Am 14. Juli 2021 ist der französische Nationalfeiertag. Die Franzosen feiern an diesem Tag die „nationale Versöhnung“ von Frankreich. Liberté, Égalité, Fraternité: Mit diesem Schlachtruf stürmten Milizen der Pariser Bezirke am 14. Juli 1789 das Staatsgefängnis von Ludwig XVI. im Osten von Paris. Dieser Schlachtruf wurde berühmt und ist seitdem fest verankert im sozialen Gedächtnis der Franzosen und in Geschichtsbüchern. Der Beginn der Französischen Revolution markiert den Tag des Nationalfeiertags in Frankreich.
Doch was sind die geschichtlichen Hintergründe? Wie wird der Nationalfeiertag in Frankreich gefeiert? Bedeutung, Feuerwerk, Kritik – wir haben euch alle Informationen über den Feiertag der Grande Nation zusammengefasst.

Nationalfeiertag Frankreich: Sturm auf die Bastille

Der Auslöser der Französischen Revolution war die Krise des absolutistischen Staates. Der Staat war bankrott und erhöhte die Steuern. Die Abgabe der Steuerlast war jedoch für den dritten Stand so erdrückend, dass sie ihre Höfe abgeben mussten, Hungersnöte litten und durch Seuchen stets vom Tod bedroht wurden. Dieser sogenannte dritte Stand bestehend aus Stadtbürgern und Bauern machte damals 98% der Bevölkerung aus. Auch politisch hatten sie keinerlei Mitsprache recht. Im Juli 1789 befand sich daher das Volk von Paris in Unruhe, es kam zum Volksaufstand.
Mit dem Sturm auf die Bastille begann die Französische Revolution und dieser Tag wurde zu einem Mythos in Frankreich. Er ist im sozialen Gedächtnis der Franzosen verankert als symbolischer Akt der revolutionären Umbrüche. Sie verbinden damit den Sieg über das verhasste Ancien Régime am Ende des absolutistischen Zeitalters. Den Umbrüchen 1789 folgte ein neues Wahlrecht und es wurde die Gleichheit aller Menschen postuliert. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ – dies waren die Schlagworte der Französischen Revolution und sie werden bis heute zitiert.
Die Bastille wurde nur kurze Zeit nach dem Sturm abgerissen. Ihre Steine wurden anschließend als Erinnerungsstücke und Souvenirs verkauft. Heute ist von der Bastille fast nichts mehr übrig. Wo früher die Bastille stand, ist heute in Paris der „Place de la Bastille“. Wer genau schaut, kann auf dem stark befahrenen Platz die gepflasterten Umrisse der ehemaligen Festung sehen.

Export der Französischen Revolution

Doch die Frankzösische Revolution veränderte nicht nur die politischen Strukturen in Frankreich, sondern auf der ganzen Welt. Denn viele Länder sahen einer Revolution wohlgesonnen entgegen. Europäische Monarchen begannen sogar Revolutionäre Bedingungen zu fördern, als sie gegen Frankreich in den Krieg ziehen wollten. Die bisher bekannte europäische soziale Ordnung erlebte dadurch einen immensen Wandel.
Auch in der Karibik hinterließ die Französische Revolution ihre Spuren. Die Hälfte von Haiti war unter Französischer Herrschaft. Aus Haiti wurden Zucker, Kaffee und auch Baumwolle exportiert. Auf diesen Plantagen arbeiteten afrikanische Sklaven und persönliche Freie. Die Proklamation der Menschenrechte in Frankreich bezogen die Sklaven auch auf sich und fingen ab 1791 an für ihre Freiheit zu kämpfen.
Die für ihre Freiheit kämpfenden Sklaven hatten in Frankreich einflussreiche Menschenfreunde, die sich anfangs für sie einsetzten, doch das Interesse an preisgünstigen Waren war stärker als an Menschenrechten. Die Revolutionäre selbst hatten trotz proklamierter Menschenrechte entschieden Kolonialherren zu bleiben. Erst im Jahr 1804 schaffte es Haiti sich unabhängig zu erklären.

