Glyphosat im Wasser: Studie entdeckt überraschende Quelle

Bisher nahmen Wissenschaftler an, Glyphosat kommt ausschließlich aus Einträgen durch die Landwirtschaft in Gewässer und Böden. Eine neue Studie legt nahe, dass auch ganz alltägliche Dinge das Herbizid entstehen lassen können. (Symbolbild)
Thomas Warnack / dpaGlyphosat gilt als umstrittenes Pflanzenschutzmittel – doch wie genau gelangt es eigentlich in Flüsse und Seen? Eine neue Studie der Uni Tübingen legt nahe, dass nicht nur die Landwirtschaft für den Eintrag in Gewässer verantwortlich ist. Die Ergebnisse zeigen eine bisher ungesehene Quelle, die bei den meisten Menschen im Haushalt zu finden ist.
Was ist Glyphosat?
Glyphosat gilt weltweit als einer der am häufigsten verwendeten Herbizide, also Pflanzenschutzmittel. In Pflanzen und vielen Mikroorganismen hemmt der Stoff die Bildung lebenswichtiger Proteinbausteine, sodass deren Wachstum unterbunden wird. Durch Auswaschung aus Böden kann Glyphosat in der Folge in Gewässer und die Umwelt gelangen. Wie stark Lebewesen aller Art dadurch geschädigt werden, ist nicht abschließend geklärt. Ökologen warnen jedoch vor unüberschaubaren Folgen. Auf den menschlichen Körper wirkt Glyphosat nur schwach giftig, allerdings wird eine krebserregende Wirkung diskutiert.
Glyphosat im Gewässer dank Waschmittel?
Lange Zeit wurde angenommen, dass Glyphosat fast ausschließlich durch die Landwirtschaft in die Umwelt gelangt – über gespritzte Äcker, abfließendes Regenwasser oder Erosion. Doch Forschende der Universität Tübingen haben nun in einer Studie eine überraschende alternative Quelle identifiziert: Haushaltswaschmittel.
Im Zentrum der Tübinger Untersuchung standen sogenannte Aminopolyphosphonate, insbesondere die Verbindung „DTPMP“, ausgeschrieben (Diethylentriaminpenta(methylenphosphonsäure). Solche Substanzen werden in vielen Wasch- und Reinigungsmitteln als Wasserenthärter eingesetzt. Klingt zunächst harmlos, kann sich aber zum Problem entwickeln: In Kläranlagen, so das Ergebnis der Studie, können solche Substanzen sich nämlich unter bestimmten Bedingungen – etwa in Anwesenheit von Mangan – in Glyphosat und ähnliche Verbindungen umwandeln.
Allerdings gibt es auch Zweifel an den Studienergebnissen. So erklärt Prof. Dr. rer. nat. habil. Marion Martienssen, die in Cottbus zu Wasseraufbereitung forscht, gegenüber dem Deutschlandfunk, dass sie Zweifel an der in Tübingen nachgewiesenen Reaktion in Kläranlagen habe. Auch der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel meldet Zweifel an.
Studie aufgrund unerwarteter Belastungen in Gewässern
Wie kam es zur Studie? Die Wissenschaftler beobachteten Glyphosateinträge über längere Zeiträume und bemerkten, dass auch in Regionen und zu Zeiten ohne landwirtschaftliche Glyphosat-Anwendung erhöhte Glyphosatwerte in Gewässern festgestellt wurden. Diese Befunde widersprechen der bisherigen Annahme, dass nur der Ackerbau für die Belastung verantwortlich sei.
„Die Ergebnisse zeigen, dass Haushaltsabwässer eine bisher unterschätzte Quelle für Glyphosat in der Umwelt darstellen können“, erklärt Dr. Daniel Janz vom Forschungsteam. Die Substanzen gelangen dabei über Waschmaschinen und Abflüsse in Kläranlagen – und von dort in Flüsse und Seen. „Wir haben nun den Nachweis erbracht, dass aus bestimmten Aminopolyphosphonaten, die in Waschmitteln eingesetzt werden, in Anwesenheit von Mangan Glyphosat entsteht. Das ist ein wichtiger Schritt. Im nächsten Schritt muss nun geprüft werden, welche Rolle diese Glyphosatquelle mengenmäßig spielt“, fasst Professor Stefan Haderlein vom Geo- und Umweltforschungszentrum der Universität Tübingen den Stand der Untersuchungen zusammen. „Dazu müssen wir noch besser verstehen, wie Umweltbedingungen in Gewässern und Abwassersystemen die Menge an Glyphosat beeinflussen, das bei der Reaktion von DTPMP mit Mangan entsteht.“
Was können Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt tun?
Der erste Schritt ist der Blick in Richtung Waschmittelverpackung. Ist dort einer der oben genannten Stoffe angegeben, ist es sinnvoll, nach Alternativen zu schauen. So können zum Beispiel Bio-Waschmittel ohne Aminopolyphosphonate verwendet werden.
Das Umweltbundesamt empfiehlt, auf Phosphate in Waschmitteln zu verzichten. Auch die genaue Dosierung des Mittels, nämlich in Abhängigkeit des Wasserhärtegrades in der eigenen Region, ist hilfreich. Umweltfreundliche Waschmittel gibt es aber nach Einschätzung des Umweltbundesamtes nicht, da Waschmittel grundsätzlich die Kläranlagen und Gewässer mit enthaltenen Chemikalien belasten. Das sind weitere Empfehlungen des Umweltbundesamtes zum klimafreundlichen Waschen:
- Besser Waschpulver als flüssige Waschmittel verwenden, da diese eine höhere Waschleistung haben und so das Klärwerk vor Ort nicht in so hohem Maße belasten.
- Baukastensysteme verwenden, bei denen Waschmittel, Enthärter und Bleichmittel getrennt sind. Dadurch kann genauer nach Bedarf und somit sparsamer dosiert werden.
- Weniger Waschen und nur dann, wenn es nötig ist. Das schont nicht nur die Stoffe und Farben, sondern auch die Umwelt und den Geldbeutel.
- Starke Verschmutzungen vorab mit Gallseife oder Fleckenmitteln behandeln.
