Gewalt, Vorurteile, Rassismus: Diese Kinderbücher wollen Eltern heute nicht mehr im Regal haben

Das Foto zeigt Konrad und Schneider aus dem Bilderbuch „Der Struwwelpeter“. 1844 erschien das Buch des Arztes Heinrich Hoffmann zum ersten Mal. Anlass für die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen, dem Buch und seiner Wirkungsgeschichte im September 2019 eine Ausstellung zu widmen.
picture alliance/dpa/ATAK und Kein & Aber Verlag, Zürich 2009 | ATAK/Georg BarberKindern vorzulesen stärkt die Bindung zwischen Kind und Elternteil, es bereichert den Wortschatz des Kindes, fördert Empathie und Fantasie, und übt die Aufmerksamkeitsfähigkeit. Geschichten und Bücher haben eine enorme Wirkung auf das, was Kinder glauben und von der Welt wissen. Da ist es umso wichtiger, dass wir unseren Kindern Geschichten vorlesen, die mit unseren Werten und Moralvorstellungen übereinstimmen. Doch tun das die beliebten Kinderbuchklassiker wirklich? Folgende Bücher und Geschichten, die seit Jahrzehnten gerne vorgelesen werden, sind gar nicht so kinderfreundlich, wie man denkt.
Diese Kinderbuchklassiker sind gar nicht so kinderfreundlich, wie man denkt
An folgenden acht beliebten und tief verwurzelten Kinderbüchern wird seit einigen Jahren heftige Kritik geübt.
Struwwelpeter
„Der Struwwelpeter“ wurden 1844 von dem Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann geschrieben. In den Geschichten des Struwwelpeters geht es um Kinder, denen schreckliche Dinge und Gewalt widerfahren, weil sie unvorsichtig waren oder die Regeln nicht befolgt haben. Das reicht vom Sturz in den See über abgehackte Finger bis hin zum Tod. Die Geschichten und Bilder sind nicht zu gruselig und traumatisierend, sondern spiegeln veraltete Werte, die es heute nicht mehr oder in anderer Form gibt. Als die Geschichte vom Struwwelpeter 175 Jahre alt wurde, widmete die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen, dem Buch und seiner Wirkungsgeschichte eine Ausstellung.
Die kleine Hexe
Otfried Preußler schrieb das Kinderbuch „Die kleine Hexe“ im Jahr 1957. In der Geschichte werden Wörter verwendet, die heute als politisch unkorrekt gelten und die man seinen Kindern nicht vorlesen möchte. 2013 wurde das Buch überarbeitet und diskriminierende Wörter wie „Neger“ wurden gestrichen und ersetzt.
Die Struwwelliese
„Die Struwwelliese“ ist das Pendant zum Struwwelpeter, nur dass es in dem Buch von Cilly Schmitt-Teichmann um ein Mädchen geht. Genau wie bei dem Struwwelpeter wird die Struwwelliese dafür bestraft, weil sie unpünktlich oder nicht so zurechtgemacht ist, wie es die Erwachsenen gerne hätten. Sie wird sogar von ihrem Vater im Keller eingesperrt.
Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Millionen
Jeder von uns ist mit Mickey Mouse, Donald Duck und seinem reichen Onkel Dagobert aufgewachsen. 2023 kündigte Don Rosa, der Zeichner von Donald Duck, an, dass „Onkel Dagobert–Sein Leben, seine Millionen“ wegen der Figur „Bombie the Zombie“ nicht mehr von Disney veröffentlicht wird. „Bombie the Zombie“ verkörpert rassistische Klischees.
Max und Moritz
„Max und Moritz“ wurde 1865 von dem deutschen Dichter Wilhelm Busch geschrieben. Auch diese Geschichte ist von Gewalt geprägt. Max und Moritz werden am Ende von dem Müller gemahlenen und an die Gänse gefüttert. Die Kinder werden also von einem Erwachsenen ermordet - klingt nicht nach einer schönen Kindergeschichte...
Märchen der Brüder Grimm
Die Märchen der Brüder Grimm sind bekannt für ihre Brutalität und die veralteten Geschlechterstereotypen, die in den Märchen verherrlicht werden. Jacob und Wilhelm Grimm gaben ihre Märchen von 1812 bis 1858 heraus. Einst waren sie sehr beliebt und aus den Kinderstuben nicht wegzudenken. Kritik wurde in den letzten Jahren aber laut, weil die Inhalte nicht für Kinder bestimmt sein sollten. Nicht nur Gewalt wird normalisiert, sondern auch toxische Verhaltensmuster von bestimmten Personen, wie die Stiefmutter, die eifersüchtig ist, oder der Frosch, der im Tausch für einen Gefallen die Prinzessin heiraten will.
Der Regenbogenfisch
Marcus Pfister erschuf mit seinem Kinderbuch „Der Regenbogenfisch“ (1992) einen internationalen Klassiker. Allerdings werden immer mehr Stimmen laut, die das Buch kritisieren. Der wunderschöne Regenbogenfisch muss seine Glitzerschuppen abgeben und mit anderen Fischen teilen, um akzeptiert und geliebt zu werden. Das bringe Kindern bei, dass man nicht herausstechen darf, um akzeptiert zu werden, dass man nicht stolz auf sich sein darf und dass man sein Hab und Gut teilen muss, sonst wird man isoliert.
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
Ähnlich wie bei der kleinen Hexe, wurde Jim Knopf überarbeitet, um rassistische Wörter und stereotype Beschreibungen zu streichen. Außerdem wurde Jim Knopfs Hautfarbe und Aussehen auf den Bildern angepasst. Michael Ende veröffentlichte „Jim Knopf“ im Jahr 1960. Schnell wurde es zu einem sehr beliebten Kinderbuchklassiker - als Neuauflage ab 2024 auch in politischer Korrektheit.
Diese Liste stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
