Start am Flughafen BER
: Flugzeug lässt 25.000 Liter Kerosin über Brandenburg ab

Ein Flugzeug der Qatar Airways startet vom Flughafen BER in Richtung Doha. Doch nach 40 Minuten dreht es wieder um und versprüht 20 Tonnen Treibstoff über Brandenburg. Was war passiert?
Von
Till Eichenauer
Schönefeld/Berlin
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Ein Airbus A380 der Qatar Airways aus dem Emirat Katar fliegt am weitgehend blauen Himmel über Frankfurt hinweg. +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Flugzeug der Qatar Airways hinterlässt Kondensstreifen hinter den Triebwerken. Dass Flugzeuge in der Luft Kerosin ablassen, kommt nur äußerst selten vor. (Symbolbild)

Frank Rumpenhorst/dpa

Am Samstag, 28. Februar 2026, um 8.10 Uhr, startete eine Boeing 777 vom Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld in Richtung Doha, in Katar. Das Flugzeug flog weniger als eine Stunde in Richtung Südosten, als die Nachricht eintraf: Die USA hatten ihre Angriffe auf den Iran begonnen – der Luftraum über dem Zielgebiet über der arabischen Halbinsel wurde gesperrt. Um 9.05 Uhr, etwa auf Höhe von Budapest, leitete die Qatar-Airways-Maschine eine Wende ein und flog zurück in Richtung BER.

Das Problem: Eine Boeing 777, das weltweit größte Flugzeug mit zwei Triebwerken, ist für Langstrecken ausgelegt und kann bis zu 181.000 Liter Kerosin tanken. Das ist siebenmal mehr, als in den klassischen Ferienflieger, einen Airbus A320, passt.

Normalerweise starten Flugzeuge voll betankt und schwer und landen dann deutlich leichter am Zielflughafen, wenn ein Großteil des Treibstoffs verbraucht ist. Nach weniger als einer Stunde Flugzeit war die Maschine vom BER nach Doha aber noch viel zu schwer.

Deshalb lässt die Boeing 777 auf ihrem Rückweg nach Berlin große Mengen an Treibstoff aus ihren Tanks. Laut einem Dokument des Luftfahrtbundesamtes über der Region „östliches Sachsen - südliches Brandenburg“. Auf Nachfrage erklärte die Deutsche Flugsicherung (DFS) zu dem Fall: „Um sicher landen zu können, musste die Besatzung rund 20 Tonnen Treibstoff ablassen.“

Kerosin etwa 100 Kilometer vor Flughafen BER abgelassen

Qatar Airways teilte mit: „Während des Rückflugs nach Berlin befolgte die Flugbesatzung die vom Hersteller genehmigten Standardverfahren, um sicherzustellen, dass das Flugzeug die zertifizierten Grenzen für das Landegewicht einhielt und somit sicher landen konnte.“

Auf den gespeicherten Positionsdaten des Fluges QTR24C zeigt sich, wie die Maschine über dem nördlichen Tschechien begann, tiefer zu fliegen. Laut DFS wurde dann der Treibstoff bei einer Flughöhe von 5500 Metern, etwa der Hälfte der vorherigen Reiseflughöhe, abgelassen. Dies sei laut Flugsicherung noch das Dreifache der vorgeschriebenen Mindesthöhe für das sogenannte „Fuel Dumping“.

Aufgezeichnete Flugroute des Qatar-Airways-Fluges QTR24C von Berlin nach Doha, am 28. Februar 2026. Etwa 55 Minuten nach dem Start setzte das Flugzeug zur Wende an.

Aufgezeichnete Flugroute des Qatar-Airways-Fluges QTR24C von Berlin nach Doha, am 28. Februar 2026. Etwa 55 Minuten nach dem Start setzte das Flugzeug zur Wende an.

Till Eichenauer (Screenshot von www.adsbexchange.com)

Auf der Website des Luftfahrtbundesamtes heißt es: „Im Einzelfall identifiziert der Fluglotse einen geeigneten Luftraum, der ein möglichst geringes Verkehrsaufkommen aufweist und möglichst abseits großer Städte liegt.“ Dies könnte die Richtungsänderungen der 777 an der Grenze von Sachsen und Brandenburg, etwa zwischen Cottbus und Dresden, erklären, die vermutlich kurz vor oder während dem Ablassen auf den Flugdaten zu erkennen sind.

Das Umweltbundesamt (UBA) hat die Umweltauswirkungen von sogenannten Treibstoffschnellablässen durch Flugzeuge untersucht. Beim Ablassen wird die brennbare Flüssigkeit in feine Tröpfchen zerstäubt, sodass ein Großteil des Kerosins noch in der Luft verdunstet, sich in der Atmosphäre verteilt und nicht den Boden erreicht. Kerosin ist sehr flüchtig und leichter als Wasser, weshalb die 20 Tonnen Kerosin aus der 777 etwa 25.000 Litern entsprechen. Auch bei großen Mengen wie diesen gebe es laut UBA jedoch „keine kritischen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt“.

Eine Boeing 777‑200LR von Qatar Airways bei der Landung. Die meisten Flugzeuge, die am Flughafen BER landen, sind kleinere Maschinen vom Typ Airbus A320. (Symbolbild)

Eine Boeing 777‑200LR von Qatar Airways bei der Landung. Die meisten Flugzeuge, die am Flughafen BER in Schönefeld landen, sind kleinere Maschinen vom Typ Airbus A320. (Symbolfoto)

Boeing/picture alliance/dpa

Das Ablassen von Kerosin ist kein Einzelfall. Das LBA hat in den vergangenen acht Jahren 200 Fälle dokumentiert. Im Durchschnitt wird also über Deutschland alle zwei Wochen Treibstoff von Flugzeugen abgelassen. Elf Fälle wurden seit 2018 über Brandenburg registriert. Auch war bereits früher ein geschlossener Luftraum die Ursache: So etwa im September 2023, als ein Flugzeug nicht in Aserbaidschan landen konnte, wegen des Krieges um Bergkarabach. Am 19. April 2024 musste ebenfalls ein Flieger umkehren, weil der Luftraum über dem Iran geschlossen war. In beiden Fällen ließen die Flieger Treibstoff über Bayern ab. Oftmals sind es jedoch geringere Mengen als im Fall des Fluges QTR24C Ende Februar.

Laut LBA werden als mögliche Gründe für den Treibstoffablass etwa medizinische Notfälle an Bord genannt oder technische Störungen, zum Beispiel an den Triebwerken oder dem Fahrwerk. Auch ein Vogelschlag zählt dazu. Grundsätzlich werde die Entscheidung, das Flugziel zu ändern und in der Folge Treibstoff abzulassen, von der Cockpitbesatzung getroffen.