Französischer Nationalfeiertag: Das Föderationsfest

Die Franzosen feiern an ihrem Nationalfeiertag nicht in erster Linie den Sturm auf die Bastille, sondern dass am Jahrestag dieser Revolution die neue Verfassung in Kraft gesetzt wurde. Am 14. Juli 1790 war der Jahrestag der Erstürmung. Gemeinsam mit 60.000 Nationalgardisten wurde bei einem Föderationsfest auf dem Champs de Mars gefeiert.
Der Sturm auf die Bastille wurde als brutal und blutig geschimpft, daher beschloss das Parlament 1878, dass es als Gedenktag ungeeignet sei. Aus diesem Grund wurde das Föderationsfest als Symbol der Grundwerte herangezogen. Am 8. Juni wurde der Gesetzesentwurf verabschiedet und am 29. Juni 1880 gab es grünes Licht vom Senat. Mit dem Raspail-Gesetz wurde der 14. Juli 1880 – ganze 90 Jahre später – zum Nationalfeiertag und auch zu einem gesetzlichen Feiertag in Frankreich erklärt.

Frankreich: Der erste Nationalfeiertag 1880

Der erste Nationalfeiertag 1880 wurde von einer einberufene Komission geplant. Es gab Feierlichkeiten in Schulen, republikanische Statuen wurden geweiht, Lebensmittel an Notleidende verteilt, Beflaggung und Truppenparaden fanden statt. Seit diesem Tag ist der Nationalfeiertag eine Hommage an die Werte der Republik.
Am ersten Nationalfeiertag von Frankreich wurde auch die Marianne, gemalt von Eugéne Delacroix (1798 – 1863), als Anführerin des Volkes auf Leinwand verewigt und gilt seit jeher als Symbol der Republik.
Marianne, verewigt auf dem Gemälde von Eugene Delacroix.
Marianne, verewigt auf dem Gemälde von Eugene Delacroix.
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Nationalfeiertag Frankreich: Feuerwerk, Paraden, Volksfest

Nur wenig hat sich seitdem ersten Nationalfeiertag der Franzosen geändert. Bis heute wird die gemeinsame Vergangenheit verherrlicht. Ob in der Großstadt oder im Dorf, schon am Vorabend wird überall bis in die Puppen gefeiert.
In Frankreich ist die Tradition der Militärparade auf der Avenue der Champs-Élysées am Nationalfeiertag fest verankert. Traditionell eröffnet die Patrouille de France die Parade. Flieger malen mit ihren Kondensstreifen die Nationalfarbe in den Pariser Himmel. Punkt zehn Uhr morgens wird die Ankunft des Präsidenten mit Trompeten verkündet und die französischen Streitkräfte marschieren zu Trommelwirbeln im Gleichschritt.
Nach der Parade gibt es ein großes Volksfest mit viel Kultur und kostenlosen Konzerten mit Weltstars. Der große Tag endet um Mitternacht. Zum Finale gibt es ein fulminantes Feuerwerk.
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Youtube Feuerwerk am Nationalfeiertag von Frankreich

Tag der Bastille: Kritik am französischen Nationalfeiertag

Seit einigen Jahren wird der traditionelle Aufmarsch des Militärs kritisiert. Auch in der Politik wurde die Abschaffung der Parade in die Wahlkampfkampagnen mit aufgenommen. Grund dafür werden die zu hohen Kosten – schätzungsweise vier Millionen Euro – und die zu hohe Schadstoffbilanz wegen hohem Geschütz aufgeführt.
Zudem wird die Ideologie der Parade hinterfragt. Die Tatsache das der Nationalfeiertag dadurch mit Militär und Todesmaterial in Verbindung gebracht wird, würde nicht das Ideal der Französischen Revolution verkörpern.
Ein weiterer Kritikpunkt auf der Agenda ist das Faktum, dass nur wenige demokratische Staaten eine Militärparade organisieren. In autokratischen und diktatorischen Ländern ist das verbreiteter. In solchen Staaten scheint es eine Art Notwendigkeit zu sein, die militärische Stärke der Nation zur Schau zu stellen.

Nationalfeiertag Frankreich 2021 trotz Corona

Nach dem coronabedingten Ausfall im vergangenen Jahr will Frankreich seinen Nationalfeiertag an diesem Mittwoch wieder mit der traditionellen Militärparade um 10:00 Uhr auf den Pariser Champs-Élysées begehen. Die Veranstaltung mit Staatschef Emmanuel Macron soll in diesem Jahr in die Zukunft blicken und unter dem Motto „Gagner l'avenir“ (Die Zukunft gewinnen) auch den Willen würdigen, die Schwierigkeiten der Corona-Krise zu überwinden, hieß es aus dem Präsidentenpalast.
Bei der Militärparade werden knapp 5000 Militärs erwartet – zu Fuß, im Flieger, in Wagen und auf dem Pferd. Auch Angehörige der internationalen Truppe „Takuba“, die im Sahelgebiet gegen islamistische Terrorgruppen kämpft, sollen mitmarschieren.