Grippe bei Kindern: Mediziner fordern Anpassung der STIKO-Empfehlung

Influenza A, aktuell gehört dazu die Virusmutation H3N2, zeigt sich auch mit schweren Verläufen bei Kindern. Experten fordern eine Anpassung der Impf-Empfehlungen.
Christian Charisius/dpaDie Grippewelle hat Deutschland erreicht. Besonders hoch sind die Inzidenzen bei Kindern. Auch schwere Verläufe sind möglich. Intensivmediziner sprechen sich für eine Anpassung der Impf-Empfehlung durch die Ständige Impfkommission (STIKO) aus. Plant die STIKO dahingehend etwas?
Grippesaison 2025/2026: Mediziner fordern Impfung auch für Kinder
Angesichts der steigenden Infektionszahlen haben sich Anfang Dezember in Deutschland Intensiv- und Notfallmediziner für eine Ausweitung der Grippe-Impfempfehlung ausgesprochen. Die Experten fordern eine Impf-Empfehlung für alle Menschen ab sechs Monaten. „Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat dies bereits getan, andere europäische Länder zeigen uns, dass mit großangelegten Impfkampagnen zahlreiche Kinder wie Erwachsene erfolgreich geschützt werden können“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Florian Hoffmann. Nur Deutschland lasse einen Großteil der Menschen ungeschützt vor der Grippewelle.
Schwere Verläufe bei Kindern
Dass es in Deutschland noch keine Empfehlung zur Impfung in Bezug auf Kinder und Jugendliche gibt, müsse sich laut Hoffmann ändern, denn gerade Kinder könnten schwer an dem Virus erkranken. Das zeigen unter anderem Daten aus Großbritannien, wo in der aktuellen Grippesaison vor allem bei Schulkindern besonders viele, auch schwere Verläufe festgestellt wurde.
Auch in Israel kam es kürzlich laut Berichten der Tageszeitung Israel National News zu schweren Verläufen: Zwei Kinder, ein Junge im Alter von sechs Jahren und ein Mädchen im Alter von 10 Jahren, sind dort innerhalb kurzer Zeit im Krankenhaus verstorben. Beide hatten ersten Erkenntnissen zufolge keine Vorerkrankungen. Die Kinder wurden auf den Influenza-A-Stamm positiv getestet, zu dem auch die aktuell vorherrschende Virusmutation H3N2 gehört.
Kein harmloser Schnupfen
Von Januar bis Mai dieses Jahres waren nach Divi-Angaben rund 135.000 Menschen wegen Influenza im Krankenhaus, davon 30.000 Kinder. Anders als bei Corona sei bekannt, dass die Influenza-Inzidenzen bei Kindern extrem hoch seien. Die DIVI führte die Saison von Januar bis Mai eine Befragung unter Kinderintensivstationen durch. Die Zahlen sind erschreckend: „10 Prozent der Kinder auf der Intensivstation sind verstorben“, zeigt Ellen Heimberg auf. „Weitere 10 Prozent sind mit großen neurologischen Defiziten, das heißt mit starken, vielleicht ein Leben lang bestehenden Beeinträchtigungen, nach Hause gegangen.
Solche Komplikationen können nach Angaben der Expertin beispielsweise nach einer begleitenden Infektion des Gehirns auftreten. Die Kinder waren zudem alle ungeimpft. Etwas mehr als ein Drittel der Kinder seien vorher vollkommen gesund gewesen, berichtete Heimberg weiter, andere hätten Vorerkrankungen wie Asthma gehabt oder hatten als ehemalige Frühgeborene ein höheres Risiko.
Influenza sei kein harmloser Schnupfen, „sondern Influenza ist eine wirklich ernstzunehmende und auch zum Teil wirklich ganz, ganz dramatisch verlaufende Erkrankung“, sagt Florian Hoffmann. Davon seien auch Kinder betroffen und trügen in der Regel dazu bei, dass sich das Virus in den Familien ausbreite.
Plant die STIKO eine Änderung der Impf-Empfehlungen für Kinder?
Die Ständige Impfkommission rät derzeit unter anderem Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken, Schwangeren, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinischem Personal zur Grippe-Impfung. Kinder werden in der Liste bislang nicht geführt.
Presseagenturen zufolge hat sich die STIKO zurückhaltend zu dem Vorschlag der Intensiv- und Notfallmediziner geäußert. Eine Abweichung vom üblichen Verfahren zur Anpassung von Empfehlungen sei aktuell nicht vorgesehen, sagte Berit Lange, Vorsitzende der AG Influenza. Das Thema habe jedoch in der Stiko hohe Priorität, und man arbeite „so schnell wie möglich“ an der Bewertung der verfügbaren Daten.
Welche Länder empfehlen bereits die Grippe-Impfung für Kinder?
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts empfehlen einige EU-Länder bereits die Grippe-Impfung für Kinder. Darunter beispielsweise Finnland, Österreich, Frankreich, Litauen, Malta, Slowenien und Slowakei). Es bestehen jedoch Unterschiede bei den empfohlenen Altersgruppen.
Welche Impfstoffe gibt es für Kinder?
Für Kinder wird dem RKI zufolge der gleiche Totimpfstoff verwendet, der auch bei Erwachsenen zur Anwendung kommt. Auch die Dosis ist die gleiche. Neben den Totimpfstoffen ist auch ein Lebendimpfstoff verfügbar, der über Nasentropfen verabreicht wird und alternativ bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren angewandt werden kann, z. B. bei bekannter Spritzenangst. Dieser Lebendimpfstoff bringt allerdings einige Voraussetzungen mit, kann etwa nicht bei Kindern mit Vorerkrankungen wie schwerem Asthma verabreicht werden. Weitere Informationen dazu liefert das RKI auf der Themenseite Was ist bei dem Influenza-Lebendimpfstoff (LAIV, Nasenspray) zu beachten?

