Flugzeug-Absturz Florida
: Das waren die letzten Funksprüche aus dem Cockpit

Neun Menschen sterben beim Absturz eines Privatjets in Florida. Jetzt veröffentlichte Funkaufnahmen dokumentieren die dramatischen letzten Momente an Bord. Die Besatzung meldet zunächst Eis und Turbulenzen. Kurz darauf rast die Maschine unkontrolliert Richtung Boden.
Von
Matthias Kemter
Stuttgart
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Absturz eines Kleinflugzeugs in Florida: Rettungs sind bei einem Flugzeugabsturz im Palm Beach County im Einsatz. (zu dpa: «Florida: Privatflugzeug stürzt in Wohngebiet – neun Tote»)

Flugzeug-Absturz in Florida: Neun Menschen sterben. Dramatische Funksprüche zeigen, wie die Piloten kurz vor dem Absturz um Kontrolle kämpfen.

Mark Elias/AP/dpa

West Palm Beach (USA) – „Mayday, Mayday!“ Dann überschlagen sich die Ereignisse. Eine Pilotin meldet verzweifelt, dass ihr Flugzeug mit enormer Geschwindigkeit an Höhe verliert. Wenige Sekunden später ist klar: Die Besatzung kann die Katastrophe offenbar nicht mehr verhindern. Nach dem tödlichen Flugzeug-Absturz im US-Bundesstaat Florida am Sonntag (1. November) sind erschütternde Funkaufnahmen aufgetaucht. Sie sollen die letzten Minuten an Bord des Privatjets vom Typ Learjet 60 dokumentieren. Alle neun Menschen in der Maschine kamen ums Leben.

Flugzeug-Absturz Florida: Pilotin meldete zunächst Eis und Turbulenzen

Der Privatjet war in Austin im US-Bundesstaat Texas gestartet und befand sich auf dem Weg zu den Bahamas. Zunächst deutete im Funkverkehr offenbar noch nichts auf eine unmittelbar bevorstehende Katastrophe hin. In rund elf Kilometern Höhe meldete die Besatzung der Flugsicherung in Miami Probleme mit den Wetterbedingungen. Am Flugzeug habe sich Eis gebildet, zudem gebe es mäßige Turbulenzen. Die Außentemperatur betrage minus 47 Grad Celsius, erklärte die Pilotin laut den veröffentlichten Funkaufzeichnungen. Den Eisansatz habe man unter Kontrolle. Kurz darauf meldete die Besatzung Niederschlag und bat darum, auf eine größere Flughöhe steigen zu dürfen. Die Fluglotsen erteilten die entsprechende Freigabe. Doch nur Augenblicke später änderte sich die Situation dramatisch.

„Wir werden auf dem Boden aufschlagen“

Plötzlich meldete die Pilotin einen massiven Höhenverlust. „Mayday, Mayday“, funkte sie an die Fluglotsen. Die Maschine verliere inzwischen 10.000 Fuß pro Minute an Höhe – das entspricht rund 3.000 Metern. Nur Sekunden später verschärfte sich die Lage weiter. Der Jet befinde sich in einem Zustand überhöhter Geschwindigkeit und sinke inzwischen mit 20.000 Fuß pro Minute, berichtete die Pilotin. Dann folgte einer der erschütterndsten Sätze aus dem Funkverkehr: „Wir werden auf dem Boden aufschlagen.“ Der Fluglotse versuchte, den Kontakt aufrechtzuerhalten. „Ich bin bei Ihnen. Sprechen Sie mit mir“, antwortete er laut den veröffentlichten Aufzeichnungen. Die Pilotin meldete daraufhin eine Sinkgeschwindigkeit von 22.000 Fuß pro Minute und eine Schräglage des Flugzeugs von 60 Grad. Auf den Aufnahmen sind anschließend Schreie zu hören. Eine Stimme aus dem Cockpit ruft sinngemäß: „Verdammt, uns bleibt keine Zeit mehr!“ Wenig später bricht die Verbindung ab.

Privatjet raste fast senkrecht in den Boden

Wie schnell die Situation außer Kontrolle geriet, zeigen auch die Flugdaten. Nach Angaben des Flugverfolgungsdienstes Flightradar24 erreichte der Learjet zeitweise eine Sinkgeschwindigkeit von mehr als 32.000 Fuß pro Minute. Das entspricht rund 9.750 Metern pro Minute. Kurz vor dem Absturz befand sich die Maschine demnach in einem extrem steilen Sinkflug. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie der Privatjet nahezu senkrecht auf eine Straße in der Nähe eines Wohngebiets bei Cresthaven in Palm Beach County zurast. Beim Aufprall explodiert das Flugzeug. Ein gewaltiger Feuerball steigt auf, im Asphalt bleibt ein großer Krater zurück. Gegen 12.50 Uhr Ortszeit schlug die Maschine auf. Für die neun Menschen an Bord kam jede Hilfe zu spät.

Warum stürzte der Privatjet in Florida ab?

Die Ursache des Unglücks ist weiterhin unklar. Die US-Flugunfalluntersuchungsbehörde NTSB hat Ermittlungen aufgenommen. Im Mittelpunkt dürften unter anderem die Wetterbedingungen, die gemeldete Vereisung und der plötzliche Kontrollverlust stehen. Ob Eis oder Turbulenzen tatsächlich zum Absturz führten, ist bislang nicht geklärt. Die Ermittler müssen nun rekonstruieren, warum der Learjet nach der Freigabe zum Steigflug innerhalb kürzester Zeit in einen derart steilen Sinkflug geriet. Die letzten Funksprüche machen deutlich, wie schnell sich die Lage an Bord zuspitzte – und wie verzweifelt die Besatzung in den letzten Sekunden versuchte, auf die Katastrophe zu reagieren.