Fleischfressendes Bakterium in Italien?
: Karte zeigt, wo Vibrionen in Europa gute Bedingungen haben

In der Straße von Messina wurde erneut Vibrio vulnificus nachgewiesen. Aber wo haben die Bakterien gute Bedingungen?
Von
Matthias Kemter
Stuttgart
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Vibrionen-Nachweis im Landesamt für Gesundheit und Soziales

Das „fleischfressende Bakterium“ Vibrio vulnificus wurde vor Italiens Küste nachgewiesen. Die Karte zeigt, wo in Europa günstige Bedingungen für Vibrionen herrschen.

Bernd Wüstneck/dpa-tmn/dpa

In der Meerenge von Messina zwischen Sizilien und Kalabrien ist das Bakterium Vibrio vulnificus erneut in den Blickpunkt gerückt. Bereits 2005 hatten Forschende der Universität Messina Vibrionen im Wasser und im Plankton der Region nachgewiesen. Der Erreger wird häufig als „fleischfressendes Bakterium“ bezeichnet. Tatsächlich kann er über offene Wunden in den Körper gelangen und schwere Gewebeinfektionen verursachen. In schweren Fällen drohen eine Sepsis, Amputationen oder der Tod.

Infektionen sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts insgesamt selten. Besonders gefährdet sind jedoch ältere Menschen sowie Personen mit Lebererkrankungen, Diabetes, Krebs oder einem geschwächten Immunsystem.

Das zeigt die ECDC-Karte

Eine Karte des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zeigt, wo die Umweltbedingungen für das Wachstum von Vibrionen besonders günstig sind. Das Modell berücksichtigt unter anderem die Temperatur der Meeresoberfläche den Salzgehalt des Wassers die Entwicklung der Bedingungen in den kommenden fünf Tagen. Als besonders günstig gelten laut ECDC eine Wassertemperatur von mindestens 18 Grad und ein Salzgehalt von weniger als 26 PSU.

ECDC Vibrio Viewer

ECDC Vibrio Viewer - Stand: 10.08.2026

ecdc.europa.eu

Warum warmes Wasser das Risiko erhöht

Vibrionen kommen natürlicherweise in Meeren, Flussmündungen und Brackwasser vor. Nach Angaben des RKI vermehren sie sich besonders stark bei Wassertemperaturen von über 20 Grad und einem mäßigen Salzgehalt. Deshalb können auch die deutsche Nord- und Ostseeküste betroffen sein. Die Ostsee bietet wegen ihres vergleichsweise niedrigen Salzgehalts besonders günstige Bedingungen. Flache Küstenbereiche und Regionen nahe Flussmündungen erwärmen sich zudem schneller beziehungsweise weisen häufig einen niedrigeren Salzgehalt auf. Man geht davon aus, dass die Erwärmung der Meere und längere Hitzeperioden dazu führen, dass Vibrionen häufiger, länger und in weiteren Regionen auftreten.

So können sich Badegäste schützen

Menschen mit offenen Wunden, Schürfungen oder frischen Tätowierungen sollten den Kontakt mit warmem Küstenwasser vermeiden. Nach dem Baden sollten Verletzungen gründlich gereinigt und abgedeckt werden. Auch rohe oder unzureichend gegarte Meeresfrüchte können Vibrionen übertragen. Bei starken Schmerzen an einer Wunde, Hautveränderungen, Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen oder Durchfall sollte umgehend ärztliche Hilfe gesucht werden. Eine schnelle Behandlung verbessert die Heilungschancen.