufgetauchte Influenza-Mutation mit der Bezeichnung A(H3N2) verantwortlich ist. In Großbritannien kommt es aufgrund von H3N2 laut Berichten der medizinischen Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ) aktuell zu einer erhöhten Rate stationärer Krankenhausaufenthalte bei älteren Menschen sowie Schulkindern. Die neue Variante besitzt eine erhöhte Übertragungsrate. Das geht aus ersten Modellrechnungen hervor.
Das sind aktuelle Risikogruppen
Das ECDC (Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten) schlägt darum Alarm und rät bestimmten Personengruppen zu einer schnellstmöglichen Impfung. Diese Risikogruppen stellt die EU-Behörde heraus:
- Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe sollen sich sofort impfen lassen. Dazu zählen Personen über 65 Jahren, Schwangere, Menschen mit Grund- und chronischen Erkrankungen oder mit geschwächtem Immunsystem sowie Bewohnerinnen und Bewohner geschlossener Einrichtungen wie Pflegeheime.
- Beschäftigte im Gesundheitswesen und in Pflegeeinrichtungen sollen sich ebenfalls impfen lassen. Einrichtungen im Gesundheitsbereich und in der Langzeitpflege sollen zudem ihre Notfall- und Hygienepläne stärken und Personal sowie Besuchende zum Tragen von Masken anhalten, wenn Atemwegsviren stark zirkulieren.
In Deutschland rät die Ständige Impfkommission (Stiko) unter anderem Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken, Schwangeren, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinischem Personal zur Grippeimpfung.
Wirkt der aktuelle Grippeimpfstoff gegen A(H3N2)?
Laut dem „British Medical Journal“ weist die aktuell kursierende Virenmutation sieben zentrale Mutationen im Vergleich zum aktuellen Impfstoffstamm auf. Der Impfstoff wurde anhand der Lage im Februar 2025 von der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegt und enthält die aktuelle Mutation nicht.
Vor allem Schulkinder und ältere Menschen sowie chronisch Kranke sind bei der Variante H3N2 besonders von schweren Verläufen betroffen. Laut den Daten aus dem BMJ schützt die Impfung 70 bis 75 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahren sowie 30 bis 40 Prozent der Erwachsenen vor schweren Verläufen. Von einer Impfung profitieren also vor allem Kinder, dennoch wird allen Risikogruppen empfohlen, sich impfen zu lassen.
Grippewelle 2025: So ist die Lage in Deutschland
Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) ist in Deutschland bisher kein drastischer Anstieg der Grippeerkrankungen festzustellen. Zwar steigen laut dem aktuellen Wochenbericht zu sogenannten „akut respiratorischen Erkrankungen“ (Grippe, Covid-19, RSV) die Fälle, liegen aber noch auf einem moderaten Niveau.
Ist die neue Virusmutation bereits in Deutschland?
Das Robert Koch-Institut hat in dieser Saison bis Mitte November erst vereinzelte Fälle von Grippe nachgewiesen und unter anderem auch A(H3N2) registriert.
