Frauenrechte
: UN: „Eine von vier Frauen kann nicht Nein zu Sex sagen.“

Die Rechte von Frauen werden nach Einschätzung der Vereinten Nationen weltweit immer weiter eingeschränkt.
Von
David Hahn
Berlin
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Schwangerschaftstest: ILLUSTRATION - 10.04.2024, Sachsen, Leipzig: Ein Schwangerschaftstest zeigt mit zwei Streifen eine Schwangerschaft an. (zu dpa: «Abtreibung: Keine schnelle Neuregelung zu erwarten») Foto: Hendrik Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Viertel aller Frauen weltweit habe laut UNFPA bislang nicht das Recht, Nein zu sagen, wenn ihr Partner Sex wolle. Zudem könne derzeit jede zehnte Frau keine eigenen Entscheidungen über Empfängnisverhütung treffen.

Hendrik Schmidt/dpa

Rassismus, Sexismus und andere Formen von Diskriminierung verletzen nach einem UN–Bericht das Recht von Millionen Mädchen und Frauen weltweit auf sexuelle und reproduktive Gesundheit.* Das berichtet der UN–Bevölkerungsfonds UNFPA in New York:

Frauenrechte immer stärker zurückgedrängt

Die Rechte von Frauen werden nach Einschätzung der Vereinten Nationen weltweit immer weiter eingeschränkt. Dies berichtet die Deutsche Presse-Agentur in Berufung auf den Weltbevölkerungsbericht 2024, der am Mittwoch vom UN–Bevölkerungsfonds (UNFPA) veröffentlicht wurde. Rechte von „Frauen, Mädchen und geschlechtsdiversen Menschen werden immer stärker zurückgedrängt“, sagte UNFPA–Chefin Natalia Kanem. Auch sexuelle Gewalt sei in nahezu jedem Land der Welt ein Problem: „Eine von vier Frauen kann nicht Nein zu Sex sagen.“ Jede zehnte Frau könne keine eigenen Entscheidungen über Empfängnisverhütung treffen.

Kritik: Frauenkörper von Männern politisch missachtet

Ein weiterer Indikator für Frauenrechte ist die Müttersterblichkeit. Weltweit sterben laut Bericht noch immer etwa 800 Frauen pro Tag während einer Geburt, vor allem in Entwicklungsländern. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Müttersterblichkeit seien unsichere Abtreibungen. Gerade bei Fragen zu Fruchtbarkeitsbehandlungen und Schwangerschaftsabbrüchen würden Frauenkörper in der Politik aber oft als „Schlachtfeld“ genutzt. „Das Leben und die Gesundheit von Frauen und Mädchen sollten nicht politischem Druck ausgesetzt sein“, betonte Kanem.

Politische Entscheidungsgremien seien zu sehr von Männern dominiert, sagte die UNFPA–Exekutivdirektorin Natalia Kanem, Frauen hätten zu wenig Mitspracherecht.

Armut verschärfe Risiko

Überall seien die Ärmsten am stärksten benachteiligt: Die Hälfte der Todesfälle im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt oder Komplikationen danach entfalle auf Länder mit humanitären Krisen oder Konflikten. Das seien etwa 500 Todesfälle jeden Tag. Auch innerhalb von Ländern profitierten reichere Frauen stärker von Gesundheitsdiensten als ärmere.

UNFPA fordert Investitionen für benachteiligte Frauen

UNFPA verlangt Programme zur Verbesserung der Situation, die sich spezifisch an die benachteiligten Frauen richten. Investitionen von 79 Milliarden Dollar (rund 74 Mrd Euro) in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen könnten bis 2030 rund 400 Millionen ungeplante Schwangerschaften verhindern und eine Million Leben retten.

Die UNFPA–Chefin verwies auf die richtungsgebende Weltbevölkerungskonferenz von 1994 in Kairo, die „Jahrzehnte des Fortschritts“ eingeleitet habe. Seitdem sei die Zahl der ungewollten Schwangerschaften laut UNFPA–Bericht um 20 Prozent zurückgegangen.

Quellen:

*Damit ist nach der Definition des deutschen Ministeriums für Entwicklungszusammenarbeit „das uneingeschränkte körperliche und seelische Wohlbefinden in Bezug auf alle Bereiche der Sexualität und Fortpflanzung des Menschen“ gemeint.