Senioren in Deutschland sind heute deutlich aktiver als noch vor einigen Jahren. Die Zahl der Arbeitenden im Rentenalter hat sich mehr als verdoppelt, und auch die der Anmeldungen an Hochschulen und in Kursen stieg deutlich. „Ältere Menschen sind heute so aktiv wie nie“, sagte der Leiter des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel, gestern in Berlin bei der Vorstellung aktueller Zahlen zur Generation ab 65.
Im vergangenen Jahr waren der Statistik zufolge 16,1 Prozent der 65- bis 69-Jährigen erwerbstätig. 2007 waren es lediglich 7,1 Prozent – also weniger als die Hälfte. Unter den Männern war der Anteil der Arbeitenden in dieser Altersgruppe mit 20,2 Prozent deutlich höher als unter den Frauen (12,3 Prozent).
Da es für Selbstständige kein festes Renteneintrittsalter gibt, sind sie unter den älteren Arbeitenden besonders stark vertreten. 2017 war rund ein Drittel der Erwerbstätigen zwischen 65 und 74 selbstständig. In der Altersgruppe darunter machten sie nur 13 Prozent aus. Claudia Vogel vom Deutschen Zentrum für Altersfragen sagt: „Das sind zum Großteil Menschen, die noch arbeiten wollen und das auch können.“

Senioren an der Uni

Vogel leitet die regelmäßig durchgeführte Alters-Umfrage des Zentrums. Die bisher letzte Erhebung aus dem Jahr 2014 fand heraus: Spaß an der Arbeit war mit großem Abstand der häufigste Grund, warum Menschen im Rentenalter arbeiteten (67 Prozent) – gefolgt vom Interesse an anderen Menschen. Nur knapp 40 Prozent gaben an, dass sie aus finanziellen Gründen weiterarbeiten.
Doch nicht nur am Arbeitsplatz halten sich die Senioren fit. Zum vergangenen Wintersemester waren 14.900 Menschen ab 65 an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Weil der Anteil der Gasthörer insgesamt zurückging, erhöhte sich ihr Anteil auf 41 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren es mit 12 800 Gasthörern noch 33 Prozent. Auch an Volkshochschulen steigt die Zahl der älteren Teilnehmer.
Eine wichtige Quelle für Informationen ist auch für Ältere mittlerweile das Internet: Im ersten Quartal 2017 war bereits jeder zweite (50 Prozent) ab 65 Jahren in Deutschland online.
Vogel führt den aktiven Lebensstil vieler Senioren auf eine bessere Gesundheit und ein höheres Bildungsniveau zurück. Beides sei deutlich gestiegen. Außerdem „wird heute von der Gesellschaft stärker erwartet, dass man sich auch im Alter aktiv beteiligt“.
Ende 2017 waren dem Statistischen Bundesamt zufolge 17,7 Millionen Menschen in Deutschland 65 oder älter. Das ist mehr als jeder Fünfte. Klar ist: Es werden mehr – vor allem, wenn von etwa 2020 an die so genannten Babyboomer in Rente gehen. Eine Berechnung des Statistischen Bundesamtes geht davon aus, dass der Anteil der Senioren im Jahr 2060 bei 31 Prozent liegen wird – das wäre fast jeder Dritte.

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Steigender Einfluss auf Wahlentscheidungen

Ältere Menschen gewinnen in Deutschland zahlenmäßig an Bedeutung. Zwischen 1990 und 2017 hat sich laut Statistischem Bundesamt  die Zahl der Menschen ab 65 Jahren bundesweit um rund 5,8 Millionen auf 17,7 Millionen erhöht. Aktuell sei damit etwa jede fünfte Person im Seniorenalter, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel.
Der Blick in die Zukunft zeigt den Statistikern, dass die Bevölkerung künftig noch wesentlich stärker als heute von älteren Menschen geprägt sein wird. So geht die Bevölkerungsvorausberechnung davon aus, dass der Anteil der Generation 65 plus im Jahr 2030 bei 26 Prozent und 2060 bei 31 Prozent liegen wird.
Grund für die Alterung der Gesellschaft sind die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer, die nach 2020 zunehmend ins Senio­ren­alter kommen. Außerdem seien die nachfolgenden Jahrgänge der jungen Menschen „deutlich schwächer besetzt“, so die Statistiker. Hinzu komme die weiter steigende Lebenserwartung.
Stark ausgeprägt ist der demografische Wandel im Osten der Bundesrepublik. Dort sei die Alterung der Bevölkerung durch die Abwanderung von meist jungen Menschen in den Westen noch beschleunigt worden. Unter den 16 Bundesländern hatte 2017 Sachsen-Anhalt mit 26 Prozent den höchsten Anteil von Menschen im Rentenalter. Unter den Flächenländern wies Baden-Würt­temberg mit 20 Prozent den niedrigsten Anteil von Personen ab 65 Jahren aus.
Auch das politische Einflusspotenzial der älteren Wahlberechtigten steigt weiter. Die Generation 60 plus stellte bei der Bundestagswahl 2017 mit 22,4 Millionen Personen bereits mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Wahlberechtigten und damit mehr als doppelt so viele wie die Generation der unter 30-Jährigen (9,2 Millionen beziehungsweise 15 Prozent). Zudem lag die Wahlbeteiligung der 60- bis 69-Jährigen bei der Bundestagswahl 2017 bei 81 Prozent und damit über dem Durchschnitt aller Altersgruppen von 76 Prozent. epd